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Frei.Wild: Gegengift

Deutschrock aus Südtirol
Wertung: 9/10
Genre: Deutschrock
Spielzeit: 52:43
Release: 15.10.2010
Label: Rookies And Kings Records

Frei.Wild aus Südtirol sind wieder da. Die Jungs aus den Bergen veröffentlichten dieser Tage ihren mittlerweile siebten Longplayer mit dem Titel „Gegengift“ und schossen damit direkt an die Spitze der Charts – als hätten sie es beim Schreiben des Openers „Hoch Hinaus“ bereits geahnt. Frei.Wild stehen für kompromisslosen Deutschrock mit Texten, die bewegen und berühren. Mit dieser ehrlichen Art erreicht die Band mehr und mehr Leute, die hinter ihnen stehen, sie unterstützen und immer größer machen. Die letzte Band, die das in der Form schaffen konnte, waren die Böhsen Onkelz. Und natürlich werden die Jungs aus Südtirol oft mit den großen Onkelz verglichen, aber es könnte sicher Schlimmeres geben. Und eigentlich haben sie ja auch ihren ganz eigenen Stil.

Zurück zum Opener „Hoch Hinaus“: dieser knallt direkt ins Ohr. Eine schöne Einstiegsnummer mit einprägsamem Refrain und Gitarren, die zum Rocken animieren. Hier wird die treue Frei.Wild-Gemeinde direkt auf das neue Album eingeschworen und die Band nutzt den Song, um sich und ihren Erfolg zu erklären und sich bei den Fans für den unendlichen Support zu bedanken. „Unser Wille, Unser Weg“ schließt eigentlich direkt an und auch hier wird besungen, wie steinig der Weg zum Erfolg war und dass man diesen nie anders gehen würde. Dieser Song lässt wohl die größte Parallele zu den Onkelz aufkommen, denn auch sie haben gern besungen, dass sie trotz Neid und Missgunst ihren Weg gemacht haben. Es gilt also für Frei.Wild in Zukunft, entweder mit dem Onkelz-Vergleich zu leben oder in ihren Texten aus dieser vermeintlichen Opferrolle rauszufinden, denn ausverkaufte Konzerthallen und Chartplatzierungen zeigen nicht unbedingt, dass sie „nicht jedem schmecken“. Irgendwann stimmt nämlich die „Keiner liebt uns und wir sind trotzdem groß“-Floskel nicht mehr.

In „Altes Neues Leben“ geht es darum, sich zu trauen, sich zu verändern. Explizit um Freunde, die Gewalt als Ausweg sehen, obwohl sie es besser wissen müssten. Dieser Song ruft im positiven Sinne dazu auf, sich zu ändern und dass dies eben kein Zeichen von Schwäche ist, sondern von Stärke – allerdings ohne den Zeigefinger zu heben. Auch diese Nummer ist sehr rockig und mitreißend und regt den ein oder anderen hoffentlich zum Nachdenken an. Ähnlich wird auch „Auf Einen Neuanfang“ behandelt. Gewalt ist keine Lösung und man muss sich auch ohne Prügel miteinander auseinandersetzen können.

Bedächtiger geht es dann beim Titel „Die Zeit Vergeht“ zu – ein recht langsamer und melodiöser Song, in dem es aber auch darum geht, die Augen zu öffnen und sich zu ändern, wenn man sich selbst im Weg steht. Auch „Wahre Werte“ ist ein sehr bedächtiger Song, bei dem Sänger Philipp anfangs nur von einer Gitarre begleitet wird und der zu einem sehr melodiösen Refrain führt. In diesem Song geht es um Werte und Traditionen, die man erhalten muss, um eben Wurzeln zu haben und wachsen zu können.

Doch so langsam geht es bei den nächsten zwei Stücken nicht ab. Sowohl „Weil Du Mich Nur Verarscht hast“ als auch „Mehr Als Tausend Worte“ gehen gut nach vorn. Ersterer sogar mit einem leichten Ska-Touch. Hier geht es darum, dass man für Mist, den man baut, auch irgendwann bestraft wird. In diesem Titel hört man hier und da ein Augenzwinkern und die Nummer ist einfach ein herrlicher Partysong. Letzterer handelt zwar von einer verlorenen Liebe, aber ohne pathetisch zu sein, sondern eher hoffnungsvoll und der Sound rockt einfach. Sehr guter Song!

„Allein Nach Vorn“ ist dann eine klare Ansage an alle Zweifler und Feinde der Band. In den letzten Jahren mussten sie einiges an Lügen und Verunglimpfungen wegstecken. Aber das hat sie nur noch mehr gestärkt und auch bekannter gemacht. Hier gilt eigentlich dasselbe wie für „Unser Wille, Unser Weg“ – irgendwann müssten sie die Kurve kriegen und nicht mehr davon singen, dass ihnen nur Steine in den Weg gelegt werden, denn das ist nicht mehr so. Frei.Wild haben eine unglaubliche Fangemeinde hinter sich, die vieles möglich macht und die paar Feinde werden daran nichts mehr ändern.

Rockig geht’s weiter mit „Die Gedanken Sind Frei“, in dem es um so gut wie alles geht, was man sich wünscht: eine bessere Welt ohne Hunger und Krieg, ein Star zu sein, von vielen geliebt zu werden – was auch immer, alles ist möglich, wenn auch nur in den eigenen Gedanken.

Ein echter Gassenhauser ist „Zu hoch am Himmel“. Dieser Titel rockt so dermaßen, dass man kaum die Füße still halten kann. Auch hier geht es um gewalttätige Menschen, die aber irgendwann die Quittung für ihr rücksichtsloses Verhalten kriegen werden. Hohes Tempo, fesselnder Refrain, krasse Stimme – dieser Song schreit danach, die Massen bei einem Live-Auftritt zum Ausflippen zu bringen.

Weniger Gassenhauer, aber dafür textlich hervorragend ist „Schenk Uns Dummheit, kKin Niveau“. Der Titel verrät eigentlich schon, dass es hier um die Dummheit und Oberflächlichkeit der Gesellschaft geht. Musikalisch geht auch dieser Song gut zur Sache und unterstreicht damit die Wut.

„Die Hölle Schenkte Uns Das Licht“ beschreibt dann wieder den eher beschwerlichen Weg, den man gegangen ist und der dennoch der richtige war. Auch diesen Song macht ein deutlicher Refrain zu einer mitreißenden Nummer.

Der letzte Titel der Platte „Nicht Dein Tag“ ist eine Ballade, wie sie schöner kaum sein könnte. In diesem gefühlvollen Song geht es um den Kampf mit dem Tod, der am Ende verloren wird. Die ruhige Melodie wurde von Streichern geschaffen, dazu eine sehr melancholische Stimme und ein trauriger Text – Frei.Wild haben eben auch eine sehr bedächtige Seite, die sie in diesem Song zeigen.

Mit „Gegengift“ wurde die Musikwelt ganz sicher nicht revolutioniert, aber es ist ein fesselndes Album geworden und eine musikalische und textliche Weiterentwicklung der Band ist nicht zu überhören. Wer also auf guten Rock, tiefsinnige Texte und auch gute Unterhaltung steht, der kann bedenkenlos zugreifen.

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