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Funeral For A Friend: The Young And Defenceless

Streckenweise etwas unmotiviert
Wertung: 7/10
Genre: Post-Hardcore, Alternative Rock
Spielzeit: 13:28
Release: 03.12.2010
Label: Roadrunner Records

Funeral For A Friend sind fleißige Bienchen. Seit der Gründung der Post-Hardcore/Alternative-Combo im Jahr 2002 hat das Quintett immerhin vier Studioalben, ein Greatest Hits-Album und vier EPs, sowie zwei Live-Veröffentlichungen auf den Markt geworfen und damit in regelmäßigen Abständen Fans und Kritiker beglückt. Die fünfte EP „The Young And Defenceless“ kommt Anfang Dezember in die Regale – der erste Output nach dem Best Of-Album 2009.

Man darf gespannt sein, schließlich muss an Übersongs wie „Your Revolution Is A Joke“ vom Erstling „Casually Dressed And Deep In Conversation“, das seinerzeit einschlug wie eine Bombe, oder den Dauerbrenner „Into Oblivion (Reunion)“ angeknüpft werden. Schwierig ist das insofern, dass FFAF im Laufe ihrer Karriere schon öfter dem Vorwurf entgegen standen, ihren ursprünglichen Weg aus den Augen verloren zu haben. Dabei ging es natürlich vornehmlich darum, dass die „Fans“ ihre Band vor dem geistigen Auge schon in die Sell Out-Schublade abschoben, vor allem entwickelte sich die Combo aber tatsächlich weiter. Man wird ja auch nicht jünger und die Reife spiegelt sich irgendwann doch auch in der Musik wieder. Blöd nur, wenn die Fans auf dem ewig gleichen Trip hängen bleiben und auch nach dem dritten Album am liebsten eine Platte im Stil von „Casually Dressed…“ hören wollen.

An das neue Mini-Werk „The Young And Defenceless“ kann man also nicht wirklich unvoreingenommen herantreten. Und man stellt fest: Beim ersten Durchgang fehlt einem etwas der Biss. Nicht, dass FFAF in der Vergangenheit eine unglaublich agressive Band gewesen wären, aber ein bisschen knackiger könnten die vier Songs der neuen EP schon aus den Boxen kommen. Nichtsdestotrotz tut das neue Saiten-Line-Up – Gitarrist Darran Smith verließ die Band bereits im Frühjahr, für ihn sprang Bassist Gavin Burrogh ein, dessen Posten am Tieftöner wiederum von Neuankömmling Richard Boucher übernommen wurde – dem Sound keinen Abbruch, die Gitarren flirren wie gewohnt mit teils leicht progressivem Touch und auch über den Gesang kann man nicht meckern, gehört Matthew Davies-Kreye doch zu den wenigen Sängern der Post-Hardcore-Szene, dessen klarer Gesang zu keiner Sekunde das Gehör beleidigt.

„Sepents In Solitude“ eröffnet den munteren, wenn auch quantitativ überschaubaren Reigen neuer Funeral For A Friend-Songs mit einem umständlichen Drumming, bevor Schlagwerker Ryan Richards richtig schön losshoutet. Irgendwie klingt der klare Gesang aber, als hätte die Band nicht so richtig Bock auf das, was sie da grade zusammen zimmert. Da wäre das Stück wesentlich besser weggekommen, wenn man die Strophen den Shoutings überlassen hätte. Der Refrain kommt dann aber wieder in bester FFAF-Ohrwurm-Manier und versöhnt das leicht geknickte Fan-Herz fürs Erste.  

Bei „Vultures“ klingen die Gitarren um einiges saftiger und auf einmal passen auch die verschiedenen Gesangsstile zusammen – großartig, wie Ryan immer wieder dazwischenschreit. Zwar geht der Refrain erst über Umwege und nicht ganz so schnell ins Ohr, dafür wirkt das Gesamtbild aber stimmiger als beim ersten Track. „Damned If You Do, Dead If You Don’t“ kommt erfreulich rasant daher, der Refrain eigent sich mit dezenten Gangshouts wunderbar zum Live-Mitgröhlen – oder auch in den heimischen Wänden, wenn man die Nachbarn unterhalten will – und es tun sich im Lauf des Stücks interessante Gitarrenspuren auf, auch wenn das Schlagzeug teilweise etwas voraus galoppiert.

Beim Rausschmeißer „Sixteen“ besteht dann wieder ein ähnliches Problem wie beim Opener – irgendwie wird man das Gefühl nicht los, dass die Jungs keine rechte Lust haben, ihre musikalischen Ergüsse unters Volk zu bringen. Was uns hier stattdessen erwartet ist ein etwas müder Alternative Rock-Song mit sehr amerikanisch klingenden Gitarren. Erinnert ein bisschen an Lostprophets, aber den Vergleich mit ihren etwas poppigeren Landsmännern mussten sich die Waliser sicherlich schon öfter anhören.

Fazit: Ein bisschen wirkt „The Young And Defenceless“ auf mich, als hätte sich die Band gezwungen gefühlt, vor dem nächsten Full Length-Album – das übrigens Anfang 2011 erscheinen soll – noch auf Teufel komm raus neues Material herauszuballern. Nur ein Song kann hundertprozentig überzeugen, der Rest geht zwar als „gut“ durch, viel mehr aber auch nicht. Zum Nebenbeihören sicherlich ganz okay und für Fans wahrscheinlich eine gute Investition; man kann allerdings nur hoffen, dass das nächste Album etwas motivierter ausfällt.

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