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Ghost: Prequelle

Ecken und Kanten sucht man mittlerweile vergeblich…
Wertung: 8,5/10
Genre: Occult Rock
Spielzeit: 41:43
Release: 01.06.2018
Label: Loma Vista

Dass Ghost inzwischen weit oben bei den ganz Großen angekommen sind, zeigt allein die Schlammschlacht Anfang des letzten Jahres, als mehrere frühere Bandmitglieder Frontmann Tobias Forge verklagten, da er sie ihrer Meinung nach nur wie Angestellte behandelte und finanziell übervorteilte. Spätestens wenn es zu solch unerfreulichen Dingen kommt, in denen es knallhart nur noch ums Geld geht, weiß man, diese Band muss erfolgreich sein. Und so ist es schließlich auch: Ausverkaufte Shows rund um die Welt sprechen eine deutliche Sprache, die Anhängerschaft setzt sich aus Fanlagern unterschiedlichster Subgenres zusammen – jeder will ein Stück vom Ghost-Kuchen abhaben.

Dass die Spannung bezüglich des vierten Longplayers ins Unermessliche stieg, dürfte da keinen verwundern – die starke „Popestar“-EP mit dem Oberknaller „Square Hammer“ sowie das im letzten Jahr erschienene, klasse Livealbum „Ceremony And Devotion“ machten den Mund wässrig; doch würde die Band angesichts des Erfolgs die Songs noch ein bisschen glatter schleifen, um auch in poppigen Randgebieten besser fischen zu können, gerade nachdem „Meliora“ nach dem recht gradlinigen „Infestissumam“ wieder etwas organischer ausgefallen war?

Man kann es sich denken, zumal wenn der Bandleader eh bereits bewiesen hat, dass er anscheinend keinen Spaß versteht, sobald es um die Kohle geht. Tatsächlich wurden auf „Prequelle“ die letzten Ecken und Kanten abgeschliffen, der von Anfang an eher unterhaltsame denn abgrundtief böse Satanismus wird nun fast nur noch mit einer dicken Zuckerglasur dargereicht. Songs wie „See The Light“ und „Dance Macabre“ sind absolut auf Eingängigkeit getrimmt und überschreiten gerne mal die Kitschgrenze – letzteres ist insgesamt einfach zu banal ausgefallen und nutzt sich schnell ab, wenngleich das Wortspiel „Just wanna be… wanna bewitch you…“ im Refrain schon clever ist und zu Ghosts süffisantem Humor passt.

Auf der anderen Seite muss man rein objektiv konstatieren, dass die Platte ausschließlich mit Hits gefüllt ist. Man kann ja von Tobias Forge halten was man will, man kann ihn geldgeil nennen und muss sein Vorgehen innerhalb der Band nicht gut finden, aber Songs schreiben kann er ganz offensichtlich. Kein Track, den man nicht als Ohrwurm bezeichnen muss, was ja bereits das vorab vorgestellte bockstarke „Rats“ bewies. Gleichzeitig handelt es sich bei jenem Stück zusammen mit dem nachfolgenden, auf einem kraftvollen, schweren Riff basierenden „Faith“ (das von der Machart an „Cirice“ erinnert) noch um das härteste Material des Albums.

Den Rest darf man getrost als auf Rock basierende Popmusik bezeichnen; das wird viele frühere Fans abschrecken, aber man muss eben auch zugeben, dass man solche Art Musik nicht besser machen kann. Die Produktion von Tom Dalgety ist auf allerhöchstem Niveau, jede Gesangslinie, jede Keyboardnuance, jeder Gitarreneinsatz ist genauestens durchdacht, was zweifellos beeindruckt, dem Ganzen aber eben auch jegliche Spontaneität und Unbekümmertheit nimmt. Dennoch sind Hymnen wie das überragende „Pro Memoria“ und das abschließende „Life Eternal“, das sich mehr und mehr steigert und dessen göttliche Melodien sich immer höher emporzuschrauben scheinen, von unglaublicher Erhabenheit und laden schon nach einem, spätestens zwei Durchläufen zum Mitsingen ein.

Auch die Instrumentalstücke sind gelungen – und immerhin zeigen diese, dass man nicht lediglich an den Verkauf denkt, sondern ein flüssiges und schlüssiges Album schon immer noch eine größere Rolle spielt, denn wer nur an die Knete denkt, packt nicht (in der heutigen Zeit schon gar nicht) zwei jeweils über fünf Minuten dauernde Instrumentals auf ein Album. Vor allem das groovige „Miasma“ begeistert, auch mit dem tollen Saxophoneinsatz am Ende (macht heutzutage auch jeder, aber wenn es passt, wieso nicht?) und beim abwechslungsreichen „Helvetesfönster“ wird sehr cool das Grundthema von „Pro Memoria“ verarbeitet und variiert.

Man darf insgesamt schon zumindest von einem kleinen Zwiespalt sprechen. Wie erwähnt, kann man das, was Ghost spielen, prinzipiell nicht besser machen. Musikalisch hat diese Truppe es einfach drauf und weiß wie es geht. Andererseits ist es trotzdem ein bisschen schade, dass es mittlerweile irgendwie so gar keine Reibungspunkte mehr gibt – die Kauzigkeit ist ihnen jetzt quasi komplett abhandengekommen; wenn man einen Song wie „Mummy Dust“ von der letzten Platte nimmt, hatte man selbst da noch ein bisschen liebenswerte Verschrobenheit erkennen lassen.

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