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Fyrnask: Fjǫrvar Ok Benjar

Ein zweischneidiges Schwert
Wertung: 6/10
Genre: Black Metal, Doom Metal, Ambient
Spielzeit: 57:11
Release: 05.11.2010
Label: Düsterwald Produktionen

Wenn man von Fyrnask spricht, bietet es sich an, im Singular zu verweilen, denn hier ist keine vollständige Band im eigentlichen Sinne am Start; zwar gibt es ein grundsätzliches Line-Up für Liveauftritte, studiointern werden aber sämtliche Instrumente sowie der Gesang vom einzigen Bandmitglied Fyrnd eingespielt. Aus bitterer Erfahrung kann man sich ableiten, dass ein Musikprojekt, das von nur einer Person ausgeführt wird, meistens ein bisschen in Richtung Egotrip tendiert. Man kann also gespannt darauf sein, was der deutsche Schwarzmetaller auf seinem ersten Demo-Output kredenzt, zumal „Fj?rvar Ok Benjar“ via Düsterwald Produktionen veröffentlicht wurde, einem Label, das qualitativ zwar immer hochwertigen, aber oftmals kontroversen Black und Death Metal serviert.

Auf die Ohren gibt’s klassisch-zynischen Black Metal mit melodiösen Einschlüssen und doomigen Elementen. Fyrnd keift sich fies durch eine knappe Stunde Musik und schon hier beginnt sich, ein Problem herauszukristallisieren: Der Mann kann was, keine Frage, aber dieses andauernde und noch dazu völlig unverständliche Gekeife geht einem doch irgendwann ziemlich an die Nieren. Nicht, dass Black-Metal-Vocals für gewöhnlich besonders klar artikuliert wären, aber das, was Fyrnd hier abzieht, ist doch noch eine Ecke härter.

Dabei ist der gute Mann beinah noch nett zu seinen Hörern: „Vos Qui Transitis…“ fungiert als Intro und verstört den geneigten Fan nur minimal. Doomig angeschlagene Gitarren kopulieren mit geflüstertem Text, dazu ein bisschen Bassgebrummel – bevor „Diese Asche“ schließlich als erster Song mit über neun Minuten Laufzeit loslegt. Die Geschwindigkeit wird erstmal einigermaßen beibehalten, positiv überrascht wird man hier vor allem vom Schlagzeug, das nicht unangenehm in die Botanik scheppert, sondern schön zum Rest des Sounds passt. Abrupt werden Doublebassattacken ausgefahren und der Meister persönlich präsentiert seinen kotzigen Gesang. Natürlich ist es schwierig, auf einem derart langen Song die Spannung zu halten und leider ertappt man sich dabei, wie man plötzlich bei Minute sieben durch eine einprägsame Gitarrenmelodie aus der Trance gerissen wird.

Ein erstes Highlight bietet „Forderver Den Første Vanndråpen“: Der achteinhalbminütige Track startet mit einer schlichten, aber wunderschönen langsamen Gitarrenmelodie, zu der sich bald das Schlagzeug und die keifenden Vocals gesellen. Hier wird durch die eingespielten Samples eine schön depressive Note heraufbeschwört, die den Track direkt skandinavisch erscheinen lässt. Zwischen wütendem Gekrächze und heiseren Verzweiflungsschreien scheint der Allrounder sich viel wohler zu fühlen als bei bloßen Drauflosgeknüppel – hoffentlich wird der Rest der Scheibe ähnlich großartig wie dieser Song.

Tatsächlich könnte man meinen, nach dem eher stumpfsinnigen Album-Anfang sei der Knoten nun geplatzt: Mit „Licht“ liefert Fyrnd eine instrumentale Kostprobe seiner Gitarrenkünste, bevor das irreführend betitelte „Interludium“ wieder volles Rohr drauflos prügelt – aber lange nicht so monoton wie noch die ersten Songs. Hier wird mehr auf Atmosphäre gesetzt und die sickert mit den leicht dissonant klingenden Gitarren auch angemessen verstörend durch die Boxen. Eine regelrechte Überraschung hält dann „A Thousand Winters To Come“ bereit, das ohnehin recht doomig-ruhig daherkommt (zumindest für Fyrnask-Verhältnisse) und man höre und staune – uns mit klarem Gesang beglückt. Auch wenn das jetzt einen leicht sarkastischen Unterton gehabt haben dürfte, muss man sagen, dass Fyrnd wirklich eine recht angenehme Stimme hat, die (weil recht leise und des Lebens müde daherkommt) zeitweise eine gewisse Ähnlichkeit mit der des Lifelover-Frontschizos Kim "()" Carlsson hat. Andererseits, wird die Stimme erstmal ein wenig erhoben, entwickelt sie einen leicht gothischen Touch – ein sehr schöner Kontrast zu den klirrenden Gitarren und dem sonstigen Gekeife. Natürlich wird gegen Ende nochmal drauf los geknüppelt, aber insgesamt hat der Song einen eher nachdenklichen Grundton, der die Stimmung der Platte um fast 180 Grad dreht und vor allem Interesse weckt.

Leider plätschert der ähnlich ausufernde Titelsong ein wenig an einem vorbei, erst „Exitus“, das als Rausschmeißer steht und aus Regengeplätscher und einem Zitat des amerikanischen Philosophieprofessors Louis H. Mackey, der sich über die nicht allzu großen intellektuellen Unterschiede zwischen Menschen und Schimpansen auslässt. Ein angemessen misanthropischer Abschluss für ein Album, bei dem man nicht so recht weiß, wie und ob man ein Fazit ziehen soll. Epen wie „A Thousand Winters To Come“ bezeugen zweifelsohne das musikalische Talent von Fyrnd, aber irgendwie kommt die Platte nicht so richtig aus dem Quark. Fans von leicht depressiv angehauchtem Black Metal sollten aber doch mal das ein oder andere Ohr riskieren.

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