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Generation Kill: Red White And Blood

Abwechslungsreich, aber nicht immer durchgehend konsequent
Wertung: 7.5/10
Genre: Thrash Metal/ Thrashcore/ Crossover
Spielzeit: 51:44
Release: 16.09.2011
Label: Season Of Mist

“They will give you the thrashing of your life” – diese markigen Worte stehen ungefähr so im Promotext und sollen deutlich machen, dass hier kein seelenloses, nur auf CD stattfindendes Projekt namens Generation Kill noch ein paar Euro aus den Taschen luchsen, sondern dass hier eine waschechte Band ordentlich auf die Kacke hauen will. Dass hier allerdings die Startbedingungen für diese 2008 gegründete Combo wesentlich leichter sein dürfte als für tausende andere Bands, liegt spätestens dann auf der Hand, wenn der Name Rob Dukes fällt, der nicht nur absoluten Szeneinsidern als Frontmann der Bay-Area-Thrash-Helden Exodus bekannt sein dürfte. Generation Kill-Mitbegründer und -Bassist Rob Moschetti dürfte dagegen der eine oder andere durch sein zweijähriges Gastspiel bei Pro-Pain kennen. Komplettiert wird die Truppe dann durch die Gitarristen Lou Lehmann (ex-Mutilation) und Jason Trenscer (ebenfalls ex-Mutilation, ex-Undivided). Auf dem Album ist noch Drummer Sam Inzerra zu hören, doch mittlerweile hat er die Sticks an Jim DeMaria weiterreichen können (müssen).

Jetzt könnte man fast davon ausgehen, dass Exodus drin sind, wenn Dukes draufsteht - doch weit gefehlt, denn die New Yorker Boys bedienen ein zwar thrashige, aber dennoch völlig andere Schiene. In den Achtzigern mussten dafür Begriffe wie Thrashcore, Moshcore oder generell Crossover herhalten. „Red White And Blood“ steigt auch schon mit einem Dreierpaket an „auf die Fresse“-Mosh ein. „Hate“, noch etwas zögerlich defensiv kurz mit akustischem Geklimper eingeleitet, ballert unvermittelt schön aggressiv los, Rob schreit in schönster Asi-Manier wie auch bei seiner Stammband bekannt, die Gitarren schreddern wie ein Bastard aus Thrash und Hardcore – Thrashcore eben. Im Titeltrack wird viel schneller deutlich, wo Generation Kill ihre Wurzeln haben, denn „Red White And Blood“ klingen wie eine Mischung aus Gang Green und M.O.D., der Song ist mit einem groovenden Hardcore-Mosh-Rhythmus unterlegt und bekommt (natürlich) im Finale noch kurz eine eigene Version der amerikanischen Nationalhymne eingeflochten. „Feast For The Wolves“ ballert ebenfalls straight nach vorn mitten ins Headbanger-Gemächt, Rob versucht sich im Refrain etwas melodischer und hört sich so schnell wie ein von Sehnsucht gepackter Alternative-Sänger an, doch auch hier muss man nicht auf die räudigen Dukes-Vocals verzichten.

Irgendwo zwischen Pro-Pain, M.O.D. und weiteren Hardcore-Groove-Bands pendelt sich auch „Depraved Indifference“ ein. Rob legt auch hier Wert auf stimmliche Varianz und bietet vom derben Thrash-Geshoute bis hin zu halb gesprochenen Passagen alles dar. Und ja, „Walking Dead“, wie passend, wenn die Untoten erst langsam sich dahin schleppend die Blutspur aufnehmen und zu reißenden Bestien wandeln – genau wie dieser Song, denn erst wird gemächlich mit Moskwalk eingestimmt, bevor dann die Hölle ausbricht und die Doublebass im Dauerfeuer von den fulminant schreddernden Äxten begleitet den sicherlich live aufkommenden Pit mit Aggro-Input füttert.

Generation Kill bieten jetzt aber nicht nur blanke Thrashcore-Rohkost, sondern gehen „Down“ zur Alternative-Stage und doomen mit „Section 8“ irgendwo zwischen eben Down und vor allem C.O.C – das hätte man den Jungs nach den bisherigen Höreindrücken so sicherlich kaum zugetraut – intensiv, langsam, brutal und so freilich eine positive Ausnahmeerscheinung dieser Scheibe. „Dark Days“ geht da wieder in die andere Richtung und langweilt – nichts gegen eine Ballade (inspiriert durch Pantera oder was?), und wenn auch Rob es versteht, richtig viele Emotionen seinen Stimmbändern zu entlocken, so wird der Fluss der Scheibe durch den mehr als fünf Minuten langen Track überflüssigerweise und empfindlich gestört.

Und weil es auch drauf ist, gibt es noch ein paar Worte zum Nine Inch Nails-Cover „Wish“. Die monotone Rifffolge sowie das „Industrial“-mäßige Schlagzeug werden aufrecht erhalten, Rob grunzt in seiner ureigenen Art und Weise, aber unterm Strich bleibt es eine nette, durchaus hörbare Interpretation, doch das Original können auch Generation Kill nicht einholen - netter Effekt, und zum Glück auch am Ende des Albums.

„Thrash or be Damned“ – noch ein Zitat aus dem Promoschreiben: Wer bisher die oben genannten Bands kannte, wer sich dieses Review durchgelesen hat, wer überhaupt sich auch nur annähernd für diese Art von Musik interessiert, zählt zu den Verdammten. Thrash hin, Hardcore her, Generation Kill wärmen durch die Promi(unterstützungs)einbindung namens Rob Dukes ein Achtziger-Genre gut auf – nicht mit einer Mikrowelle für alte, übrig gebliebene Riffs und Hooks, Refrains und Altmeister, sondern sie hobeln wie selbstverständlich, mischen Hardcore mit Thrash, haben ohrenscheinlich sehr viel Spaß und würden ohne Dukes wohl keine Rolle spielen – schmerzhaft, aber bei der derzeitigen Marktlage nicht wirklich verwunderlich. Abwechslungsreich ist „Red White And Blood“ geworden, aber nicht immer harmonisch – weniger ist mehr und schon nuckeln alle Songs am roten Faden.

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