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Germ: Wish

Ein kontroverser Stilmix, der einen fesselt
Wertung: 7/10
Genre: (Ambient) Black Metal, Rock
Spielzeit: 42:40
Release: 12.03.2012
Label: Eisenwald Tonschmiede

Eigentlich passt bei Germ gar nichts zusammen. Völlig ohne Rücksicht werden Stile wie Synthie-Pop, Black Metal, Orchestral Rock und Ambient Metal in ein Auto gepackt, in dem es keine Gurte gibt und das dann mit 200 gegen einen Baum fährt. Das Ergebnis kann man sich vorstellen wie die Musik von Germ. Völlig ohne Vorwarnung verändert sich der Charakter der Musik im Sekundentakt und verstört (zumindest in den ersten Hördurchgängen) immer wieder mächtig. Dabei ist die Songstruktur oft recht gleich: sehr atmosphärische, synthieschwangere Rock-, ja beinahe Pop-Musik wird von düsteren Elementen durchbrochen, die sich meist als herzzerreißende Schreie darstellen.

Während das oft sehr schwarzmetallische Schlagzeug weit im Hintergrund liegt, treten die Keyboards den Sturm nach vorne los. Sie sind allgegenwärtig und neben Ambienteinspielungen auch das wichtigste Element in der Musik des Ein-Mann-Projekts. Richtig, Germ wird nur von einer Person betrieben. Tim, der sich bei Germ als Germ ausgiebt, spielt alle Instrumente. Der Australier ist ein musikalisches Talent und vor allem auch Schlagzeuger, was dem Hörer das Grauen eines Drumcomputers weitestgehendst erspart. Die danceähnlichen Tracks auf der Scheibe scheinen aber trotzdem ihre Beats aus Konserven erhalten zu haben. In dem besonderen Fall passt das dann aber auch.

Die Dancerichtung schlägt Germ nur selten ein. Viel inspirierter zeigt sich der Mastermind von klassischen Elementen, wie er bei „Wish“ ganz deutlich bekräftigt. Doch auch in anderen Songs findet man immer wieder Bezüge zur Klassik, leider manchmal etwas zu unterschwellig oder zu versteckt. Oftmals diktiert der Popcharakter die Musik, was zwar auch nicht schlecht ist, aber der Anspruch der klassischen Elemente ist schon deutlich höher. Musik wie die hier vorliegende wird niemand hören, ohne sich Gedanken über ihr Entstehen, die Strukturen und die Absicht des Künstlers zu machen. Das kann man zwar bei Ambient-Pop-Musik auch, allerdings lässt die Klassik hier viel mehr Spielraum.

Wem könnte nun das Werk des Australiers gefallen? Prinzipiell allen, die sich nicht an Genres gebunden fühlen und der Meinung sind, dass Musik auch durchaus ungezwungene, eigene Wege gehen darf. Das Recht auf künstlerische Freiheit nimmt sich Tim sehr deutlich heraus und treibt es zuweilen auch auf die Spitze. Man muss also entweder eh auf Veröffentlichungen dieser Art stehen, ziemlich offen sein, oder eben den Protagonisten erkennen, um einfach so zugreifen zu können. Alle anderen Interessierten sollten vor dem Kauf in die Scheibe reinhören.

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