Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Gamma Ray: Land Of The Free - II

Grabrede oder Lobeshymne
Wertung: 9.5/10
Genre: Melodic Speed Power Metal
Spielzeit: 65:18
Release: 16.11.2007
Label: Steamhammer/SPV

Gamma Ray melden sich zurück, und zwar mit einem Album namens “Land Of The Free II”. Dies ist heutzutage wohl sehr in Mode gekommen, dass man alte Erfolgsalben, in diesem Fall nach zwölf Jahren, zitiert und einfach einen weiteren Teil raus haut. Nun ja, dass dies häufig nicht funktioniert, da der Qualitätslevel von früher einfach deutlich höher war, zeigt die Gegenwart. Schade, wenn sich Bands ganz bewusst selbst erniedrigen und durch den selbst gewollten Vergleich zeigen, dass sie schon lange über ihre Hochphase hinaus sind. Nun gut, denk ich mir, dann schreib ich halt ´nen Abgesang auf die Helden von damals und verweise auf den tollen ersten Teil, der ja nie als Mehrteiler geplant war.

„Into The Storm“ beginnt mit fernen Gitarren, die wie ein Hall aus nicht zu ortender Richtung daher wehen. Schon Sekunden später zieht es beide Augenbrauen nach oben. Jawohl, Gamma Ray scheinen wieder mit mehr Freude dabei zu sein. Der Song rockt wie in besten Helloween, pardon, Gamma Ray Zeiten. Treibende Bassdrum von Daniel Zimmermann und darüber beste Speedmetal-Gitarren vom Meister Kai Hansen und Henjo Richter. Der Song zieht einen nicht nur in den Sturm, man wird regelrecht hineingetreten.

„From The Ashes“ gerät gar zu einem neuen Klassiker der Band, eine Vocallinie im Chorus, der einfach nur zum Mitsingen auffordert. Darunter die forschen Gitarren mit genug Spielraum für die kleinen Fingerfertigkeitsdarbietungen. Ja, die Band lässt wahrlich den Sound der 80er und teilweise 90er wieder aufleben, und das gerade so, als ob es Alben wie „Majestic“ nie gegeben hätte. Die Mundwinkel scheinen bei den vier Verstrahlten permanent nach ganz oben gezogen zu sein. Da wird dann auch mal eben ein viel zu kurzer ruhiger Part eingebaut, bevor es nach Sekunden schon wieder mit voller Power weiter geht.

Das 27 Sekunden lange Intro „Rising Again“ kann man vernachlässigen, denn mit „To Mother Earth“ erfreut sich der Hörer eines weiteren Highlights der durchaus einer der Helloween Hits aus den „Keeper…“ hätte werden können. Fullspeed und trotzdem immer mit dem typischen melodischen Anteil. Ja, schon nach dem 4. Song ist klar, dass hier keine Beerdigung stattfinden kann, denn hier ist eine Band im Hyperspeed zurück an die Spitze katapultiert worden. Klar werden jetzt wieder Leute aufstehen und sagen: „Das ist doch altbacken, das haben wir schon mal gehört.“ Wen interessiert das, wenn die Mucke derart genial rüberkommt?

„Rain“ klingt zu Beginn etwas experimenteller und deutlich düsterer, bevor Kai`s Stimme sich auf Normalnenner einpegelt. Irgendwie seltsam, dieser Song nach den ersten vieren, aber irgendwie auch richtig cool. Ich muss mich immer wieder fast wegschmeißen vor Lachen, wenn Kai ratlos ins Mikrofon brüllt: “Where the fuck is my superman outfit?“ Yeah, da solle noch einer sagen, dass Metal nicht lustig ist. Dazu beinharte Gitarren unterstützt vom wie immer einwandfreien Dirk Schlächter am Bass!

„Leaving Hell“ wird von starken Drums und Bass eröffnet, bevor es mit Gitarrenunterstützung langsam in den nächsten Chorus geht. Ja, der erste Song, der wirklich etwas abfällt, trotz des gelungenen Chorus, der aber auch aus der Running Wild Schmiede hätte kommen können. „Emperess“ kann da auch nicht so recht die Latte wieder auf`s höchste Niveau legen, aber dennoch befinden wir uns hier in der Oberliga, wobei ich bei dem Chorus immer an Accept`s „Princess of The Dawn“ denken muss, was zwar nicht die schlechteste Referenz ist, aber im Original doch besser wirkt.

„When The World“ gerät dann wieder zu einem Highlight. Schnell und rau gespielt mit den markanten Vocls von Kai Hansen, welcher im Refrain die große Portion Melodie auspackt und einfach nur zu begeistern weiß. Jawohl, langweilig wird es mit Gamma Ray sicher nicht. Und zum ersten Mal tauchen auch Gitarrenmelodien auf, die eine gewisse Nähe zu Iron Maiden herstellen, um dann in Sekundenbruchteilen wieder in Richtung Gamma Ray zurückzurudern.

Das wird dann aber noch deutlich heftiger bei „Opportunity“. Am Anfang groovt und stampft der Song zwar noch sehr eigenständig durch den Raum und lässt der Nackenmuskulatur durch die langsame Gangart ein wenig Ruhe zukommen. Im Mittelteil findet man sich plötzlich in Iron Maiden`s „Rhyme Of The Ancient Mariner“ wieder. Da gehen dann die Vocals natürlich unter, denn da kann sich niemand dem Vergleich mit Bruce Dickinson entziehen. Und das haut dann natürlich nicht mehr hin. Trotz dieser der Plagiatsklage nahen Einlage ein toller Song, der Spaß macht.

„Real World“ ist dann wieder ein reinrassiger Helloween Hit, wie man ihn zuhauf mit Michael Kiske in den Achtzigern präsentiert hat. Die Party ist am Höhepunkt und man hebt mit diesem Song dann förmlich ab. Großes Kino, was da aufgefahren wird. Wie will die Band nur eine Songauswahl für ihre Liveshows treffen?

„Hear Me Calling“ fällt dann aber leider wieder ab. Vielen Bands würde er zum Highlight reichen, aber in diesem starken Werk geht dieser gute Song irgendwie unter, dies liegt aber natürlich auch daran, dass er zwischen zwei Highlights gepackt wurde.

Ja, mit „Insurrection“, einem über elfeinhalb Minuten langem Stück wird dann nochmal die hohe Gamma Ray Kunst zelebriert. Wiederum liegt man immer wieder sehr nah an Iron Maiden Melodien dran. Trotzdem sind auch starke Parallelen zu „Rebellion In Dreamland“ festzustellen. Was will der geneigte Melodic Power Metal Fan denn mehr? Gamma Ray sind zurück und das stärker als in den letzten zehn Jahren.

Fazit: Aus dem Grabgebet ist eine Lobeshymne geworden, welche diesem Werk aber absolut gerecht wird. Auch wenn immer wieder mal Fragmente sehr stark an anderen Bands angelehnt sind, so verstehen es Kai Hansen und seine Jungs exzellent, das Ganze nicht über Genüge auszureizen und somit als billige Kopie zu wirken. Die Band hat hier eines der stärksten Melodic Power Metal Alben des Jahres 2007 abgeliefert, wenn nicht sogar das stärkste. So hat man es auch geschafft, Helloween, mit denen man ja Anfang 2008 die Konzertsäle teilt, die Butter vom Brot zu nehmen und hat sich albentechnisch deutlich stärker präsentiert.

comments powered by Disqus

Von Erinnerungen, Rückblicken und Genuss

Wolken mit Gesichtern oder Jesus auf einem Pfannkuchen

Hinzu kommen Borknagar, Wolfheart und Hinayana

Neues Album und Tour im nächsten Jahr

Sieben Alpha-Hein-Mücks

Doomiges Live-Konzert in eine mögliche neue Normalität

Der Erstlingsroman des Musikers kann sich sehen lassen

Werkschau einer der größten und einflussreichsten Rockbands aller Zeiten

Wie mit einer Ex-Freundin

Willkommen in der Husumer Sauna