Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Flotsam And Jetsam: Doomsday for the Deceiver

Eine Sternstunde des Metals revisited
Wertung: 9.5/10
Genre: Speed Metal
Spielzeit: 144:42
Release: 03.11.2006
Label: Metal Blade

Anlässlich des „20th Anniversary“ haben Metal Blade das Kultalbum “Doomsday For The Deceiver” der Band Flotsam and Jetsam wieder veröffentlicht. Dies ist ein schönes Jahrestagsgeschenk an alle Speed Metal Fans, die wissen wollen, wer denn damals noch neben Metallica und Megadeth zur Elite der Metalmusik gehörte. Und seien wir mal ehrlich, ich will nicht wissen, wo Flotsam and Jetsam heute stünden, wenn Metallica nicht Jason Newsted aus der Band gekauft hätten. Egal erstmal, schade, dass zu der Gedenkfeier leider ein wenig zu sehr an den Kosten für die Promotion gespart wurde und es eigentlich, mangels Promos nur relativ wenige Reviews zu diesem Meilenstein gibt. Selbstverständlich wollen wir euch aber diese Jubiläumsausgabe nicht vorenthalten.

Metal Blade bringt das Album als Doppel-CD heraus. Auf der ersten CD befindet sich der original Mix des Albums plus die beiden Songs „Iron Tears“ und „I Live You Die“ vom „Iron Tears“ Demo der Band. Die zweite CD beinhaltet das Album in einer etwas druckvolleren Version, da es noch mal re-mixed und re-mastert wurde. Zusätzlich gibt es hier auch noch vier Tracks von der Scheibe „Metal Shock“ (1985). Um dem Ganzen noch die Krone aufzusetzen, legt man noch eine DVD dabei. Also insgesamt ein richtig dickes, fettes Package.

Die Besprechung der Urversion von „Doomsday For The Deceiver“ erspare ich euch, da ich die neuere Version bevorzuge, wobei sich aber die Urversion auch heute noch hören lassen kann. „Iron Tears“ von der Demo zeigt sehr schnell auf, warum die Band einen Plattendeal mit Metal Blade bekommen hat. Logisch, dass die Demoversion noch etwas rockiger und unausgegorener rüberkommt als die spätere Albumversion. Eric A.K. `s hohe Screams zu Beginn des Songs waren zwar schon eher extreme Kost, konnten aber selbst den Leuten, die sie hassten, dank der exzellenten Mucke im Endeffekt nicht die Stimmung verderben. Der Song haut einem kräftig vor den Schädel.

„I Live You Die“ hatte es seltsamerweise nicht auf das Debüt geschafft, sondern erst später auf das zweite Album namens „No Place For Disgrace“. Seltsam auch deshalb, weil dieser Track ja auf den berühmt-berüchtigten Metal Massacre Samplern vertreten war, welche von Metal Blade aufgelegt wurden. Ein echter Killer Song.

Aber lasst mich jetzt ohne Umschweife zu dem remasterten Meilenstein der Speed / Thrash Metal Bewegung kommen: „Doomsday For The Deceiver“! „Hammerhead“ lässt erstmal alle Instrumente erklingen und hat am Anfang des Tracks eigentlich all das, was die meisten anderen Bands am Schluss zelebrieren. Hammermäßig scharfe Gitarren treten dem Zuhörer mächtig in den Allerwertesten. Das Booklet der CD ist der originalen LP-Hülle nachempfunden und zeigt wie diese damals die Songtexte in einer falschen Reihenfolge. Die Texte bedienen sich natürlich einigen Klischees, aber das war damals mehr als üblich und irgendwie haben es Flotsam and Jetsam geschafft, es dennoch nicht lächerlich wirken zu lassen. Michael Gilgert und Edward Carlson`s Gitarren übertreffen noch heute die Gitarrenkunst vieler Bands. Geile Läufe und alles mit treibender Power ohne jegliche Kompromisse!

Dann kommt „Iron Tears“, welches, wie schon berichtet, in dieser Version deutlich ausgereifter rüberkommt und das Gaspedal mächtig gegen das Bodenblech tritt. Yeah, so muss eine Speed Metal-Band reinhauen. Kelly David-Smith vermöbelt sein Drumkit nach allen Regeln der Kunst. „Descreator“ schlägt in die gleiche Kerbe und zeigt besonders auch bei den Soli, was die Band drauf hatte. Man kann sich praktisch bei keinem der Songs das Headbangen verkneifen, solch eine Intensität geht auch heute noch von der Mucke der Fünf aus. Mit „Fade To Black“ kommt auch schon der nächste Hammer. Es ist wirklich eine Katastrophe gewesen, dass Jason Newsted (Bass) die Band nach dem Album verlassen hat und sich Metallica angeschlossen hat.

Dann kommt mit „Doomsday For The Deceiver“ ein absoluter Übersong. Langsame melodische, aber trotzdem kraftvolle Gitarren stimmen den Headbanger auf ein Monumentalwerk ein. Dieser fast 10-minütige Song gehört mit zu den besten, die je eine Speed Metal Kapelle auf Vinyl gebannt hat. Der Song beinhaltet einfach alles, was man sich wünscht. Die Flotsam and Jetsam typischen Gitarren (zumindest zu dieser Zeit), exzellente Bassparts und Eric`s Vocals. Ein Text, wie man ihn sich nicht besser von der Seele schreiben könnte. Ich würde ihn mal als Metal-orientierte Herr der Ringe Sage beschreiben. Der Teufel erringt durch Lügen und Betrug die Herschafft über die Erde, bis endlich „The Beast Of Metal“ aufersteht und unter lautem Power Metal den Kampf mit Satan aufnimmt. Wer in dem Kampf zwischen Flotzilla und dem Belzebub gewinnt, wird nicht verraten, aber das wisst ihr eh schon.

„Metalshock“ nimmt wieder etwas mehr Fahrt auf. Textlich ist es ähnlich wie der Titeltrack gehalten. Die Welt ist verseucht und der Metal bringt den geschundenen Lebewesen den Mut und die Kraft zurück. Ja, diese lyrische Ausdrucksweise kennt man sonst nur von Bands wie Manowar und co... Hier gelingt das Unternehmen aber deutlich besser und man findet es auch nach dem 173. Durchgang nicht lächerlich oder peinlich. Jason haut hier auch noch so was wie einen kleinen Solopart raus. Eine Schande ist es …. aber ich wiederhole mich.

„She Took An Axe“ ist zwar immer noch schneller als alles, was man als Midtempo bezeichnen dürfte, trotzdem gehört der Song eher zu den behäbigeren. Ein Hammer Song, welcher sich mit Lizzy Borden beschäftigt. „U.L.S.W.“ verläuft dagegen schon wieder komplett im Uptempo. Eine richtig gute Nummer, die aber eher den Bodensatz der Scheibe darstellt. Aber das Solo von Edward Carlsom ist schon genial.

Und dann kommt nach all diesen Texten, welche hauptsächlich aus der Feder von Jason Newsted stammen, ein sehr realitätsbezogener Song: „Der Fuhrer“! Hölle, Deutschland hat ja erst in den letzten Jahren gemerkt, dass man über Adolf Hitler sprechen oder sogar Filme machen darf. Bevor jetzt jemand meint, hier wäre rechtsradikales Liedgut vertreten (bei Jason Newsted???), nein dieses Lied bezieht eindeutig die gegnerische Stellung. Ein paar belegende Textstücke gefällig: „A demon with man`s face ….. hope he never lives again“. Irgendwie kam bei diesem Megasong eine gewisse Belustigung mit rüber, da der Chorus („Zeig Heil!! All Hail!! Zeig Heil!!) ja nun nicht wirklich der Grussruf war. Wer hat Jason denn da vom Sieg Heil erzählt? Geiler Song, welcher aber durch seinen Text noch grösser wurde.

Kommen wir nun zum 10. Song des „Doomsday For The Deceiver“ Albums: „Flotzilla“. Ja, jetzt werden die alten Metalrecken sagen, der war doch gar nicht auf meinem Vinyl drauf, den hab ich mir damals extra als Maxi gekauft. Stimmt, der passte nicht mehr drauf mit seinen mehr als sechs Minuten. Aber es handelt sich um ein geniales Instrumental, welches seinesgleichen sucht. Nicht stupide und langweilig, sondern wegen den diversen Melodien abwechslungsreich und perfekt inszeniert.

Als Bonus gibt`s nun die Songs vom Metal Shock. „Hammerhead“ wurde auch hier schon als Opener gewählt. Etwas rumpeliger, trotz des erstaunlich guten Sounds für ein Demo, präsentiert der Song auch hier mit seiner Intensität, was ein Jahr später endlich auf die geneigten Metalfans losbrechen sollte. „ The Evil Sheik“ ist ein eher durchschnittlicher Song und hat es somit auch nicht auf eine Platte geschafft. Dennoch ein interessantes Stück, um die Weiterentwicklung der Band nachzuvollziehen. „I Live You Die“ wurde auch auf diesem Demo serviert. Genialer toller Song, aber das hatte ich ja schon weiter oben verbreitet.

„The Beast Within“ stellt dann noch mal die Frage, warum er es nicht auf ein Album geschafft hat. Er ist zwar durch seine mehrstimmigen Vocals etwas aussergewöhnlich für Flotsam and Jetsam, hat aber dennoch genug Potenzial. Viele heutige Bands mit Plattenvertrag würden sich über diesen Song freuen, wenn es ihr eigener wäre, auch wenn man hier den Pfad des reinen Speed Metals etwas verlassen hat.

Zur Bonus DVD kann an eigentlich nur sagen, dass es sich hier um eine nicht allzu gute Bootleg-Qualität handelt. Das Interview erinnert mich sehr an einige Gespräche mit Amateurbands heutzutage. Die Band (zu dem Zeitpunkt ja auch noch Amateure) ist sichtlich schüchtern. Speziell bei Jason Newsted fällt es natürlich sehr auf, da man ihn ja aus seiner Zeit bei Metallica ganz anders in Erinnerung hat. Hervorzuheben sei der Promo Videoclip, den die Band von Hammerhead gedreht hat. Ja, auch der Spass kommt da nicht zu kurz. Aber auch Michael Gilbert`s extrem Headbanging sei hier kurz erwähnt.

Der „Live at the Bootleggers“- Mitschnitt ist auch zu empfehlen, zumindest für Fans der Band und Leute, die schon in den 80ern Clubgigs besucht haben. Für alle anderen dürften diese Bilder eher befremdlich sein. Nun gut, hier ist dann aber wirklich alles live. Kleinere Spielfehler, nicht immer perfekt getroffne Worte von Eric A.K. und zu guter Letzt noch der Sensenmann, dem ein Auge raus gefallen ist, mit dem er immer wieder spielt. Für die heutige Zeit eher was für „My Video“ und Konsorten, aber damals schon unter Berücksichtigung der Situation richtig gut! Zudem gibt es noch eine gute Photohistory mit Livepictures, privaten Kram, Konzertkarten und Konzertplakaten.

Fazit: Eine tolle Compilation, welche vielleicht etwas zu prall gefüllt ist. Hier wird aber einem Klassiker gehuldigt, der das mehr als nur verdient hat. Hier sollte nun wirklich jeder Speed Metal Fan zugreifen.

comments powered by Disqus

Waldbühne lädt bei freiem Eintritt ein

Von Erinnerungen, Rückblicken und Genuss

Wolken mit Gesichtern oder Jesus auf einem Pfannkuchen

Hinzu kommen Borknagar, Wolfheart und Hinayana

Neues Album und Tour im nächsten Jahr

Sieben Alpha-Hein-Mücks

Doomiges Live-Konzert in eine mögliche neue Normalität