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Fortuna Ehrenfeld: Hey Sexy

"Geschmackssache" wurde für dieses Album erfunden
Wertung: 5,5/10
Genre: Singer/Songwriter
Spielzeit: 41:34
Release: 18.08.2017
Label: Grand Hotel van Cleef

Diesen Text kann man nicht beginnen mit “Die Band Fortuna Ehrenfeld…”, den eigentlich handelt es sich hierbei nicht um eine klassische Band, sondern um den Einzelkämpfer-Singer/Songwriter Martin Bechler, der bereits im Sommer mit “Hey Sexy” das zweite Album herausbrachte – live wird sich da sicherlich Unterstützung geholt, für allen Studioblödsinn trägt Bechler aber ganz alleine die Verantwortung.

Jetzt lässt weder der Albumtitel noch der Name des Opener „Der Puff von Barcelona“ auf besonderen dichterischen Tiefgang schließen, dennoch wird der gute Mann von der Presse hochgelobt als einer der besten deutschen Texter derzeit. Davon muss man sich dann aber schon selbst überzeugen, denn gerade im Singer/Songwriter-Bereich (mit deutschen Texten, nur noch mal zur Verdeutlichung!) kann man sich niveaumäßig ganz schön in die Scheiße setzen.

„Erwachsenenpop“, dieses Wort fällt immer wieder in Zusammenhang mit Bechlers Ergüssen, so richtig passt das aber nicht, denn „Pop“ kommt schließlich von „populär“ und um ernsthaft populär zu werden, sind Fortuna Ehrenfeld einfach zu schräg unterwegs. Da muss man sich nur „Ey Ändi!“ anhören, das man gut und gerne als „Klangcollage“ bezeichnen könnte – perlige Electrosamples und gesprochene Passagen, auf einer Länge von immerhin über drei Minuten. Bemühen wir also stattdessen lieber mal das Prädikat „Indie“, damit kann man neben dem Singer/Songwriter-Stempel bei „Hey Sexy“ nicht allzu viel verkehrt machen und tritt hoffentlich auch niemanden auf die Füße.

Schwungvolles wie „Bengalo“ funktionieren da noch am besten, man erinnert sich irgendwie unweigerlich an früheste Joint-Venture-Songs; Herzschmerzmomente wie bei „Gegen die Vernunft“ bringen zwar Bechlers raue und warme Stimme um einiges gelungener zur Geltung, sind aber so gefühlsgeschwängert, dass das Anhören tatsächlich anstrengend wird. Es geht allerdings auch deutlich noisiger wie „Hundeherz“ beweist, bei dem leider der Text überwiegend zu wünschen übrig lässt – dafür sind die Gitarren ziemlich geil, da wird sogar ein bisschen Schmutz aus den Boxen gepustet .

Ausgerechnet das etwas krude „Penn‘ könn‘“ überzeugt dann musikalisch wie auch textlich – „Bisschen müde, aber nich‘ penn‘ könn‘/Bisschen aggro, aber nich‘ flenn‘ könn‘“, damit kann sich sicherlich jeder identifizieren; all die Schlaflosen da draußen dürften das Lied zu ihrer persönlichen Hymne erklärt haben.

Kaum ein Album dürfte mehr „Geschmackssache“ sein als „Hey Sexy“ von Fortuna Ehrenfeld. Selbst als Singer/Songwriter-Fan muss ich da mehrmals schlucken, bis die knapp 40 Minuten Laufzeit um sind. Tracks wie „Bengalo“ und vor allem „Penn‘ könn‘“ zeigen, was in Fortuna Ehrenfeld stecken kann – den Rest muss jeder für sich selbst bewerten.

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„Weil wir einfach wissen, dass wir als Band nur funktionieren, wenn wir uns nicht verbiegen“