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Gang Loco: No Better Tomorrow

Straighter to-the-point-Rocker
Wertung: 8/10
Genre: Hardrock
Spielzeit: 49:3
Release: 26.01.2008
Label: DIY

Manche sagen, es gibt keine wahren Helden mehr. Helden haben die unangenehme Eigenschaft, im Laufe der Zeit zu verblassen und zu verschwinden und in unserer heutigen Wohlstandsgesellschaft, in der sich eh jedes Handeln egoistisch motiviert und selbst vermeintliche Selbstlosigkeit nur zum Vorwand der Selbstbeweihräucherung herhalten muss, ist der ganze Begriff fragwürdig geworden.

Ich erzähle euch eine Geschichte von der Gang Loco, meinen neuen Helden. Als meine neuen Buddies Machinae Supremacy von Steve als "Prophet der Vernunft, ein Kämpfer gegen den Zustand des Nicht-Denkens und die Ignoranz und das Leiden, das uns alle umgibt" sprachen und meinten, dass er bald käme, könnten sie auch Loco-Bassist Nico de Stefano gemeint haben, vielleicht waren die alten Steintafeln etwas undeutlich.

Wenn man im Wörterbuch in meinem Schädel unter "Held" nachschlägt, findet man dort: "Held: Jemand, der eine Tätigkeit verrichtet, die sonst niemand anderes tun will"; und tatsächlich, unter diesem Gesichtspunkt sind Gang Loco so etwas wie Helden, denn mit derartig simplem, solidem, schnörkellosem Rock will sich doch heutzutage keiner mehr beschäftigen, wenn er progressiven, downtempo Post-Nu-Emocore-Speedmetal mit klarer Triphop-Schlagseite spielen kann.

Gang Loco stechen durch ihre Normalheit hervor, ihre Fähigkeit Sachen zu spielen, die einfach funktionieren; unter den Superhelden würden Gang Loco daher so in die Sparte von Batman fallen, den Autodidakten und DIY-lern ohne Superkräfte.

Gang Loco sind eher Pragmatiker als Ästheten, sicherlich auch die Sorte Menschen, die eine Zeitung mit aufs Klo nehmen - gehen muss man bekantlich ja eh, dann kann man sich ja auch mal weiterbilden.

Sehen wir uns nach diesem Profil des Intepreten das Werk selbst an, was sich relativ schnell abarbeiten lässt, weil man den Rock nicht definieren muss, ihn nicht eingrenzen oder anzweifeln muss, sondern ihn einfach konkret erleben kann.

Bei "Waiting" wird nicht lange gewartet, sondern voll riffbetont durchgestartet, hier kann selbst der Kopf nicken, der nicht nicken kann; ein durchaus bandrepräsentatives Lied, was den Sound anbelangt; die Gitarren braten highgainig rein, ein bisschen so wie bei den Nicht-Singles von Nickelback, der Gesang ist smooth und melodisch wie beim 70er Rock.

Das Depeche Mode Cover "It's no good" ist auch so ein Kandidat; während andere Bands das Covern ohne großen Sinn und Zweck verfolgen, bringt sich die Gang mit fremden Federn ganz nach vorne und kann ein gesangsstarkes und äußerst gut gelungenes Replikat abliefern, das wahrscheinlich zu dem besten Track des Albums zählt. Ab der Hälfte der Scheibe werden die Songs zunehmend auslagernder und verspielter und auch einige sehenswerte Uptempo-Soli mit leichten 80er Thrash-Anleihen können sich hören lassen; zum Schluss hin gibt es mit "Bad Mojo" sogar eine balladeske Nummer im Italowestern-Flair, nice!

Fazit: In der handwerklichen Pflicht sind sie extrem stark, kein Zweifel, nur ist in der Kür nicht ganz so viel Substanz vorhanden. Dass ihre Musik extrem gut funktioniert, davon bin ich überzeugt, aber es fehlen ein wenig die richtig griffigen Riffs, die groovigen Nummern mit Wiedererkennungswert, einfach dieses letzte bisschen, was das "außer" vor das Wort "gewöhnlich" konstruiert, und dann wäre auch eine Wertung im 9er Bereich nicht ausgeschlossen, was die Jungs dann auch zu vollwertigen Helden machen würde, denen DC eine Comicreihe spendieren könnte.

Trotzdem ist die Wertung mehr als berechtigt, denn einen so straighten to-the-point-Rocker hat dieses Jahr bislang noch nicht gesehen.

Noch etwas für die Sparte Special Interest: Wer die filmmusikgeprägte Band gerne mal als Zombieband in Aktion sehen und hören will, der sollte sich mal den Splatterfilm "Dont wake the Dead" antun, zu dem die Band, wie auch zu einigen ähnlich gelagerten Untotenstreifen, den Soundtrack beisteuerte.

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