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Ghost Of A Chance: And Miles To Go Before I Sleep

Ungemein berührend
Wertung: 9/10
Genre: Indie Rock, Singer/Songwriter, Folk, Americana
Spielzeit: 42:00
Release: 13.08.2012
Label: Midsummer Records

Tobias Heiland – ein Name, den wahrscheinlich kaum einer kennt, den man sich aber durchaus mal notieren sollte, wenn man auf herzzerreißenden Indie Rock steht. Was jetzt anmutet wie Kitsch in Tüten, ist tatsächlich sehr gut gemachtes Singer/Songwritertum, das Heiland in seinem Projekt Ghost Of A Chance auslebt. Seit seinem 15. Lebensjahr spielt der gute Mann schon in Bands, damals noch Hardcore und Metal, was man bei den überwiegend relativ ruhigen Songs auf der ersten Scheibe „And Miles To Go Before I Sleep“ (bei deren Titel man unweigerlich an den amerikanischen Dichter Robert Frost denken muss) gar nicht erwartet hätte. Die zehn Tracks auf dem Debütalbum sind aber nicht einfach nur ruhig, sie sind treibend, beherbergen verletzliche Lyrics und teils gehetzt wirkende Gitarren, Folk-Romantik und Resignation.

Vor zwei Jahren erschien die Platte – da mittlerweile mit „Shorelines“ eine neue EP ins Haus steht und 2013 bereits der Full-Length-Zweitling erscheinen soll, nehmen wir uns zuerst einmal dem Vorgänger an, um allmählich erahnen zu können, auf welche musikalischen Qualitäten der gute Herr Heiland Wert legt. Es mag vielleicht komisch klingen, aber dass das Ein-Mann-Projekt auf Midsummer Records zu Hause ist, überrascht irgendwie so gar nicht – keinem anderen Label hätte man das Signing eines solch talentierten Songwriters zugetraut.

Wer auf fröhlich-beschwingte Lieder hofft, kann sich hier eigentlich gleich die Kugel geben – Ghost Of A Chance agieren zwar nicht gerade depressiv, aber himmelhochjauzend klingt Tobias auch nicht unbedingt - eher geplagt von den Sorgen, die er auf seinen Schultern trägt, resigniert ob der Verletzlichkeit des Menschen, und ein bisschen kann man hier in Songs wie beispielsweise „Swan Song“ eine todtraurige Melancholie à la Johnny Cash heraushören.

Der Albumopener „Transatlantic“ kann noch nicht hundertprozentig überzeugen, dafür schiebt GOAC aber mit „Things Worth Asking" gleich einen genialen Track mit einer Hammergitarrenmelodie hinterher. „Are you really there? And if you are, why don’t you care?“ haben wir uns sicherlich schon mal alle im Gefühl des Verlassenwerdens gefragt und mit der leicht betrübten Stimme des Künstlers kommen diese Zeilen natürlich noch mal eine ganze Spur eindringlicher daher.

Wesentlich beschwingter mutet dann „Live A Little“ an, aber natürlich handelt es sich auch hierbei keineswegs um einen Gute-Laune-Song, obwohl – im Gegensatz zum nachfolgenden „Hideout“, dessen instrumentale Grundlage fast schon deprimiert durch die Lautsprecherboxen kriecht, kann man sich zu „Live A Little“ bald ein Partyhütchen aufsetzen. „Hideout“ erinnert ein wenig an das männliche Pendant zu Amy McDonals „The Footballer’s Wife“ – getragen, ruhig, und hier mit weiblicher Gesangsunterstützung, die wirklich gut zu Tobias‘ Stimme passt - ein ziemlich perfekter Song, wenn man das mal so sagen darf.

Im finalen „Sleeping With The Lights On“ schaltet Heiland dann von Resignation auf dumpfen Hass und leichte Verzweiflung um. „I really hate you bitch“ oder „I curse the day we met“ dürften da als Textverweise durchaus Bände sprechen, so richtig hasserfüllt kommt der Mann aber auch hier nicht rüber - eher mischen sich die typischen Trennungsgefühle wie Trauer oder Ungläubigkeit mit in die Wut hinein. Es ist ein perfekter Song für einen Frischgetrennten, wenn es dafür je einen gegeben hat.

Insgesamt ist „And Miles To Go Before I Sleep“ ein überraschend tiefgründiges und ergreifendes Album, das nicht viele Durchläufe braucht, um dem geneigten Hörer seine volle Bandbreite an Emotionen zu offenbaren: Wahnsinnsplatte, Wahnsinnssongwriter!

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