Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Future Is Tomorrow: Fit To Die (Part 1)

Italiens härteste Boyband
Wertung: 3.5/10
Genre: Power Metal, Classic Metal
Spielzeit: 56:03
Release: 01.09.2009
Label: Eigenproduktion

Das Konzept des Debüts der italienischen Classic Metaller Future Is Tomorrow klingt äußerst viel versprechend: Erzählt wird die Geschichte eines Toten, der bei seiner eigenen Beerdigung zusieht und seine Eindrücke, Gefühle und Gedanken schildert. Zunächst mutet die Story an wie eine wunderbare Basis für eine düstere, melancholische Metal-CD.

Wie im Leben so üblich ist auch das erste Album des Italo-Quintetts nicht das, was es auf den ersten Blick zu sein scheint. Die Band, die das Licht der Musikwelt schon 2003 erblickte, gibt sich zwar redlich Mühe, eine tragische und deprimierende Stimmung einzufangen; das Einzige, was jedoch wirklich tragisch ist, ist der Umgang mit fast schon poppigen Melodien bei einem derart traurigen Thema.

Bereits 2004 nahmen die Fünf ihr erstes Demotape auf, ein Jahr später folgte die selbst produzierte Scheibe „The New Messiah“. Zumindest in ihrer Heimat erspielten sich die Männer den Ruf als klassisch ausgerichtete Power Metal-Band, in Deutschland sind Future Is Tomorrow jedoch noch weitgehend unbekannt. Warum das durchaus so bleiben könnte, wird annähernd klar, wenn man sich die aktuelle Scheibe „Fit To Die (Part1)“ anhört, die bereits am 1. September erschienen ist und über die offizielle Homepage der Band erhältlich ist.

Schon beim Opener „Dead (Requiem Aeternam)“ erinnern die Sänger Massimo und Michael stark an Tobias Sammet von Edguy. Schnelle Gitarrenriffs lassen auf einen raschen Umschwung hoffen, allerdings wird man abgelenkt vom Gesang, der unheimlich pathetisch klingt, ohne allerdings echte Emotionen zu transportieren. Ist das vielleicht das Kunststück bei dieser Platte? Geht es möglicherweise darum, besonders emotional zu klingen ohne es tatsächlich zu sein? Und: Widerspricht das nicht allem, wofür Metal steht?

Womöglich tun wir den Vokalisten mit dieser verfrühten These Unrecht. „Another Soul (Kyrie)“ überrascht mit einem äußerst fähigen Männerchor, in dem unter anderem auch ein Teil der Band zu hören ist. Die Leadvocals klingen dann wieder sehr angestrengt, vor allem in den höheren Oktaven möchte man am liebsten Augen und Ohren verschließen. Der Song zieht sich durch sich wiederholende Gitarrenriffs ziemlich in die Länge; wer im Musikunterricht aufgepasst hat, weiß, wofür ein Leitmotiv gut ist – und zwar nicht, um den Hörer zu langweilen.

Ein kurzer Hoffnungsschimmer flackert bei „Awakening The Ghosts“ auf, als man tatsächlich deftige Growls vernimmt – diese jedoch nicht vorgetragen von Massimo oder Michael, sondern von Delirium X Tremens-Sänger Alberto „Ciarco“ Da Rech. Leider versaut der einsetzende – man muss es einfach so nennen – Kastratengesang diesen Glücksmoment wieder, wobei ein interessantes Gitarrensolo halbwegs über diese Tatsache hinwegtrösten kann. „All For You (Dies Irae)“ beweist einmal mehr, dass auch Power Metal-Sänger gut klingen können, wenn sie ein oder zwei Tonlagen tiefer singen – leider klingt der restliche Gesang wieder relativ uninteressant, da reichlich überanstrengt. Die dünnen Hintergrundgesänge werten den Song leider auch nicht auf.

Tatsächlich tun sich jetzt wahre Abgründe auf: Sowohl „Stories To Tell (Tuba Mirum)“ als auch der Titelsong warten mit jeder Menge Pop-Appeal und ebensolchen Melodien auf; ersteres Stück verfügt zwar über eine schöne Melodie, dafür klingt der Gesang wie der einer italienischen Boyband – meine These wird bestätigt: Power Metal ist der Pop des Metalgenres. Auch „Save Us, Source Of Mercy (Rex Tremendae)“ kann nicht recht überzeugen, obwohl hier endlich eine etwas aggressivere Klangfarbe in der Stimme zu hören ist; auch die Growls passen diesmal besser ins Gesamtbild.

Zum Abschluss keimt noch einmal Hoffnung auf: „The Day Of Retribution (Recordare)“ beginnt mit einer einsamen Gitarre und ruhigem Gesang, doch schon nach wenigen Sekunden leiden beide Sänger wieder wie die Weltmeister; zwar springt „Ciardo“ erneut für die Growls ein, doch neben diesem stimmlichen Donnerwetter wirken die Power Metal-Gesänge nur noch mehr wie ein laues Lüftchen. Ausgerechnet dieser Song ist mit fast elf Minuten auch noch der längste der ganzen Platte; jede etwaige entstehende Dynamik wird mit dem Einsatz des Männerchors, der bei den vorherigen Stücken ganz gut gepasst hat, sofort wieder in Grund und Boden gesungen.

Fazit: Ich werde nie ein Freund des Power Metal werden und weiß jetzt auch wieder, warum. Der Gesang kann fast ohne Ausnahme als störend bezeichnet werden, die Instrumentals klingen größtenteils lustlos und uninspiriert; besonders enttäuschend ist die Umsetzung des eigentlich sehr genialen Themas. Zumindest eines schafft das Quintett aber perfekt: Das Klischee des pathosbeladenen Italieners haben Future Is Tomorrow absolut unterstützt.

comments powered by Disqus

Fantastisches Open-Air, bei dem alle um die Wette strahlen

Familiäre und friedliche Metalparty am Kanal, Take 17

Fantastischer Abend, der viel zu schnell zu Ende ging