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Forgotten Suns: Revelations

Handwerklich gut, aber beim Songwriting fehlt mitunter das gewisse Etwas
Wertung: 6.5/10
Genre: Progressive Metal
Spielzeit: 36:00
Release: 17.10.2010
Label: Pathfinder Records

Bei Metal aus Portugal kommt einem natürlich als erstes der Name Moonspell in den Sinn, auch wenn es aus dem Land auf der iberischen Halbinsel sicherlich noch eine ganze Reihe weiterer guter Combos gibt, die aber zumindest bislang nie so richtig den Durchbruch geschafft haben. Ein gutes Beispiel hierfür dürften auch die Proggies von Forgotten Suns sein, die – wie auch die großen Moonspell – aus der Hauptstadt Lissabon stammen, und trotz bereits drei veröffentlichter Full-length-Platten („Fiction Edge“ (2000), „Snooze“ (2004) und „Innergy“ (2009)) noch nicht richtig Fuß fassen konnten. Mit „Revelations“ wird nun eine weitere EP nachgeschoben, die mit 36 Minuten Spielzeit länger geworden ist als etliche vollwertige Alben so mancher Death-Metal-Formation.

Allerdings muss hinzugefügt werden, dass es sich hier nicht um ausschließlich neues Material handelt. So wurde der Opener „Doppelgänger“ (das Wort wird übrigens tatsächlich auch im Englischen verwendet, so ungewöhnlich ist der Titel daher nicht unbedingt) bereits im Rahmen der Veröffentlichung von „Innergy“ als Single herausgebracht. Er darf sich auf „Revelations“ nun jedoch eines neuen Mixes erfreuen und auch das finale, viertelstündige „Betrayed“ war wenigstens teilweise schon auf dem Debüt „Fiction Edge“ zu hören, doch nach zehn Jahren hat sich die Gruppe entschlossen, ihrer Anhängerschaft endlich die vollständige Version dieses Epos zu bieten. Das restliche Material wurde bereits live performt, hatte es aber bis dato nicht auf ein Studio-Release geschafft.

Die Mucke, die das Quintett darbietet, ist in erster Linie ziemlich deutlich von Dream Theater beeinflusst, das zeigen vor allem die Gitarren- und Keyboardsoli, die zum Großteil sowohl was den Stil, als auch den Sound angeht an John Petrucci beziehungsweise Jordan Rudess erinnern, was die Soli bei „Doppelgänger“ sogleich klar beweisen – Klampfer Ricardo Falcão und Tastendrücker Miguel Valadares (übrigens die beiden Gründungsmitglieder von Forgotten Suns) dürften den Soloeskapaden des Traumtheaters des Öfteren aufmerksam gelauscht haben. Ansonsten geht man aber doch weniger verfrickelt zu Werke als die New Yorker Progressive-Kings es zumindest auf ihren neueren Outputs tun – bei „Doppelgänger“ jedenfalls rifft man eher ziemlich straight und auch der Chorus setzt sich recht schnell im Gehörgang fest; dennoch ist der Song irgendwie etwas unspektakulär, zeigt zweifellos aber sofort auf, dass wir es hier mit einer Band zu tun haben, deren Mitglieder allesamt ihre Instrumente sehr gut beherrschen und wissen, was sie tun.  

Frontmann Nio Nunes sorgt außerdem dafür, dass nicht der Eindruck entsteht, man habe es hier mit einem Plagiat der New Yorker Progressive-Kings zu tun; zwar wirkt das Bemühen um einen rauen Gesangsstil im aggressiveren Eröffnungstrack etwas aufgesetzt (da ist James LaBrie bei den härteren Dream-Theater-Stücken wie beispielsweise „As I Am“ halt schon noch mal eine Klasse besser), doch singt er technisch prinzipiell einwandfrei. Beim folgenden, wesentlich ruhiger gehaltenem „Phenotype“, das mit flächigen, aber erfreulich unkitschigen Keyboardsounds aufwartet, kristallisiert sich dann auch heraus, dass Songs sanfterer Machart eher für sein Organ geschaffen sind, wenngleich der Track selbst ebenfalls etwas Standard-mäßig wirkt.

Und obwohl das Ganze bis hierhin etwas farblos herüberkommt, wäre es übertrieben, von einer Enttäuschung sprechen, zumal mit Track Numero drei, „Pinpoints“, ein wahres Highlight ausgepackt wird: Das Stück beginnt mit einer melancholischen Klaviermelodie, auf die alsbald die gesamte Band einsteigt, und macht vorherige Unzulänglichkeiten durch einen behutsamen Aufbau, wunderschön ausgearbeitete Gesangsharmonien im Refrain und markante, schmeichelnde Gitarrenmelodien wett.

Das Intro von „The Hill“ lässt dann stark an „A Change Of Seasons“ denken, aber hier kriegt man zum Glück schnell die Kurve und lässt etwas ab vom DT-Stil, während das epische, weitestgehend gelungene „Betrayed“ von der Atmosphäre her das ein oder andere Mal gerne in Richtung Riverside und Marillion entführt, insbesondere im ersten Teil des Stücks.

Zusammengefasst lässt sich „Revelations“ nicht ganz leicht bewerten. Die Produktion ist okay, das handwerkliche Niveau sowieso, allerdings scheinen Dream Theater trotz der erwähnten seltenen Ausflüge in Riverside- und Marillion-Gefilde doch äußerst präsent. Songschreiberisch überzeugt man nicht durchgängig: Der rifflastige Opener zum Beispiel will im Nachhinein nicht richtig in das Korsett der sonst sehr melodischen Stücke passen, des Weiteren zünden einige Passagen auch nach mehreren Durchläufen nicht so ganz und könnten mit ein bisschen mehr Durchschlagskraft vorgetragen werden. Die Scheibe hat an sich schon Hand und Fuß, doch mehr Eigenständigkeit und vor allem Effektivität im Bereich des Songwritings wären bei der nächsten Veröffentlichung wünschenswert.

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