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Fyrnask: Bluostar

Immer noch merkwürdig
Wertung: 6.5/10
Genre: Black Metal, Doom Metal
Spielzeit: 57:16
Release: 19.09.2011
Label: Düsterwald Produktionen

Viel geändert hat sich nicht im Hause Fyrnask. Alleiniger Sänger und Instrumentalvergewaltiger Fyrnd ist inzwischen beim schwedischen Label Temple Of Torturous untergekommen und lässt nach wie vor zumindest seinem Kollegen Blutaar freie Hand bei der Cover- und Bookletgestaltung. War das Cover der letzten Scheibe „Fj?rvar Ok Benjar“ in tristem Grau gehalten, zeigt das Artwork der aktuellen Platte „Bluostar“ einen Mann, der augenscheinlich ganze Haarschöpfe weint. Irgendwie ist es ein bisschen eklig, aber faszinierend genug, um ein paar Minuten gedankenversunken auf das Bild zu starren. Apropos: Die ersten 100 Käufer, die die Scheibe auf der Labelseite bestellen, erhalten als „Die Hard Edition“ angeblich noch Hirschknochen obendrauf - wenn das mal legal ist?

Musikalisch nimmt uns Fyrnd wieder auf eine schwer verdauliche Reise durch die Irrungen und Wirrungen des doomig angehauchten Black Metal. Bei knapp 30 Grad draußen und geradezu lächerlich grellem Sonnenschein wirkt die Mischung natürlich eher befremdlich. Also schnell die Rollläden runtergelassen und das Licht ausgesperrt, um in die richtige Stimmung für „Bluostar“ zu kommen. Und siehe da, schon nach wenigen Minuten möchte man sich am liebsten einen Schierlingsbecher gönnen. Fyrnd fährt aber auch alles an Geschützen auf, was den Black-Doom so herrlich lebensbejahend macht: minutenlang dahinwalzende Gitarren, ordentlich Hall auf dem Gesang, der mal geflüstert, mal verzweifelt in die Weltgeschichte geschrien wird, und über all dem thront das monotone Schlagzeug. Monotonie ist hier wie bei vielen Schwarzwurzeltruppen nicht als Beleidigung zu verstehen, sondern wird als Stilmittel eingesetzt, das, falls irgend möglich, die Musik noch eine Spur depressiver erscheinen lässt.

Schaut man sich die Tracklist beziehungsweise die Spielzeiten an, wird einem schon einmal recht schwindlig – neben anderthalb-minütigen Zwischensequenzen stehen da Stücke mit über acht Minuten Länge einfach so in der Botanik herum; das kann ja heiter werden. Und bereits „At fornu fari“ beweist als Opener, dass Fyrnd auf die gängigen Konventionen so ziemlich scheißt. Fast viereinhalb Minuten lang jammern die Gitarren zweistimmig, seltener unterstützt von Snare-Anschlägen im Hintergrund und untermalt von einem bedrohlichen Brummen, das durchaus das Ende der Welt ankündigen könnte. Der fast zehnminütige Nachfolger „Evige stier“ gereicht dann schon der absoluten Fiesheit der hiesigen Black-Metal-Szene zur Ehre: Eingeleitet von einem markerschütternden Schrei tobt Fyrnd weiterhin wie Rumpelstilzchen, allerdings beinahe vollständig übertönt von dem rasanten Schlagzeug und den geschredderten Gitarren. Überraschend wird das Geschrei abgelöst von choralem Gesang, der ein bisschen gruselig und drogenumnebelt wirkt, aber dennoch ganz gut in das Konzept des Songs passt. Gegen Ende muss Fyrnd natürlich noch einmal ordentlich vom Leder ziehen – ob er sich dabei auch was gedacht hat?

Überhaupt hat man bei den zahlreichen längeren Songs irgendwie das Gefühl, dass der Mann einfach eine Gitarrensaite angeschlagen und so lange in Ruhe gelassen hat, bis sie von allein verstummt ist – nur, um dann die nächste ertönen zu lassen. Doom in allen Ehren, aber das hier grenzt schon an Anstrengung. Richtig heiter wird es dann bei „Bergar“: Auf etwas über neun Minuten knallt der Herr Fyrnd alles auf den Tisch, was er instrumentell und stimmlich zu bieten hat, lässt seine Gitarren mal klingen wie einen wütenden Bieneschwarm, nur um dann schöne, düstere Melodien darüber zu legen und sich zu einem leicht unrhythmischen Schlagzeug die Seele aus dem Leib zu keifen. Wenn man sich davon einigermaßen erholt hat, setzt auch schon der Titeltrack an (über zehn Minuten - wo nimmt der Mann denn die Kraft her, so etwas zehn Minuten lang durchzustehen?); ähnlich aufgebaut wie „Bergar“ überstrapaziert er wenigstens nicht die Nerven der Hörer, sondern windet sich einigermaßen nachvollziehbar durch die Boxen.

Fazit: Man weiß nicht so recht, was man von Fyrnask halten soll. Schon die letzte Scheibe stieß mit gerade einmal sechs Punkten nicht unbedingt auf begeisterte Zuhörer und auch „Bluostar“ ist schwer gewöhnungsbedürftig. Dass Fyrnd scheinbar nur eine Art von Song schreiben kann, macht die Sache nicht unbedingt leichter. Musikalisch hat der Mann allerdings einiges drauf und so kann er diesmal immerhin ein halbes Pünktchen höher klettern.

(Katharina Neuert)

Ein Ein-Mann-Black-Metal-Projekt. Das klingt zuerst einmal nicht aufregend. Ist es soweit auch nicht. Fyrnask veröffentlicht sein erstes Album nach dem ersten Demo im Jahr 2010. Das Teil hat den Namen „Bluostar“ empfangen und präsentiert sich grundlegend als Kreuzung zwischen Black Metal, Doom Metal und Ambient-Elementen. Das Hauptaugenmerk liegt hierbei jedoch recht eindeutig beim Black Metal. Dabei geht es aber weniger um den rumpeligen, stumpfen Black Metal, sondern eher um eine subtilere Form der schwarzen Kunst. Neben der typischen Black-Metal-Elemente wurden in „Bluostar“ auch einzelne Bausteine des Doom Metal sowie auch Bruchstücke aus dem Ambient-Bereich verwendet. Alles in allem ergibt sich daraus eine interessante Mischung, die immer wieder da hin sticht, wo es weh tut.

Wenn man sich die Scheibe etwas genauer ansieht, dann merkt man schnell, dass ein Konzept hinter den Songs steht. Alle Titel bauen aufeinander auf und ergeben so ein stimmiges Ganzes. Gekonnt wird mit trägen und düsteren Elementen gespielt, die beinahe immer ein Inferno einleiten. Nicht selten verfallen die Lieder aber auch wieder in diese typische, schleichende, depressive Stimmung. Das beste Beispiel hierfür ist gleich der Opener, „At Fornu Fari“ ist eines dieser stimmungsschaffenden Arrangements. Ihr folgt das knüppelharte „Evige Stier“, das auf Schreddelgitarren und einen praktisch durchgehenden Blastbeat baut. Dazu gesellen sich die langgezogenen Keifgesänge von Mastermind Fyrnd. Immer wieder wechseln Stimmung und Tempo, so dass einem mit der Zeit etwas schwindelig werden könnte.

Wird es auch. Die Songs sind zwar alle einzeln gesehen recht gelungen, keine Frage. Aber beim Durchhören der ganzen CD tun sich doch irgendwann Ermüdungserscheinungen auf. Spätestens nach dem vierten, fünften Hördurchgang am Stück fühlt man sich versucht, die Skiptaste der Fernbedienung das eine oder andere Mal zu gebrauchen. Das liegt nicht alleine an der sich oft sehr ähnelnden Rhythmik und den schwer zu unterscheidenden Gitarrenriffs. Auch der Gesang wird mitweilen recht monoton. Ein wahrer Ohrenschmaus sind aber die Parts, während denen der Verzerrer zurückgedreht wird und die Vocals clean und im Sprechgesang daherkommen. Dann erinnert Fyrnask ein wenig an Helrunar. Und wenn die Knüppelmomente im richtigen Gleichgewicht zu den verzweifelten, hasserfüllten, langsameren Parts stehen, dann macht das Album einen sehr guten Eindruck. Leider sind diese Momente nicht ganz so häufig gesät, wie sie vielleicht gesät sein sollten. Kurz und knapp: Es fehlt ein wenig die Würze und die Abwechslung. Ansonsten liegt hier ein wunderbares Machwerk schwarzmetallischer Kunst vor, das in der Szene bestimmt berechtigten Anklang findet.

Wer auf harten, aber nicht nur durchgängig geknüppelten Black Metal steht, der auch noch viel Atmosphäre aufweist, der kann hier getrost ein Ohr riskieren.

(Thomas Seitz)

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