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Frequency Drift: Last

Schwer verdauliche Progreise mit Anspruch
keine Wertung
Genre: Progressive Rock
Spielzeit: 54:06
Release: 19.02.2016
Label: Gentle Art Of Music

„Not my cup of tea“ – warum auch immer die Promo bei mir gelandet ist; fast mag ich mich schon bei der Band entschuldigen, denn die sanfte, manchmal sogar nicht gerade lebensbejahende, gar schon schwermütige Musik der Bayreuther Frequency Drift ist so gar nicht mein Fall. Da sie aber nun mal hier ist, will ich versuchen, so open minded und fair wie nur geht mich durch die etwas mehr als 54 Minuten zu hangeln.

Zuerst einmal gilt es aber, sich mit der Band auseinanderzusetzten, wobei da schnell auffällt, dass die Süddeutschen nicht gerade mit einem stabilen Line-Up gesegnet sind und sich die Mitmusiker schnell die Klinke in die Hand geben. Die mir völlig unbekannte Truppe gründete sich demnach 2007 wegen eines Wettbewerbs rund um Multiinstrumentalist Andreas Hack und hat sich mit ihren bisher sieben Alben – „Last“ eingeschlossen – schon eine beachtliche Fangemeinde im Prog Rock erspielen können. Frequency Drift gehören dazu zu den Bands, bei deren Studioscheiben man sich eigentlich sogar Alben übergreifend einen Überblick verschaffen sollte, hängen doch viele Stücke und Lyrics im Gesamtkontext zusammen.

Der erste Eindruck lässt noch beim Opener „Traces“ auf eine schön schleppende Doom-Nummer schließen, doch spätestens mit Einsatz des Gesangs durch Melanie Mau steht die Zerbrechlichkeit mehr im Fokus – ein zartes Stimmchen, welches zu den noch relativ harten Gitarren aber nicht verloren vorkommt. Frequency Drift machen aber schon früh deutlich, dass sie ihrer eigenen Version folgen, flechten folkloristische Elemente mit ein, und während die Flöte ein sanft melancholisches Thema vorgibt, wird sie von der Akustikklampfe begleitet, nur um dann von zarten Pianotupfern abgelöst zu werden. Die Instrumentlisierung bleibt zurückhaltend und lebt von der Vielschichtigkeit der eingesetzten Instrumente, im Vordergrund aber ist immer wieder Melanie Mau, die hier in „Diary“ ein wenig mehr Zuversicht im Refrain ausstrahlt, in den Strophen aber durchaus ein weitaus düstereres Bild aufzuzeichnen vermag.

Wesentlich defensiver startet „Merry“, konkurrieren wieder zarte Piano-Anschläge mit sachten Trommeln, die Gitarren nehmen etwas an Heftigkeit zu, das Zusammenspiel strotzt mehr vor Kraft, doch immer dann, wenn man meint, jetzt kommt das große Crescendo, zeichnen Frequency Drift lieber wieder ein fragiles Bild.

Wie depressive Phasen mit folkloristischer Untermalung drängt sich dann „Shade“ auf das Tableau. Ein Hauch von Verzweiflung, dazu fast schon psychedelische Keyboads, bevor mit feistem Powerdrumming die Dunkelheit ein wenig weichen muss, nur um doch wieder dem filigranen Soundkonglomerat Platz machen zu müssen. Kurz vor Schluss wird man aber nicht in die Hoffnungslosigkeit entlassen, denn eine positive Grundstimmung fängt den/ die HörerIn auf. Bei „Treasured“ zeichnet sich eine kleine Trendwende ab. Natürlich verbinden Frequency Drift weiterhin minimalistische Ambientsounds mit zögerlichem Gesang, doch Melanie steht hier nicht ganz so im Mittelpunkt wie bei den anderen Songs. Und endlich braten dann doch auch mal die Gitarren etwas kräftiger, verlassen aber kaum die Rockschublade.

„Last Photo“ lädt einmal mehr auf einen balladesken Trip ein, das Schlagzeug ist weitestgehend dezent zurückhaltend, die Akzente werden dieses Mal vom Piano übernommen, bevor spacige Töne für surrealistische Kopfbilder sorgen, dann eine heftige Gitarre dazwischen grätscht und fast sirenenartig einen proggig metallischen Part einleitet. Am Ende darf sich dann die Leadgitarre mit einem langen sehnsuchts- und gefühlvollen Solo sogar noch in den Vordergrund spielen, wobei das Ende dann doch ein wenig überraschend kommt.

„Hidden“ ist auf das Notwendigste reduziert, Schwermut trifft auf einen Hauch von Hoffnung, folkloristische Elemente sowie teilweise tribalartiges Drmming setzen unaufdringliche Akzente, die immer auch mal wieder vom Keyboard übernommen werden – insgesamt aber sehr schmusig ohne Zuckerfaktor. Noch ruhiger lassen es die Bayreuther zunächst mit „Asleep“ angehen, bevor die Keyboards ein leichtes, psychedelisches Feeling einbringen, die Klampfe einen bedrohlichen Teppich drunterlegt, nur um erneut in die minimalistische Phase abzudriften, wo Melanies Gesang einzig und allein wie verloren die Stille durchbricht.

Wie schon eingangs erwähnt – „not my cup of tea“, dafür ist die Platte einfach zu ruhig und erinnert mich durchaus auch an experimentelle Scheiben der Marke „Nighttime Birds“ von The Gathering – der Vergleich wird wahrscheinlich ohnehin meilenweit hinken, aber egal. ArtrockerInnen, ProglieghaberInnen oder aber auch Fans von experimenteller Musik mit einem schwer verdaulichen bedrückenden, manchmal gar depressiven Charakter haben mit „Last“ ein Album vorliegen, welches ganz sicher erarbeitet werden will. Nichts mit Fast Food, sondern fein ziselierte Küche. Aus Respekt vor der Leistung hier ohne Punkte (Begründung siehe oben).

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