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Furious Trauma: Decade At War

Eine saftige Packung Thrash mit erfreulich viel Groove
Wertung: 8/10
Genre: Thrash Metal, Groove Metal
Spielzeit: 65:38
Release: 27.11.2020
Label: Massacre Records

Manche Bands kommen erst erstaunlich spät im eigenen Dunstkreis an. Und dabei sind die dänischen Thrasher Furious Trauma schon so alt wie die Schreiberin dieser Zeilen selbst! Peinlich geradezu, die Band bisher nicht gekannt zu haben – selbst kein übergroßer Thrash-Fan zu sein, gilt hier kaum als Ausrede, hat Sänger Lars doch ein unvergleichlich heiseres Organ, das mit dem oftmals penetranten Gekeife thrashender Fronter nur wenig gemein hat.

Angesichts dessen, dass die Truppe bereits seit 1988 im Underground herumdoktert, mutet der Backkatalog erstaunlich dünn an: Mit dem aktuellen „Decade At War“ vom Herbst steht gerade mal die vierte Full-Length-Scheibe auf dem Papier, zudem ist die letzte Veröffentlichung bereits eine ganze Weile her: 1999 konnten die Dänen mit „Roll The Dice“ den letzten Output markieren. Geschuldet ist diese Diskrepanz einer Bandpause zwischen 2003 und 2017 - Zeit wird‘s also für was Neues, bevor man aus dem kollektiven Metalgedächtnis verschwindet.

Sich mit Liveshows in Erinnerung zu rufen, scheint ja bis auf weiteres noch utopisch zu sein, also bleibt nur der Output auf Platte; immerhin 15 Tracks haben es auf die neue Scheibe geschafft, wobei mit „Born Of The Flag“ und „Chaos Within“ neu aufgenommene Tracks der ersten beiden Scheiben „Primal Touch“ (von 1992) beziehungsweise „Eclipse“ (1995) mit auf der Agenda stehen.

Nach dem stimmungsvollen Intro „Prelude To War“ grooven sich die Herrschaften mit dem flotten Titeltrack recht schnell ein und überhaupt scheint hier „Groove“ das Zauberwort zu sein; statt nämlich großartig den Achtziger zu huldigen, geben sich Furious Trauma einen eher moderneren Anstrich, erst in „Ultimate Divine“ herrschen dann kreischende Gitarren vor, die mit gefletschten Zähnen durch die Doublebasswand schneiden. Richtig geil dann auch die Motörheadeske Vocal-Darbietung, die noch mal eine Schippe Rotz auflegt. Dank Mastermind Tue Madsen hält der Mix hier wie auch auf dem Rest der Scheibe genau die richtige Balance zwischen Räudigkeit und Transparenz, sodass die technisch versierten Musiker nicht fürchten müssen, im Klangsumpf unterzugehen.

Eher untypisch für Thrash haben die Dänen dann mit „Comin‘ Home“ ein fast zehnminütiges Epos im Gepäck, das von der Stimmung her ein bisschen an Iced Earth erinnert, bei dem die gedoppelten Gesänge aber nicht unbedingt zum Genuss beitragen können. Dafür hat der Refrain dann eine gehörige Portion Pathos abbekommen – ein mutiger Song mitten auf einem rabiaten Groove-Thrash-Album, aber Geschmackssache.

Insgesamt darf man sich auf „Decade At War“ aber positiv überraschen lassen, sei es von der erfreulich variablen Stimme des Sängers, die nicht langweilig zu werden droht, bis zum kristallklaren Sound und dem Drive der Instrumentalfraktion. Die Kriegsthematik mag recht ausgelutscht sein, durch die Fokussierung auf die dänische Geschichte bieten sich aber zumindest neue Blickwinkel. Sympathisch macht die Truppe dann auch noch, dass sie sich selbst eine Zeitlang als Heavy-Metal-Truppe „Vicious Aroma“ selbst verarscht haben – das gibt doch gleich ein Zusatzpünktchen im Geiste.

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