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Girugämesh: Crazy Crazy Crazy

Umfangreiches DVD-Paket mit großartiger visueller Umsetzung
Wertung: 8/10
Genre: Modern Metal/Digital Hardcore
Spielzeit: 175:00
Release: 29.05.2009
Label: Gan-Shin Records

Nur wenige japanische Bands, die ursprünglich aus der Visual-Kei-Szene stammen, haben es bisher geschafft, in Europa ein Publikum abseits der eingefleischten Fans zu erschließen. Girugämesh gelang dieses Kunststück unlängst, denn inzwischen konnten sie auch viele Metal-Anhänger für sich begeistern und punkteten mit vielen Auftritten in Deutschland, wo sie unter anderem auf dem Wacken Open Air auftraten.

Nach der beendeten „Crazy Tour 08-09“, die die Band rund um den Erdball führte, steht nun der erste DVD-Release hierzulande an, der den tiefgründigen Namen „Crazy Crazy Crazy“ trägt und mit zwei DVDs aufwarten kann. Die erste dieser Beiden enthält die finale Show der „Crazy Tour“ in Japan im Shibuya-AX, während die Zweite einen Blick hinter die Kulissen gewährt.

Audiotechnisch gibt es leider ein wenig Raum für Kritik, denn bei einigen Stücken ist der Sound nicht kraftvoll genug und das Schlagzeug klingt die ganze Show über ein wenig dünn. Gesang und Bass sind hingegen optimal abgemischt, so dass der Gesamteindruck letztendlich immer noch ein ganzes Stück im grünen Bereich bleibt. Visuell bietet die DVD allerhöchste Qualität: Abwechslungsreiche Kameraeinstellungen, die sowohl genug von der Band, als auch vom Publikum zeigen und eine spektakuläre Lightshow machen dieses Konzert ohne Frage zu einem Augenschmaus.

Schon beim Intro des Gigs wird klar, das Girugamesh sich ganz auf ihr neues Album „Music“ und damit auch auf die verstärkt hervorgetretenen elektronischen Elemente konzentrieren wollen: Eine Roboter-Stimme begrüßt das Publikum und geht in das Noise-artige Intro ihres aktuellen Longplayers über. Sobald die vier in letzter Zeit immer schlichter gewandeten Japaner überschwänglich grinsend die Bühne betreten, geht es auch schon mit dem melodiösen „Music“-Eröffner „Breakdown“ los. In der Setlist ist das komplette aktuelle Album enthalten, wodurch zwar leider auf einige Klassiker verzichtet werden muss, aber auch eindrucksvoll gezeigt wird, wie gut die neuen Tracks live funktionieren. Die zumeist zwischen Modern Metal und Hardcore schwankenden Songs animieren das wie immer nahezu synchron agierende japanische Publikum abwechselnd zum Headbangen und zum Fäuste recken. Stücke wie „Angry Juice“, die auf dem Album noch etwas untergingen, zünden live mit ihrem groovenden Riffing und der gut positionierten Elektronik sofort.

Sänger Satoshi ist gut bei Stimme und beeindruckt mit einer Leistung, die von seinem fehlerfreien und sehr emotionalem klaren Gesang über aggressives Rappen bis zu Screams und Shouts reicht, bei denen er aber heute die hohen Schreie durch tieferes Gebrüll ersetzt. Die drei Instrumentalisten geben sich ebenfalls keine Blöße und wirken äußerst gut gelaunt, insbesondere der mit einem fetten Dauergrinsen agierende Drummer Ryo sorgt beim Zuschauer so manches Mal für ein ebenso breites Grinsen. Satoshi kommuniziert zwar reichlich mit dem Publikum, kommt aber sehr ernst herüber und steht so in ungewohntem Kontrast zu den anderen Bandmitgliedern.

Zu den Höhepunkten der Show stehen der begeistert abgefeierte Klassiker „Shadan“ vom Debut „13's Reborn“, den Satoshi tatsächlich immer noch so emotional vorträgt, wie zu alten Zeiten, die Halb-Ballade „Ishtar“, bei der der Sänger von einem rotierenden Käfig aus grünen Laserstrahlen umgeben ist und der mit einer eingängigen Synthie-Melodie versehene Ohrwurm „Evolution“.

In der Zugabe der knapp 75-minütigen Show sind unter anderem die pre-“13's Reborn“-Kracher „Volcano“ und „Omeani Sasageruminikui Koe“ enthalten, wobei bei „Volcano“ die Halle stilecht in ein bedrohliches rotes Licht getaucht wird.

Die Bonus-DVD enthält einen 100-minütigen Einblick in das Tourleben der Band, bei dem aber leider die Untertitel fehlen, so dass jeder, der der japanischen Sprache nicht mächtig ist, hier nicht viel verstehen wird. Unterhaltsam sind die abgedrehten Blödeleien der Band aber trotzdem, denn kaum eine Sekunde vergeht, in der keine verrückten Aktionen gestartet werden.

„Crazy Crazy Crazy“ ist letztendlich für jeden Fan der Band, der deren aktuelles Album einmal live erleben möchte oder einfach nur eine ihrer energetischen Live-Shows für zu Hause haben möchte, eine lohnende Angelegenheit. Doch auch jeder, der etwas mit modernem Metal anzufangen weiß, kann hier problemlos einmal hereinschauen, denn die vier Jungs klingen live ebenso ehrlich wie auf ihren CDs.

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