Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Funeral: From These Wounds

Zum Weinen schön
Wertung: 9.5/10
Genre: Doom Metal
Spielzeit: 57:31
Release: 02.02.2007
Label: Tabu Recordings

Kennt ihr das? Da veröffentlicht eine große Band ein Album und man ist irgendwie enttäuscht. Eigentlich ist es ja ein gutes Album, aber von solch einer Band hätte man deutlich mehr erwartet. Und dann kommt zweieinhalb Monate später ein Album auf den Markt, welches die Ikone ohne weiteres vom Thron stößt.

„Was schwafelt der denn da, worum geht`s denn hier?“ fragt ihr euch jetzt bestimmt …

Es geht um My Dying Bride und Funeral. Das Werk „A Line Of Deathless Kings“ von der Doomlegende My Dying Bride wusste nicht überall so recht zu überzeugen, und nun kommt Funeral daher und geben den Fans, was sie eigentlich von My Dying Bride erwartet hatten.

Und das Ganze geschieht trotz oder vielleicht wegen der derbsten Schicksalschläge, die man sich vorstellen kann. Nach dem Tod des Gitarristen Christian Loos scheinen die Depressionen, welche Funeral schon immer versprühten, noch gewaltiger geworden zu sein. Eigentlich ist nur noch Drummer Anders Eek übergeblieben, welcher von Frode Forsmo am Mikro unterstützt wird. Mats Lerberg wurde für die Gitarren in die Band integriert. Da die Homepage der Band eigentlich jeder Aktualität trotzt, begnüge ich mich zwangsweise mit diesen beiden Namen.

„This Barren Skin“ beginnt mit einem ergreifenden Kirchenchor, bevor die zähflüssigen Gitarren sich ihren Weg durch die dunkle Welt bahnen. Kräftige, powervolle Melodien mit immer wiederkehrenden depressiven, fast schon nach am Rande der Aufgabe klingenden Vocals. Das Ganze wird durch das zwischenzeitliche Gewitter noch verstärkt. Starke Leistung der oftmals als depressivsten Band der Welt verschrieenen Band.

„From These Wounds“ zieht alle Register der Melancholie. Frode Forsmo singt, als ob ihn die Trauer den Hals zuschnürt und er sein letztes Stündlein erwartet. Ein letzter Choral auf die schmerzende Seelenpein. Das Ganze von tonnenschweren Riffs auf seinen Schultern lastend getragen. Man meint zwischenzeitlich, Gevatter Tod würde an die Tür hämmern. Die Angst und Schwermut, die dies erzeugt, wird hier bestens intoniert.

„The Architecture Of Loss“ beginnt mit einer wunderschönen, melancholischen Gitarrenmelodie. Funeral beherrschen dieses Metier aus dem Eff Eff. Fast schon überraschend bricht eine nicht ganz so düstere Gitarre zu Beginn des letzten Drittels des Songs durch das dunkle Soundgewand. Mir fällt da höchstens noch die ganz frühe Zeit von Paradise Lost ein, welche ich in den depressivsten Momenten mit Funeral gleichsetzen würde.

Wenn man bedenkt, dass ja auch Bandgründer und Bassist Einar Frederiksen mit 29 Jahren 2003 aus dem Leben gerissen wurde, dann kann man vielleicht diese dunkle Stimmung zumindest ansatzweise verstehen.

„Red Moon“ erscheint da schon treibender und durch die nicht eingängig tief musizierenden Gitarren etwas weniger bedrückend, was aber durch den weinerlichen Gesang wieder wettgemacht wird.

„Vagrant God“ ist mit seinen 6:17 Minuten der mit Abstand kürzeste Song des Albums. Dies liegt aber sicherlich nicht daran, dass er zu schnell gespielt wurde. Spätestens jetzt wird es Zeit für ein paar Antidepressiva.

Aber da kommt „Pendulum“ nun wirklich nicht zur rechten Zeit. Mit traurigen Streicherchören und einer wahrhaft langsamen Doomgitarre wird man in die Tiefe einer gepeinigten Seele gezogen, welche kurz vor dem Exitus steht. Trotz seiner Länge schafft es der Song, den Zuhörer zu fesseln und alle fröhlichen Gedanken zu vertreiben. Man wartet praktisch auf den Tod, da man die Last auf den Schultern förmlich spüren kann, und dann ist es vollbracht, eine bedrohlich traurige Stille bricht herein. Aber der letzte Kampf ums Überleben lässt den Körper sich noch einmal aufbäumen. Aber mit der geistig eigentlich schon abgefundenen Situation bleibt eigentlich nur noch der letzte Ausspruch „Daddy, won`t you please take me home?“ Die dann sirenenhaft eingeflochtenen Gitarren scheinen praktisch den letzten Kampf des Körpers zu demonstrieren, welcher aber verloren geht, da der Leib schon zu entkräftet ist.

„Saturn“ beginnt mit seltsamen Gitarren, bevor es, wie „Pendulum“ aufgehört hat, weiter geht. Doom at it`s best! Fast schon gebetsartig werden die Verse ins Mikrofon geschluchzt. Und dann diese sich in den Kopf einbrennenden, seltsam anmutenden Gitarren.

Fazit: Hier ist ein enorm emotionales düsteres, fast schon suizidgefährdendes Meisterwerk entstanden, welches die Messlatte für die 2007 erscheinenden Doom-Platten sehr, sehr hoch legt. Es ist denkbar, dass dies die Scheibe des Jahres in diesem Musiksektor geworden ist.

Ich denke, selbst wenn man diese Musik bei der Beerdigung des größten Dreckskerles spielen würde, dann wären Gänsehaut und Tränen trotzdem garantiert. Es gibt nur wenige Bands, die eine derartige, fast körperlich greifbare Atmosphäre erschaffen können.

comments powered by Disqus

Werkschau einer der größten und einflussreichsten Rockbands aller Zeiten

Wie mit einer Ex-Freundin

Willkommen in der Husumer Sauna