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Ghost: Meliora

Auch das dritte Album überzeugt auf ganzer Linie
Wertung: 9/10
Genre: Occult Rock
Spielzeit: 41:35
Release: 21.08.2015
Label: Loma Vista Recordings

Der Hype um Ghost hat inzwischen ein beträchtliches Ausmaß angenommen: Bereits beim zweiten Album „Infestissumam“ wurde dies deutlich, als man mit Nick Raskulinecz einen äußerst namhaften Produzenten ins Boot holte, und nun, im Vorfeld der dritten Scheibe „Meliora“, postete man u.a. fleißig ein Livevideo nach dem anderen mit neuen Stücken, um die Anhängerschaft so richtig scharf auf die Platte zu machen.

Wie bei jeder Band, die erfolgreich ist, noch dazu bei einer, die sich okkulte Inhalte auf ihre Fahnen geschrieben hat, gehen die Meinungen doch sehr stark auseinander; ähnlich wie die seligen The Devil's Blood seinerzeit, befinden sich die Schweden um ihren nunmehr dritten Sänger Papa Emeritus III. (nee, is’ klar…) in der Schwebe zwischen leidenschaftlicher Verehrung und verächtlicher Ablehnung. Rein musikalisch indes muss jeder einräumen, dass die Band etwas auf dem Kasten hat. „Infestissumam“ zeigte eine deutliche Weiterentwicklung, dank saubererer Produktion, aufwendigeren Arrangements und vielfältigeren Songwritings – rein vom Sound her rudert das Sextett auf dem neuesten Output wieder ein kleines Stück zurück.

„Meliora“ tönt wieder etwas basischer, wenn auch logischerweise nicht so undergroundig wie das Debütwerk „Opus Eponymous“ – hier hat die Band auf jeden Fall schon mal genau die richtige Mischung gefunden, vielleicht gerade, weil sie sich mit Klas Åhlund diesmal einen Produzenten holte, der vornehmlich für seine Arbeit mit Popacts wie Britney Spears, Kylie Minogue, Katy Perry und Madonna bekannt ist. Der Star-Knöpfchendreher hat den Satansbraten einen wahrlich großartigen Sound verpasst: organisch, dennoch klar und mit der nötigen Atmosphäre versehen.

Das geht schon beim Opener „Spirit“ los, der mit gespenstischen Keyboards startet und ansonsten mit seiner Schauerorgel Horrorfilm-Atmosphäre verströmt. Von Aufbau und Tempo her ähnlich wie „Per Aspera Ad Inferi“ vom Vorgänger, mag dies kein sonderlich innovativer Song sein, stellt aber einmal mehr die tollen Songwriting-Fähigkeiten der Geister unter Beweis und markiert so einen guten, unkomplizierten Einstieg, der Lust auf mehr macht.

„From The Pinnacle To The Pit“, bereits vorab zu hören gewesen, präsentiert sich anschließend deutlich rifflastiger und erweist sich umgehend als Ohrwurm allererster Güte, während das schleppende „Cirice“, mit sechs Minuten längster Track auf „Meliora“, erst mit der Zeit wächst, bis man besonders den Chorus überhaupt nicht mehr aus dem Schädel bekommt. Jenes Stück ist außerdem ein gutes Beispiel für die Detailverliebtheit des sinistren Sechsers: Da ertönt hier mal eine Pauke und dort wird auf einmal mittels einer vereinzelten, sakralen Orgel mit der Dynamik gespielt.

In Sachen Detailliebe hat allerdings vor allem das finale „Deus In Absentia“ die Nase vorn: Am Ende des Songs haben Ghost waschechte Chorgesänge platziert, die für schaurig-schöne Gänsehautmomente sorgen. Man könnte meinen, es handele sich tatsächlich um fromme Kirchenmusik, wüsste man es nicht besser, was dem Ganzen einen gewissen Creepy-Faktor verleiht.

In Form von „Majesty“ haben die Schweden des Weiteren eine erhabene, feierliche Düster-Edelhymne in petto und auch „Absolution“ läuft mit dem grandios-eingängigen, ebenfalls sehr feierlichen Refrain sofort rein. Hingegen fallen zwei Stücke ziemlich deutlich aus dem Rahmen: „He Is“ kommt schon beinahe schmalzig daher und verleitet zunächst zur etwas gemeinen Assoziation „Schlager meets Softrock“, wächst aber ebenso mit höherer Anzahl der Durchläufe und ist letztlich zu anspruchsvoll arrangiert, um als reine Kitschballade abgestempelt werden zu können.

„Mummy Dust“ (irgendwie muss ja jede Combo, die sich mit Mystizismus und Okkultismus befasst, mindestens einen Song, in dem Mumien und das alte Ägypten eine Rolle spielen, im Repertoire haben) stellt wiederum das exakte Gegenteil dar (und wurde wohl auch genau deswegen – aus Gründen der Effektivität – als Folgetrack der kleinen Pomp-Nummer auserkoren) und wirkt mit dem harschen Gesang, den Headbanger-kompatiblen Riffs sowie der unheimlichen, effizient perlenden Klaviermelodie sehr bösartig und bedrohlich. Starke Komposition, ohne jeden Zweifel eines der hervorstechenden Lieder des Rundlings.

Wenn man bedenkt, dass viele andere Bands, die schnell erfolgreich werden, unter der Erwartungshaltung zerbrechen und nach einem guten Album anschließend nur noch Durchschnitt veröffentlichen, machen sich Ghost überraschend gut. „Meliora“ ist wieder klar anders als der Vorgänger geraten; ob tatsächlich besser, wie der Albumtitel suggeriert, sei dahingestellt, aber die Band zeigt, dass sie immer noch voller Einfälle steckt. Das gilt übrigens auch für die beiden kurzen, aber sehr atmosphärischen Interludes – bei „Spöksonat“ ist beispielsweise lediglich eine Harfe (!) zu hören, die jedoch viel Zauber verbreitet und sich bestens ins Gesamtbild einfügt.

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