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Ghost: Impera

Wieder härter und düsterer als der Vorgänger
Wertung: 9/10
Genre: Occult Rock
Spielzeit: 45:31
Release: 11.03.2022
Label: Loma Vista

Mit ihrem letzten Album „Prequelle“ waren Ghost im Pop-Olymp angekommen: Maximale Eingängigkeit, eine superpolierte Produktion, Ecken und Kanten alle abgerundet. Natürlich war der vierte Longplayer aus dem Hause Tobias Forge und Co. wie sämtliche Vorgänger trotzdem (oder exakt deswegen, je nach Blickwinkel) eine verdammt starke Platte, die Frage stellte sich nur, wie weit die Band diese Vorgehensweise weiter ausreizen konnte ohne Gefahr zu laufen, irgendwann banal oder gar austauschbar zu klingen. Vor allem Fans des ersten, aufgrund der damals noch vorhandenen Anonymität der Bandmitglieder mit mystischer Aura und einer gewissen Kauzigkeit ausgestatteten Debütalbums, hatten sich teilweise ohnehin schon abgewendet – zu viel Zucker ist halt nicht gesund.

Das dachte sich vielleicht auch Chefgeist Forge aka Papa Emeritus IV. und sorgte bereits im Vorfeld der Veröffentlichung des fünften Streichs „Impera“ dafür, dass solche Überlegungen unnötig waren: Wieder härter und düsterer sollte die neue Scheibe werden, was nach dem glatt geschliffenen „Prequelle“ eigentlich nur logisch erschien, sofern man denn nicht vorhätte, in Zukunft reine Popmusik zu fabrizieren. Tatsächlich hat der Frontmann hier nicht nur Worthülsen abgelassen – die Gitarren (samt und sonders von Opeth-Saitenhexer Fredrik Åkesson eingespielt) drücken mit wesentlich mehr Dampf auf dem Kessel und auch die Atmosphäre ist wieder düsterer.

Dabei ist es Ghost dennoch gleichzeitig gelungen, symphonischer denn je zu klingen – das nach dem gewohnten, kurzen Intro eröffnende „Kaisarion“ bietet gleich mal sowohl prägnante, Fanfaren-mäßige Gitarrenläufe als auch einen pompösen Refrain und viele arrangementtechnische Schmankerl, lässt jedoch auch eine bestimmte Grundhärte nicht vermissen. Schon hier werden einmal mehr die Ohrwurmqualitäten der Schweden überdeutlich, aber was für ein Händchen Tobias Forge dafür hat, ist ja hinlänglich bekannt und dass er diesbezüglich nichts verlernt hat, zeigt sich auch auf „Impera“ zu jeder Sekunde. Wobei er diesmal zusätzliche Unterstützung von den Songwritern Salem Al Fakir und Vincent Pontare erfahren hat, die schon mit Megastars wie Madonna und Lady Gaga zusammengearbeitet haben.

Ähnlich präsentiert sich das bereits Ende September des letzten Jahres als erste Single veröffentlichte „Hunter’s Moon“, das auch im Film „Halloween Kills“ zu hören ist: Zuckrige Gesangsmelodien, perlende Keyboards, aber eben auch harte Gitarren und ein erneut supereingängiger Chorus, in dem neben sofort mitsingbaren Hooks gar der Ansatz von Growling im Hintergrund zu hören ist. Das alles nachvollziehbar in nicht einmal dreieinhalb Minuten in einer Komposition unterzubringen, schafft auch nicht jeder – absolut clever und gekonnt in Szene gesetzt.

Insbesondere mit „Watcher In The Sky“ (das nichts mit Genesis’ ähnlich klingendem Titel zu tun hat) ist den Geistern aber einmal mehr eine Hymne vor dem Herrn geglückt – ultrafettes Mainriff und wenn sich zum letzten Refrain Åkessons zum Niederknien geile Gitarrenschnörkel hinzugesellen, dann ist das schlichtergreifend ganz großes Kino. Grandios auch das mit seinen markanten Pianostakkatos fast ein wenig an ABBA erinnernde, tänzerische „Spillways“ und das Van Halen-Vibes versprühende „Griftwood“. Bei „Call Me Little Sunshine“ hingegen handelt es sich um eine eher schleppende Komposition, die ein wenig in der Tradition von „Cirice“ und „Faith“ von den beiden Vorgängern steht.

Auf der anderen Seite finden sich dann das Albumfinale „Respite On The Spitalfields“ (mit knapp sieben Minuten längster Song der Platte), das mit ebenso arschcoolem Groove wie progressiver Schlagseite daherkommt und dessen großer Bombast am Ende ein perfektes Finish des Werkes darstellt, sowie das experimentelle „Twenties“. Jenes Stück fällt doch sehr aus dem Rahmen und kam zustande, weil Tobias nach eigenen Angaben Lust hatte, mal einen Reggaeton-Song zu schreiben. Das Aushängeschild des Albums ist die Nummer ganz sicher nicht, trotzdem ist sie irgendwo auch wieder witzig und auf „motherfuckers“ „they wanna mock us“ zu reimen, hat auch was für sich. Außerdem stört der Track trotz seiner völlig anderen Grundausrichtung den Fluss der Platte erstaunlicherweise keineswegs.

„Darkness At The Heart Of My Love“ wiederum ist eine zwar etwas kitschige, letztlich aber ebenfalls toll gemachte Prunk-Ballade mit – natürlich – mitsingkompatiblem Refrain. Auch hier sorgen die kraftvollen Gitarren dafür, dass es nicht zu schmalzig wird. Auf ausgiebige Instrumentals wie bei „Prequelle“ wurde verzichtet, stattdessen gibt es neben dem Intro „Imperium“ mit „Dominion“ und „Bite Of Passage“ (sehr schönes Wortspiel) lediglich kurze Interludes.

Ganz klar: Ghost haben es mit „Impera“, das sich textlich, wie der Titel schon andeutet, mit Aufstieg und Fall großer Imperien befasst und dies in die heutige Zeit überträgt (was gerade mal wieder sehr gut zum aktuellen Geschehen passt) erneut geschafft, alle für sie typischen Trademarks zu vereinen, ohne sich einfach nur zu wiederholen und davor kann man nur den Hut ziehen. Das Album ist abwechslungsreich, üppig und mit Liebe zum Detail instrumentiert und produziert und enthält dabei einmal mehr einen pickepacke vollen Sack an Hooklines, die sich auch nach zehnmal Hören nicht abnutzen. Einziger Kritikpunkt ist der nicht optimal tönende Schlagzeugsound, ansonsten hat Klas Åhlund einen starken Job als Produzent erledigt. Es scheint jedenfalls, die Band könne in ihrem stetigen Aufstieg keiner aufhalten – wer weiß, wie groß Ghost noch werden und was da noch alles kommen wird.

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