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FJØRT: Couleur

FJØRT mischen auf
Wertung: 9/10
Genre: Post-Hardcore
Spielzeit: 42:27
Release: 17.11.2017
Label: Grand Hotel van Cleef

Die erste Band, die beim Hören der neuen FJØRT-Platte „Couleur“ spontan das Hirn beflutet, ist Todd Anderson, was hauptsächlich an den wütenden, deutschen Texten und dem aggressiven Gesang liegen wird; dabei haben FJØRT mittlerweile deutlich mehr Bekanntheit erlangt als die Kollegen. Schon im Vorfeld wurde die Veröffentlichung der neuen Scheibe auf sämtlichen Kanälen abgefeiert, die ersten Songs und Videos wurden von der Fangemeinde geradezu heiliggesprochen – an der Schreiberin dieser Zeilen ist die Truppe bisher als gehyptes Phänomen und damit als uninteressant vorbei gegangen.

Völlig zu Unrecht, wie man schnell beim Hören der neuen Songs herausfinden kann, denn schon zu Beginn von „Couleur“ baut sich eine ganz besondere Umbruchsstimmung auf, die aufwiegeln und zum Nachdenken nicht nur anregen, sondern geradezu zwingen will, die wütend und betroffen macht und einem die Gänsehaut die Arme hoch und runter treibt. Dabei teilen sich Bassist David und Gitarrist Chris die Gesangsparts, treiben den Hörer vor sich her, an die Wand, zwingen ihn zum Zuhören, rasten gemeinsam aus – dreht man die heimische Anlage ein bisschen mehr auf, kommen die beiden über einen wie ein Tsunami.

Sicherlich muss man bei all der Stimmgewalt auch mal auf die instrumentale Seite schauen – einer der stärksten Parts findet sich da sicherlich in „Raison“, das sich gegen rechtes Gedankengut, gegen Verfolgung und prinzipiell gegen Diskriminierung und Hass ausspricht, und mit wahnsinnig eindrucksvollem Geschrei und vor allem epischen Gitarrenpassagen aufwarten kann. Aber auch textlich – und trotz Geschrei erstaunlich verständlich – überzeugen FJØRT auf weiten Strecken: „Windschief“ ist so ein Beispiel, bei dem es sich durchaus lohnt auch mal auf Zeilen wie „Was dir fehlt, schneide ich aus mir heraus/Ich habe alle Zeit und kann alles sein, was du brauchst“ oder „Du holst das Beste aus mir raus/Du bewahrst es für mich auf“ zu lauschen.

Selbstverständlich darf man bei all dem Geschrei auch Schlagwerker Frank nicht vergessen, der quasi das Album überhaupt erst einläutet: Schon der Einstieg „Südwärts“ wird vom Drummer perfekt vorangetrieben, unruhig und rastlos starten die Herrschaften in ihr drittes Album, da hat man natürlich gleich einen Anspieltipp.

Und von denen gibt es reichlich auf „Couleur“. Selbst, wer sonst mit deutschen Texten und den entsprechend ausgerichteten Post-Hardcore-Bands nicht allzu viel anfangen kann, sollte die Aachener unbedingt mal auschecken. FJØRT mischen die Szene und vor allem die Gedanken ordentlich auf – allerdings ohne dabei mahnend den Zeigefinger zu heben oder bekehren zu wollen. Selbständiges Denken wird propagiert, wer sich dem gewachsen fühlt, sollte „Couleur“ in die persönliche Playlist aufnehmen.

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