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Ghost Brigade: Until Fear No Longer Defines Us

Ganz heißer Kandidat für das "Album des Jahres"
Wertung: 10/10
Genre: Gothic Metal, Dark Metal
Spielzeit: 60:08
Release: 19.08.2011
Label: Season Of Mist

Das dritte Album gilt in Fachkreisen immer als besonders schwierig; hat eine Band zwei richtig gute oder sogar großartige Scheiben veröffentlicht, sagt man im Allgemeinen, dass sie nun endgültig beweisen muss, ob sie sich zu den Großen zählen darf oder nicht. Auch im Falle von Ghost Brigade verhält es sich in dieser Weise: „Guided By Fire“ (2007) und „Isolation Songs“ (2009) waren zwei absolut fantastische Platten, die von Kritikern und Fans gleichermaßen ordentlich abgefeiert wurden – der Druck, der dadurch nun auf den Finnen lastete, dürfte somit nicht eben gering gewesen sein.

Davon ist auf dem neuen Werk „Until Fear No Longer Defines Us“ allerdings nichts zu spüren – scheinbar ohne große Schwierigkeiten hat es der Fünfer geschafft, nicht nur einen ebenbürtigen Nachfolger aufzutischen, sondern die beiden vorigen Werke eher noch zu überbieten. Die Combo klingt noch eigenständiger, das Songwriting ist auf einem noch höheren Niveau, die Arrangements sind noch ausgereifter (Gitarren- und Drumarbeit sind wahrlich zum Zungeschnalzen) und man agiert noch abwechslungsreicher. Ghost Brigade haben einen perfekten Spagat zwischen progressivem Anspruch und eingängigen Melodien vollzogen, der besonders auf dem direkten Vorgänger „Isolation Songs“ bereits angedeutet wurde, nun aber noch deutlicher zum Vorschein kommt und perfektioniert wurde. Man wildert im Fahrwasser düsterer Depri-Truppen wie Sentenced, Katatonia oder alten Anathema, der eigene Stil ist jedoch stets herauszuhören.

Am Anfang steht das rein akustisch gehaltene „Into The Woods“, das von so viel Traurigkeit erfüllt ist, dass man wie einst bei My Dying Bride konstatieren könnte, dass labile, suizidgefährdete Personen sich dieses Werk lieber nicht zu Gemüte führen sollten. Spätestens wenn Manne Ikonen mit völlig depressiver Stimme „you built your own graveyard, left all the tombs open“ intoniert, ist man kurz dafür, dem eigenen Dasein ein Ende zu bereiten, aber nun ja, man will ja wenigstens noch hören, wie es denn weitergeht. Immer wieder erwartet man den Ausbruch, doch dieser setzt erst mit dem folgenden Titel „Clawmaster“ ein: Eine Düsterhymne vor dem Herrn, mit unheimlich bedrohlich anmutenden Cleanpassagen zwischendurch und einem wahnsinnig epischen Finale mit beeindruckender, mächtiger Gitarrenwand, das stimmungsmäßig etwas positiver tönt. Das jedoch ist bei der Geisterbrigade ohnehin Programm: Klar, insgesamt geht viel trauriger kaum noch, doch immer wieder lockert man die Elegien durch Sequenzen, die eine gewisse Aufbruchstimmung, das Licht am Ende des Tunnels, suggerieren, auf. Vielleicht ist in diesem Zusammenhang auch der Albumtitel zu verstehen, wobei dieser auch auf den Tod anspielen könnte, da man dann von Furcht nicht mehr geplagt wird. Den – musikalisch – positivsten Song dürfte im Übrigen wohl „Grain“ darstellen, der wohl größte Hit der Scheibe. Der Chorus will den Schädel überhaupt nicht mehr verlassen, womit man einen mehr als würdigen Nachfolger für die Überkracher „My Heart Is A Tomb“ und „Into The Black Light“ geschaffen hat.

Doch im Prinzip stehen das fast schon verzweifelt tönende, mit herrlichen Flanger-Gitarren in der Strophe ausgestattete „Chamber“, das mit majestätischem Refrain gesegnete „Divine Act Of Lunacy“ und das auf einem hypnotischen Mainriff basierende „Cult Of Decay“ dem in nichts nach – unglaublich, auf welch schwindelerregend hohem Niveau sich die Band Melodien und Riffs aus dem Ärmel geschüttelt hat.

Einen Kontrast hierzu bietet das neunminütige „Breakwater“, bei dem Black-Metal-Sounds auf Pink Floyd treffen (das Knarren zu Beginn, kombiniert mit den schwarzmetallisch klirrenden Gitarren lässt zunächst ein wenig an „Allegiance“ von Dimmu Borgir denken) und das außerdem einige doomige Farbtupfer beinhaltet, und auch „Torn“ vollzieht eine verrückte, dennoch nachvollziehbare Entwicklung: Eine nahezu tänzerische Passage markiert den Beginn, in der Mitte steht ein Ghost-Brigade-typischer Midtempo-Part und am Ende sind plötzlich sanfte Celloklänge, verwoben in einen melancholischen Teil, zu hören – eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Mit dem acht Minuten dauernden „Soulcarvers“ steht dann ein erneutes Miniepos zu Buche, das sich kontinuierlich steigert und einen tollen Schlusspunkt unter das Album setzt.

Kein Zweifel: Mit „Until Fear No Longer Defines Us“ haben Ghost Brigade einen absoluten Paukenschlag auf die Metalgemeinde losgelassen und einen ganz heißen Kandidaten für das Album des Jahres abgeliefert. Der einzige Track, der vielleicht nicht ganz so stark ausgefallen ist, dürfte „Traces Of Liberty“ sein, da auch dieses Stück aber keineswegs schwach ist und solide Riffs bietet, zücke ich gerne die Höchstnote für eine Band, die genial ist, aber tatsächlich noch nicht einmal einen Eintrag in der deutschen Wikipedia hat. Dem muss selbstverständlich Abhilfe geschaffen werden; dieses Jahr kommen zwar noch die neue Dream Theater und die neue Opeth heraus, aber so herausragend diese Acts auch sind, sie werden es nicht leicht haben, diese Killerscheibe zu überbieten.

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