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For Them All: Sometimes I Don't Feel Like Myself

It's okay not to be okay
Wertung: 8,5/10
Genre: Post-Rock, Alternative Rock
Spielzeit: 44:53
Release: 03.01.2020
Label: Midsummer Records

Grundsätzlich ist erst mal alles, was aus dem Hause Midsummer stammt, für die Schreiberin dieser Zeilen interessant. Labelchef Tim, selbst ein alter Hase im Musikbusiness, beweist bereits seit 2006 sein Goldhändchen für spannende Bands aus dem (Post-)Hardcore-, Rock- und Alternative-Bereich. Dass da nicht immer Glückstreffer dabei sein können, ist nur logisch – die meisten Bands bleiben aber über kurz oder lang im Gedächtnis.

Eine dieser mittlerweile nicht mehr zählbaren Bands ist das Dreiergespann For Them All, deren EP „Thoughts“ 2017 noch recht zaghafte sieben Zähler einbringen konnte. Damals konnte man die Jungs noch guten Gewissens (unter anderem) mit Pop-Punk betiteln, mittlerweile ist man aber erwachsener geworden und bewegt sich gottlob größtenteils in etwas schmutzigeren Gefilden. Mit „Sometimes I Don‘t Feel Like Myself“ liefern For Them All nicht nur den ersten starken Output des Jahres und mit „Nothing At All“ eine fast schon Grunge-lastige Single, die seit Veröffentlichung in sämtlichen Gerätschaften rotiert und zum Leidwesen aller Anwesenden auch unter der Dusche mitgegrölt wird, sondern auch einen Titel, der sicherlich breiten Anklang findet, schließlich hat mittlerweile nicht nur die jüngere Generation zeitweise mit Unsicherheiten zu kämpfen – entsprechend rufen die Jungs im Vinyl-Inlay auch auf, sich bei seelischen Problemen umgehend Hilfe zu suchen.

In eine ähnliche Kerbe wie das viel gehörte „Nothing At All“ schlägt dann auch das starke „Sorry“ mit seinen bratenden Gitarren, wobei gerade hier in den sanfteren Passagen deutlich wird, dass For Them All am besten klingen, wenn sie ordentlich aufs Gas treten. Den Spagat zwischen sanft und laut halten die Pfälzer hier aber erstaunlich gut.

Die B-Seite der wunderschönen giftgrün und schwarz gesprenkelten Vinyl startet dann mit „Trouble Breathing“ und überraschend experimentellen Gitarrenparts, übrigens beigesteuert von Blackmailer Kurt Ebelhäuser – über ihren Wiedererkennungswert müssen sich For Them All bei solchen Tracks absolut keine Sorgen mehr machen. Spannend ist auch die Grundstimmung, die „Sometimes I Don‘t Feel Like Myself“ verbreitet: irgendwie Coming-Of-Age, Aufbruchsstimmung, ein bisschen Crossover-Feeling der Anfangs-2000er, man fühlt sich doch wieder ein bisschen jünger, unantastbar und verletzlich zugleich. Adoleszenz auf Vinyl quasi, aber erstaunlicherweise ohne jeglichen Pathos, selbst bei den etwas ruhigeren Songs (die ohnehin spärlich gesät sind).

Eine wirkliche Überraschung ist dann das finale „Not The One“, das sich recht zögerlich durch die Boxen schlängelt, dann aber geradezu episch den Refrain ausbreitet und sich somit durchaus von den restlichen Songs der Scheibe abhebt.

„Sometimes I Don‘t Feel Like Myself“ lässt sich mit der Vorgänger-EP „Thoughts“ nicht ganz so einfach vergleichen. For Them All haben definitiv an musikalischer Masse zugelegt, sind gereift und haben diesen Prozess hörbar in ihre Songs einfließen lassen. Einen musikalischen Start ins neue Jahr(zehnt) kann man sich passender kaum vorstellen – Glückwunsch, Jungs!

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