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Ghost: Infestissumam

Mindestens ebenbürtiges Zweitwerk
Wertung: 9/10
Genre: Occult Rock
Spielzeit: 47:47
Release: 19.04.2013
Label: Loma Vista Recordings

Ghost (oder wahlweise inzwischen auch Ghost B.C.) sind eines der besten Beispiele dafür, wie man mit einem simplen, aber effektiven Konzept schnell ziemlich erfolgreich werden kann. Das Rezept dürfte den meisten inzwischen bekannt sein: Fünf Instrumentalisten in schwarze Roben mit weit über den Kopf gezogenen Kapuzen gekleidet, die sich jeweils „A Nameless Ghoul“ nennen, um ihre Anonymität zu wahren, und ein Sänger, der als eine Art „böser Papst“ auftritt, sich die Bezeichnung „Papa Emeritus“ zulegt und völlig primitiven, plakativen Satanismus predigt, indem die Aspekte des Christentums einfach quasi umgedreht werden. Das ist, so billig es auch erscheinen mag, an sich schon recht wirkungsvoll, doch im Zusammenhang mit den wahnsinnig eingängigen Hooklines auf dem Debütalbum „Opus Eponymous“ konnte die Gruppe in der Szene allerhand Lob und letztlich auch großen Erfolg einheimsen.

Dementsprechend hoch war die Erwartungshaltung, was das Nachfolgewerk angeht – nicht wenige Bands gehen schließlich nach einem erfolgreichen Erstling mit der zweiten Platte baden beziehungsweise haben ihr Pulver schon früh verschossen. Bei den Schweden verhält sich dies glücklicherweise anders: „Infestissumam“ zeigt eine klare Weiterentwicklung in Bezug auf Sound und Arrangements und die Songs besitzen mindestens so viel Hitpotential wie die des Vorgängers. Das bereits Ende letzten Jahres veröffentlichte „Secular Haze“ war schon äußerst vielversprechend – dieser Walzer-artig gehaltene Track zeigte, dass das Sextett irgendwie anders klingt als zuvor, aber dennoch problemlos als Ghost identifizierbar ist.

Erst im gesamten Albumkontext jedoch wird das volle Ausmaß der Veränderungen deutlich; man agiert noch bombastischer, die Stücke sind trotz ihrer Catchiness ausgefeilter und alles in allem länger. Auch tönt die Produktion wesentlich kraftvoller, doch hat hier immerhin niemand Geringeres als Nick Raskulinecz an den Knöpfchen gedreht, und der Mann arbeitete bereits mit namhaften Künstlern wie Rush, Marilyn Manson, Alice In Chains, Deftones und Evanescence zusammen, um nur ein paar illustre Namen aufzuführen. Wenn man sich schon für die zweite Scheibe einen solch berühmten Produzenten leisten kann, sagt dies wohl ebenfalls einiges über den Erfolg aus, erhöht allerdings natürlich gleichzeitig auch den Druck.

Davon lassen Ghost sich allem Anschein nach aber nicht beeinflussen, schütteln sie sich doch mal wieder einen Ohrwurm nach dem anderen aus dem Ärmel. Neben dem erwähnten „Secular Haze“ war auch „Year Zero“ vorab bekannt, und schon der Anfang, bei dem in beschwörender Manier lediglich verschiedene Bezeichnungen für den Leibhaftigen aufgezählt werden, brennt sich ins Hirn ein – wobei ein Schmunzeln nicht ausbleibt. Überhaupt laden die Texte erneut zum Grinsen ein; ernst darf man das selbstverständlich nicht nehmen, die Band tut dies augenscheinlich ja auch nicht, und Songtitel wie „Ghuleh/Zombie Queen“ oder „Depth Of Satan’s Eyes“ muten ebenfalls recht komisch an.

Aber sei’s drum, gerade jene beiden Stücke haben es in sich: Letzteres bietet ein derartiges Killer-Mainriff, dass jedem, der nicht augenblicklich begeistert die Birne in Rotation versetzt, eigentlich nicht mehr zu helfen ist, und erstgenannte Nummer ist mit siebeneinhalb Minuten die längste der Scheibe und in zwei Parts aufgeteilt. Der erste ist ruhig, beinahe verträumt geraten, während es beim zweiten ungleich mehr zur Sache geht; die Riffs treiben und reißen unheimlich mit – vielleicht das Highlight von „Infestissumam“.

Highlights gibt es im Prinzip allerdings jede Menge, weil sich die Jungs bemerkenswert vielseitig präsentieren: Mit „Body And Blood“ liegt ein Lied vor, das gut und gerne als Ballade bezeichnet werden darf, beim Quasi-Opener „Per Aspera Ad Inferi“ handelt es sich um einen straighten Rocker mit erhabenem Refrain, und beim famosen Abschlussstück „Monstrance Clock“ glaubt man, auf einer (schwarzen) Messe gelandet zu sein; der Chor am Ende, der stetig die Zeilen „Come together as one/come together for Lucifer’s son“ wiederholt, verleiht der erstaunlich beschwingten Nummer ebenso hypnotische wie sakrale Züge.

Man darf erleichtert sein, denn Ghost haben es tatsächlich geschafft, „Opus Eponymous“ ein mindestens ebenbürtiges Zweitwerk folgen zu lassen. Das Beste dabei ist, dass die Schweden sich nicht wiederholen, sondern klar erkennbar einen Schritt nach vorne gemacht haben. Die Trademarks – relativ einfach aufgebaute Songs mit einprägsamen Gesangslinien, Melodien und Riffs – sind geblieben, und trotzdem hört sich das Ganze komplexer und vielschichtiger an, dank zahlreicher toller Einfälle wie die pompösen Chöre oder das Streicher-Pizzicato zu Beginn von „Body And Blood“. Als amüsante Randnotiz bleibt außerdem festzuhalten, dass in diesem Jahr bekanntlich das erste Mal seit Jahrhunderten ein Papst von seinem Amt zurückgetreten ist – allerdings ist kaum anzunehmen, dass hinter dem angeblich „neuen Sänger“ der Band Papa Emeritus II. Benedikt XVI. alias Joseph Ratzinger steckt. Andererseits spielte dieser bereits den Imperator in „Star Wars“ – warum also nach einer Film- nicht auch eine Musikerkarriere?

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