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Fozzy: Chasing The Grail

Ein singender Schaukämpfer auf Gralssuche
Wertung: 8.5/10
Genre: Metal
Spielzeit: 64:54
Release: 16.04.2010
Label: Riot Entertainment/Soulfood

Singende Schauspieler haben wir schon jede Menge gesehen, gehört und über uns ergehen lassen. Die Biografie von Chris Jericho ruft daher auch erst einmal Misstrauen hervor, denn Sänger für Fozzy ist der Mann eigentlich nur nebenberuflich. Eigentlich ist Chris Jericho Wrestler.

Ja genau, Wrestling: Seifenoper meets Boxen. Zusätzlich dazu ist Jericho auch noch „normaler“ Schauspieler, TV-Moderator und Buchautor. Ein Hansdampf in allen Gassen sozusagen und ein bisschen Skepsis bezüglich der Qualität von „Chasing The Grail“ darf da schonmal aufkommen.

Die Entwarnung folgt zum Glück auf den Fuße: Schließlich sind Fozzy keine Anfänger, „Chasing The Grail“ ist bereits ihr viertes Album und Chris Jericho ist auch nicht das einzige prominente Gesicht, denn die Gitarre bedient Stuck Mojo-Kopf Rich Ward. Und so ist das, was die Band auf über einer Stunde Spielzeit vom Stapel lässt, absolut nicht von schlechten Eltern.

Dabei ist man musikalisch äußerst vielseitig unterwegs: Während der Opener „Under Blackened Skies“ mit derben Doublebass-Attacken und hochmelodischen Leadgitarren knallhart vorwärts prescht, fährt „New Day's Dawn“ elektronische Beats, Synthieflächen und Power-Metal-Chöre auf. „Martyr No More“ geht dann wieder als absolut klassischer Heavy Metal durch und „Wormwood“ zielt mit knapp 14 Minuten Länge und großzügigen Dynamikwechseln mehr als nur ein bisschen Richtung Rockoper. Stilgrenzen sieht man wohl zu Recht als eingrenzend an; folglich stehen klassische und moderne Metalklänge jeglicher Couleur gleichberechtigt nebeneinander. Ozzy Osborne, Metallica, Iron Maiden, Disturbed, Queen – hier stecken alle möglichen Künstler irgendwie drin und doch ist nichts so dominant, dass es herausstäche.

Chris Jerichos Job ist es nun, den Songs einen unverwechselbaren Stempel aufzudrücken, was er mit seinem kraftvollen Organ bravourös meistert. Egal, ob er hymnisch, gefühlvoll oder aufgekratzt zu Werke geht, stets verpasst er dem Soundbild den letzten Schliff und prägt den Charakter jedes Tracks entscheidend. Seine recht rockige Stimme gibt dem teils sehr metallischen Untergrund dabei auch noch die ein oder andere interessante Facette mit, weshalb ein Song wie „Broken Soul“ schon fast als Alternative Rock durchgeht. Im Grunde ist „Chasing The Grail“ aber ein klares Metalalbum, das sich stilistisch aber weder härteren noch sanfteren Klängen verschließt und sein besonderes Augenmerk auf große Melodien legt. Manchmal bekommt man diese geradezu aufs Auge gedrückt, wodurch es „Martyr No More“ bereits zur Einmarschmusik für Jerichos Wrestlingauftritte brachte. Manchmal aber wird man auch regelrecht überrascht, wenn heisere Shouts wie in „Revival“ urplötzlich in einen gefühlvollen Refrain münden. Und wenn Jericho für „Wormwood“ den Bruce Dickinson macht, um das biblische Ende der Welt zu verkünden, dann kann das nur als absolut gelungenes Ende einer vorbildlichen Metalplatte jenseits von Klischees und festgefahrenen Vorstellungen angesehen werden.

Den heiligen Gral haben Fozzy trotz intensiver Suche vermutlich nicht gefunden. Dass „Chasing The Grail“ trotzdem so gut geworden ist, wertet die Scheibe eigentlich nur nochmals auf.

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