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Gernotshagen: Weltenbrand

Keine Offenbarung, aber ein deutlicher Schritt nach vorne
Wertung: 7.5/10
Genre: Pagan Metal
Spielzeit: 58:17
Release: 29.04.2011
Label: Trollzorn/Soulfood

Spätestens seit ihrem Zweitwerk „Märe aus wäldernen Hallen“ werden die Thüringer Gernotshagen als große Hoffnung des deutschen Pagan Metals gehandelt, gelang es der Truppe doch, geschickt zwischen epischer Keyboard-Begleitung, eingängigen Melodien und progressivem Anspruch zu balancieren und alles mit einem starken technischen Fundament zu unterlegen. Drei Jahre später steht nun der dritte, „Weltenbrand“ betitelte Longplayer bereit und soll der stagnierenden heimischen Szene wieder Leben abseits des gemeinen Party-Paganismus einhauchen – nicht gerade niedrige Ziele hat sich die Band also gesetzt, doch wird der neue Streich den Erwartungen auch gerecht?

An der grundlegenden Ausrichtung hat sich jedenfalls wenig geändert: Noch immer bestimmen majestätische, zumeist im Midtempo gehaltene Melodien das Bild, die neben den ausgeklügelten Gitarren-Leads vor allem durch den recht offensiven Keyboard-Einsatz angetrieben werden; dazu ruft Frontmann Askan sein breit gefächertes Spektrum an Gesangsstilen ab und pendelt zwischen rauen Growls, keifenden Screams und mit einer gehörigen Portion Pathos ausgestattetem Klargesang. Soweit nichts Neues, doch was die Verfeinerung ihres Sounds angeht, haben Gernotshagen ganze Arbeit geleistet, denn nicht nur das technische Niveau hat sich auf einem deutlich überdurchschnittlichen Level eingefunden – wesentlich stärker noch fällt das durchdachte Songwriting auf, das die Songstrukturen trotz einer durchschnittlichen Länge von circa sieben Minuten nie ihrer Dramatik beraubt und Wiederholungen innerhalb der Stücke geschickt per Ausbauen von Motiven und zahlreichen Tempowechseln umgeht.

Bereits die ersten zehn Minuten von „Weltenbrand“ gestalten sich so entsprechend beeindruckend: Unterlegt von akustischem Gitarrenspiel und hellen Flötenklängen gewinnt das Flüstern in „Offenbarung“ stetig an Lautstärke und Intensität, bis das Intro nahtlos in den Titeltrack übergeht, der mit schleppenden Gitarren und tiefen Growls ein Gefühl von Schwere vermittelt, die durch die Keyboards und den teilweise zum Einsatz kommenden klaren Gesang jedoch einen hymnenhaften Charakter erhält. Starke Gitarrensoli, gelungene Piano-Passagen und der gegen Ende ansteigende Grad an Aggressivität verleihen dem Song dabei seine Konstanz, die die Aufmerksamkeit des Hörers zu keiner Zeit fallen lässt und den Song als Musterbeispiel für einen geschickten Spannungsaufbau herausstellt.

Gleichzeitig können einige der genannten Punkte allerdings nicht immer als positive Exempel gelten, denn speziell in puncto Keyboards und klarem Gesang finden sich einige Gründe zur Kritik auf „Weltenbrand“. Zwar fügen sich Askans melodische Momente grundsätzlich gut in die Songs ein und bringen Variation ins Spiel, wirken jedoch wegen den teilweise unsauber angesungenen Tönen und der manchmal etwas zu pathetischen Betonung zwischenzeitlich etwas unbeholfen, während beim Einsatz des Tasteninstruments phasenweise etwas zu viel des Guten geboten wird - „Schlachtenbruder“ beispielsweise ertrinkt regelrecht in Keys, die nicht so recht zu dem eigentlichen rauen Grundtenor des Songs passen wollen. Auch in „Thursenhain“ erscheinen die Klänge etwas befremdlich und erinnern stark an Nightwish zu „Oceanborn“- oder „Wishmaster“-Zeiten, was der Qualität des Tracks an sich zwar keinen Abbruch tut, im Kontext des Albums aber etwas aus dem Rahmen fällt.

Dabei beweist „Sturmbringer“, dass die Thüringer durchaus in der Lage sind, ihr Instrumentarium ausbalanciert einzusetzen: Hier dominieren die vielschichtigen Gitarren-Leads die Melodieführung und lassen die Keyboards mehr in den Hintergrund rücken, von wo aus sie auf wesentlich subtilere Weise den Song passend unterstützen und ihm mehr Bombast verleihen, als ihn so manches mit Keys überladenes Stück besitzt. Ob der überwiegend mehr als soliden Qualität der Songs lassen sich derartige Schönheitsfehler jedoch verschmerzen, und wenn in „Freyas Schoß“ der Stil der Band nahe der Vollendung erklingt und mit beispielloser Dramatik voranschreitet, vermögen Gernotshagen den Hörer sogar restlos zu überzeugen und beweisen, dass in ihnen noch immer einiges an Potential schlummert. Ebenfalls unterstrichen wird dieser Eindruck von dem abschließenden „Die Banner hoch der Nacht entgegen“: Zu den klagenden Melodien eines Klaviers wird eine Erzählung vor dem Hörer ausgebreitet, die später in ausschließlich klarem Gesang fortgeführt wird und schlussendlich in ein episches Finale mündet, bevor das einsame Flackern eines Feuers das Album ausklingen lässt – dieser Vorstoß in ruhigere Gefilde tut „Weltenbrand“ hörbar gut, wird im Gesamtkontext doch eher wenig Abwechslung geboten.

Das erhoffte Meisterwerk ist „Weltenbrand“ letztendlich nicht geworden, wohl aber ein gutes Pagan-Metal-Album, das anderen aufstrebenden Bands des gleichen Genres mehr als nur eine Nasenlänge voraus ist. Vor allem in Sachen Songwriting klingen Gernotshagen auf ihrem neuen Album schon erstaunlich ausgereift und füllen die langen Spielzeiten gekonnt mit Leben – innerhalb der Songs wird viel Variation geboten und die Spannungsbögen bleiben stabil. Sollte die Truppe aus Thüringen weiter an den Details feilen und den Sound möglicherweise weiter wie in „Die Banner hoch der Nacht entgegen“ ausbauen, sollte der Weg zur Spitze des deutschen Pagan Metals schon ein ganzes Stück näher in Sicht rücken.

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