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Flotsam & Jetsam: The Cold

Eine unglaublich vielschichtige Scheibe, die von den ruhigen Passagen bis hin zu den thrashigen Ausflügen durch und durch authentisch ist
Wertung: 10/10
Genre: Thrash Metal
Spielzeit: 52:03
Release: 18.02.2011
Label: Nuclear Blast

Die unendliche Geschichte – wie sehr passt sie auf die Thrasher Flotsam & Jetsam? Genialität und Wahnsinn, dazu aber auch Pleiten, Pech und Pannen, alles Begriffe, die auf diese sympathische Truppe seit der Gründung weit zurück in den Achtzigern zutreffen. Geniale und sehr unterschiedliche Alben wie „No Place For Disgrace“ oder „Cuatro“ treffen auf Durchschnittliches wie „When The Storm Comes Down“, und auch der Aderlass bei den Personalfluktuationen (man denke nur an die Frühphase mit Jason Newsted) hätten viele Bands schnell zerbrechen lassen.

Doch nicht mit diesem Arizona-Quintett, denn immer wieder beißen sie sich fest, nicht plump oder gewalttätig wie ein Pitbull, sondern mit herrlicher Konstanz eher filigran und hartnäckig wie ein einfacher Terrier. Und trotz der oben zitierten Kunstwerke haben es Flotsam & Jetsam niemals geschafft, aus der zweiten oder dritten Reihe hervorzupreschen und eiskalt zuzuschlagen, wenn es auch einmal um die Verteilung der Torte ging. Als Beleg mögen die beiden letzten Abstecher hier nach good old Dschörmänie herhalten – im August 2009 machten sich übersichtliche Trupps an Metalheads zu den Clubs auf, und ein halbes Jahr später feierten Hunderte diese Thrasher als heimlichen Headliner beim Metropole Ruhr Festival 2009.

Und auch beim neuen Album lief es wohl anders als geplant oder gewünscht. Zwar unterschrieb man Ende 2010 für Europa, Japan und Australien bei Nuclear Blast, dabei erschien die zehnte Studioscheibe „The Cold“ schon Mitte September 2010 in Übersee.

Doch der dahinter stehende Druck – zehntes Studioalbum bedeutet ja immerhin auch „Jubiläum“ – muss unendlich groß gewesen sein, allein schon die eigenen Ansprüche zu erfüllen, doch dieses meisterten Flotsam & Jetsam mal eben nebenbei und legen nun mit „The Cold“ ein wahres Meisterwerk vor – das sei hier schon erwähnt. Zehn perfekt ausgefeilte Tracks, zehnmal alles andere in den Schatten stellend, quasi mit einem gefrierendem Lächeln frech die eiskalte Schulter zeigend. Mit A.K. haben Flotsam & Jetsam aber nicht nur einen charismatischen, sondern auch einen stimmlich in Höchstleistung befindlichen Frontmann in den Reihen, der auch auf „The Cold“ einmal mehr alle Facetten hochklassigen Könnens darbietet und durch seine einzigartige Stimme dem Album seinen unverkennbaren Stempel aufdrückt. Das soll hier aber nicht die Leistung der Instrumentalfraktion schmälern, denn schließlich müssen solche Songs auch erst einmal geschrieben werden.

Kommen wir zu den Anspieltipps: Die Schwierigkeit besteht doch darin, einige herausragende Songs hervorzuheben – doch das geht hier nicht, weil das Niveau im Gesamtkontext nicht ein einziges Mal absinkt. Deshalb stehen die nächsten vier Songs exemplarisch für die komplette Scheibe.

Der Opener: Leichte Keys, schweres Durchatmen, und A.K. mit verfremdeter Stimme im Retro-Sound, und plötzlich wird die aufkeimende Melancholie durch ein fetziges Gitarrensolo unterbrochen, welches sich in einen typischen Flots-Thrasher fräst. Ein leicht progressiver Takt harmoniert mit äußerst harmonischen Gitarrensoli, die sich auch gleich hinter die Textpassagen legen und A.K. auf seiner Vokaltour begleiten, bevor dem Ganzen ein thrashiges Ende gesetzt wird.

Der Namensgeber: Mit einer eher düsteren Atmosphäre startet „The Cold“ bei gezupfter Gitarre, auch hier die Stimme leicht verfremdet, wobei die Schlagzeugtakes leicht an die Militärtaktgeber erinnern. Langsam gewinnt der Song an Fahrt, bleibt atmosphärisch dicht und bedrückend, mehr negativ denn lebensbejahend, doch der einfache Refrain wird mit dermaßen viel Power hinterlegt, dass er brutal die aufkommende Lethargie in Stücke fetzt und zurück in die Eiszeit verbannt. Man sollte hier allerdings nicht beinharten Thrash erwarten, denn davon haben sich Flotsam & Jetsam auch auf „The Cold“ weitestgehend verabschiedet – vielmehr spielen sie mit vielschichtigen Stimmungen zwischen gewaltig und melancholisch, und ein irres Gitarrensolo leitet einen letzen „The Cold“-Gruß ein – Wahnsinnstrack und ganz sicher auch live ein Dauer(b)renner.

Die eher balladeske Seite (und stimmt nicht so ganz): Bei „Better Off Dead“ schlagen Flotsam & Jetsam zuerst deutlich ruhigere Töne an. Die Gitarre klimpert sachte daher und liefert eine perfekte Basis für A.K.s Glanzleistung, der hier seine gesanglichen Qualitäten voll ausspielen kann und sich mit Geoff Tate um die Krone der besten Sänger streiten muss. Auch wenn das Balladeske den Song beherrscht, muss man nicht auf fette Gitarren verzichten, denn im Refrain zersägen die Gitarrenwände alles und jeden und brillieren mit ausgefeilten Solipassagen, wie sie wohl so nur von Flotsam & Jetsam geschrieben werden können – technisch vollkommen und in den Wahnsinn treibend, jederzeit songdienlich und trotzdem in einer eigenen Liga.

Der Thrasher: Brutal, gleich von der ersten Sekunde an, metzeln Flotsam & Jetsam mit „Blackened Eyes Staring“ alle Gedankenspiele weg, die meinen, dass sie nur noch im Midtempobereich angesiedelt seien, pure Thrashgewalt mündet in einen Powersong, der mit Gänsehautvocals in typischer A.K.-Manier auch die harten Gruppen der Bangergemeinschaft zufrieden stellen wird.

Fazit: Flotsam & Jetsam haben mit „The Cold“ genau das abgeliefert, was niemand erwartete – eine unglaublich vielschichtige Scheibe, die von den ruhigen Passagen wie in „Better Off Dead“ bis hin zu den thrashigen Ausflügen („Blackened Eyes Staring“) lebt und durch und durch authentisch ist. Da nützt auch keine Diskussion, ob man es diesen alten Recken noch zugetraut hätte, denn unter dem Strich steht hier ein modernes, jederzeit hochklassiges Album, welches Maßstabcharakter für die ganze Metalszene hat.

Und trotzdem eine kleine Unkerei: Flotsam & Jetsam werden auch mit „The Cold“ den Durchbruch nicht schaffen, denn die meisten Metalheads, egal welchen Geschlechts, sind viel zu verbohrt und haben diese Arizona-Thrasher nicht auf der Prioritätenliste. Vielleicht kann hier die gigantische Promomaschinerie von NB endlich etwas in Gang setzen, was Flotsam & Jetsam schon lange verdient haben.

Zehn Songs – zehn Punkte – und für die unglaublich ausgelöste Energie gibt es noch zwei obendrauf: „Here are the results of The-Pit.de votes: 12 Points.“

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