Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Frei.Wild: Hart Am Wind

Alle Nichten und Neffen können hier getrost zugreifen
Wertung: 8/10
Genre: Deutschrock
Spielzeit: 62:52
Release: 23.10.2009
Label: Rookies & Kings Records

Endlich mal ein Metal-Lebenszeichen aus dem schönen Südtirol. Außer Bergen und unendlichen Weiten hat diese Region noch mehr zu bieten: Frei.Wild. Hierbei handelt es sich nicht etwa um irgendwelche Viecher, die darum betteln, geschossen zu werden und auch nicht um passionierte Jäger, die sich mit ihren Opfern identifizieren - vielmehr vereinen die vier Jungs aus Brixen die Adjektive "freI" und "wild" in ihrem Bandnamen und beschreiben damit nicht nur ihre Heimat, sondern auch ihre Musik ziemlich gut.

Wem schon zu Beginn der Scheibe Parallelen zu einer äußerst umstrittenen und inzwischen aufgelösten Deutschrockband auffallen, sollte sich nicht schockieren lassen: Schließlich begann die musikalische Karriere von Philipp, Jonas, Zegga und Föhre unter anderem mit Coversongs der Böhsen Onkelz. Dass alle Vier große Fans der Band sind, wird sowohl in der Musik selbst, als auch bei der Auswahl ihrer Konzerte deutlich: So durften sie zum Beispiel einen Auftritt bei der Größten Onkelz-Nacht Deutschlands, kurz G.O.N.D., absolvieren. Erst 2001 von Gitarrist Jonas und Sänger Philipp ins Leben gerufen, bringt das Quartett inzwischen schon sein sechstes Studioalbum auf den Markt.

Genau wie die Onkelz mussten sich ihre "Neffen" in der Vergangenheit mit dem Vorwurf herumschlagen, eine rechtsradikale Gesinnung an den Tag zu legen und rechtes Gedankengut zu verbreiten. Auf ihrer aktuellen Scheibe "Hart Am Wind" wehren sie sich gegen diese Vorwürfe mit dem patriotischen Song "Südtirol", das fast schon etwas schlagermäßig daherkommt - natürlich mit harten Gitarren. Florian Silbereisen meets Die Toten Hosen, sozusagen.

Ähnlich wie bei dieser Liebeserklärung an ihre Heimat ist man sich bei Frei.Wild nicht immer hundertprozentig sicher, wie ernst sie ihre Texte tatsächlich meinen. Philipps Stimme besitzt einfach eine gesunde Portion Sarkasmus, die den Songs meist eine etwas humorige Note gibt. Schon der Openere "Arschtritt" kommt etwas zynisch daher und bietet neben coolen Gitarren auch einen Mitgröhlpart.

Dass Frei.Wild zwar musikalisch an die Onkelz angelehnt sind, aber textlich Welten zwischen den beiden Bands liegen, fällt im Verlauf der einzelnen Songs immer mal wieder auf. "Niemand" verfügt über einen genauso direkten und offenen Text wie der Rest der Platte, der zwar meilenweit entfernt ist von der teils doch etwas bizarr anmutenden Poesie der Onkelz, dafür aber umso bodenständiger und ehrlicher daherkommt. Ein großartiger Chorus, der mir eine Gänsehaut die Arme hoch und runter jagt, rundet den Song ab.

Lyrisch beziehen sich Frei.Wild auf ähnliche Themen wie viele andere deutsche Rockbands auch. In "Irgendwer Steht Dir Zur Seite" predigt Philipp, der größtenteils fürs Songwriting zuständig ist, Zusammenhalt, Freundschaft und Hilfsbereitschaft, während das rockige "Der Aufrechte Weg" Vergangenheitsbewältigung betreibt. Mit "Stück Für Stück" haben die Südtiroler sich sogar an einen eher ruhigen Song herangewagt, der ihnen ebenso gut gelingt wie die härteren Stücke.

Dass Fips´Gesang stellenweise etwas angestrengt wirkt, dürfte manche stören - ich finde es allerdings sehr cool und durchaus passend zu den meisten Songs. "Ich Helf Dir Auf", bei dem der Sänger klingt, als hätte er eine durchzechte Nacht hinter sich, ist ein wunderbares Beispiel dafür: Die dominanteren Gitarren geben dem Song eine besondere Note und der Sänger zeigt endlich, dass er auch absolut genial klingt, wenn er sich nicht wie "Onkel" Kevin Russell anhört.

Etwas klischeehaft driftet die Band bei dem Mitgröhl-Song "Unterwegs" ab, dafür präsentiert sich "Halt Deine Schnauze" umso stärker; zwar entpuppt sich der sehr direkte Song als typischer Deutschrock, bewahrt sich aber dennoch eine Prise Eigenständigkeit. Reichlich spät stellt sich die Band auf "Freiwild" selbst vor, bevor es mit der Pluralismus-Hymne schlechthin ("Schwarz Weiss") dem Ende entgegengeht.

An dieser Band scheiden sich mit ziemlicher Sicherheit die Geister. Die Pessimisten unter uns werden sie als Onkelz-Nachahmer titulieren, die nur auf der Welle der Deutschrockbands nach der Auflösung der Band mitreiten wollen. Ich hingegen finde, dass Frei.Wild ihren eigenen Stil entwickelt haben, der nicht zuletzt durch Philipps starkes Organ und die teilweise sehr speziellen Melodien geprägt wird. Die Südtiroler haben mit ihrem aktuellen Album ein starkes Stück Musik geschaffen, das sich sicher trotz aller Zweifler behaupten wird.

comments powered by Disqus