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Gefrierbrand: Weltenbrand

Eine Ode an den Krieg?
Wertung: 8,5/10
Genre: Death Metal / Thrash Metal / Blackened Thrash Metal
Spielzeit: 36:45
Release: 14.11.2016
Label: Eigenproduktion

Sie tummeln sich schon über zehn Jahre auf den Bühnen, aber mit Veröffentlichungen halten sie sich stark zurück. Die Rede ist von Gefrierbrand, einer erfrischend ungewöhnlichen Truppe aus Baden-Württemberg. Nun haben sie es also endlich geschafft, ihr zweites Album herauszubringen. Die Platte erscheint in Eigenregie und da kann schon mal eine erste Warnsirene aufheulen. Eigenproduktionen waren früher meist soundtechnisch schlecht oder sogar mangelhaft. Das hat sich inzwischen stark verändert und auch die neue Gefrierbrand Scheibe leidet keinesfalls darunter, dass sie von der Band selber produziert wurde. Es gibt klare Höhen und druckvolle Bässe auf das Ohr. Zusätzlich haben Gefrierbrand dem Teil eine ordentliche Dynamik verpasst. 


Die Musik auf der kleinen runden Scheibe ist am einfachsten mit dem Wort roh zu beschreiben. Die Band bemächtigt sich eines Stils, der irgendwo zwischen Black Metal (ein bisschen), Death Metal (ein bisschen mehr) und Thrash Metal (jede Menge) einzusortieren ist. Auch wenn die Songs auf „Weltenbrand“ recht gleichförmig erscheinen, so ändert sich doch das Verhältnis dieser drei Stile immer ein bisschen.

Grundsätzlich ist dieser Stilmix aber völlig unwichtig. Wichtig ist, dass Gefrierbrand auf der neuen Platte ganz schön rocken. Schon mit „Das Märchen vom Krieg“ hauen sie einen Reißer raus, der eigentlich niemanden kalt lassen dürfte. Ein mitreißendes Riff kopuliert hier wild mit Blastbeats und einer an eine Schruppfeile erinnernden Stimme. Dafür, dass man hier aber nicht zu einfach mitschunkeln kann, sorgen ein paar Tempi- und Taktwechsel.

Im weiteren Verlauf glänzen die Musiker immer wieder mit geschickten Wendungen und strategischen Zügen, die, bewusst oder unbewusst, meist dem Spannungsbogen dienlich sind. Als Beispiel kann hier das Basslick des Songs „Ideenreich“ angeführt werden. Ohne großen Aufwand wird dadurch die oben schon angesprochene hohe Dynamik erreicht und von Langeweile kann auch keine Spur sein.

Große stilistische Experimente gibt es nicht zu hören. Gefrierbrand haben die Gangart gefunden, in der sie sich wohlfühlen und aus dieser Zone bewegen sie sich auch nicht heraus. Das ist nicht weiter dramatisch, denn die Songs sind ja so geschickt gebaut, dass immer ein hohes Niveau gehalten werden kann.

Die Texte variieren ein bisschen. Mal sind sie sehr leicht zu entschlüsseln und manchmal dauert es deutlich länger, bis man den Sinn hinter den Zeilen begreift. Von geradezu epischen Werken kann man aber in keinem Fall sprechen. Muss ja aber auch gar nicht sein. Entsprechend der Thematik der Scheibe tümmelt man sich textlich meist im Schlachtengeschehen und beackert zerbombte Landstriche. Hier gibt es schon ein Problem. Mit dieser Thematik haben sich schon so extrem viele Metalbands befasst, dass hier nur noch zwei Versionen Sinn machen können. Entweder, man setzt sich in fast chronologischer Manier mit mit einem bestimmten Ereignis auseinander und bleibt dabei auch der Realität nahe oder man überzeichnet so extrem, dass am Ende wieder Kunst daraus wird. Gefrierbrand machen weder das eine noch das andere. Eher beiläufig erzählen sie vom Horror der Schlachtfelder, vom Sterben und Leiden. Hier wäre noch viel Potential, der Musik mehr Druckkraft durch intensivere Texte zu verleihen. Vielleicht versucht man sich hier an Eisregen zu orientieren. Diese sind aber keine guten Lehrmeister in diesem Fall.

„Weltenbrand“ ist zu empfehlen. Nicht komplett uneingeschränkt, aber dennoch sehr stark. Die Gruppe hat ein überzeugendes musikalisches Konzept, das auch ein Alleinstellungsmerkmal darstellt. Wer es gerne etwas roher braucht, der sollte hier mal reinhören.

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