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Five The Hierophant: Over Phlegethon

Ohne Worte, dafür mit Atmosphäre
Wertung: 9/10
Genre: Dark-Doom Metal
Spielzeit: 48:36
Release: 22.09.2017
Label: Dark Essence Records

 Five The Hierophant sind eine dreiköpfige Metalband aus Großbritannien und legen mit „Over Phlegethon“ ihr Debütalbum vor, soweit die harten und unbestreitbaren Fakten, über die lässt sich nur schwer diskutieren. Anders sieht es mit allem Übrigen zum Album aus. Denn was haben wir denn da eigentlich? Ist das Doom Metal? Oder doch eher Ambient-Zeug? Könnte auch Jazz sein, da ist schließlich ein Saxophon bei.

Um sich „Over Phlegethon“ beschreibend zu nähern, kann man zunächst zwei Eckpfeiler aufstellen: Es ist erstens harte und düstere Musik, welche Five The Hierophant spielen. Zweitens darf man keinesfalls Easy-Listening erwarten. Dem Hörer wird schon etwas abverlangt. Und hier treffen die beiden Eckpfeiler aufeinander, denn Härte und Düsternis erzeugen Five The Hierophant nicht durch aggressive Rasereien, brutale Riffs oder extreme Vocals, sondern durch die oft beklemmende Atmosphäre, die dieser langsam kriechende Hybrid aus Doom Metal, Jazz und auch Ambient-Anteilen erzeugt.

Tragendes Instrument hierbei ist das wiederholt zum Einsatz kommende Saxophon, das den gerade beschriebenen Soundmix gekonnt anreichert, die Beklemmung auf die Spitze treibt und für Gänsehaut sorgt. Dass ein Saxophon gut mit extremen Metal harmoniert, haben beispielsweise schon Carpathian Forest bewiesen und ist eigentlich kein Geheimnis mehr. Gesang, Gekreische oder Growls findet man auf „Over Phlegethon“ gar nicht, wenn dann doch einmal eine menschliche Stimme zum Einsatz kommt, ist es das Vortragen diverser Verse eher unbekannter Autoren. Oder hat man etwa schon einmal was von Schreiberlingen wie Baudelaires oder Goethe gehört? Diese gesprochenen Passagen sind aber meist dezent gehalten und treten hinter der Instrumentalisierung deutlich in den Hintergrund zurück.

Die einzelnen Lieder voneinander abzuheben oder abzugrenzen fällt recht schwer, da jedes Stück ein kleines Meisterwerk ist, obwohl alle denselben Stil haben. Mit kleinen Überraschungen kann jeder Song aufwarten. So zum Beispiel das „Zirkuszwischenstück“ in „Der Geist der stets verneint“. Wirkliche Anspieltipps herauszuheben ist daher eigentlich überflüssig, es eignet sich jedes Stück, um einen treffenden Einblick zu bekommen.

Auf Five The Hierophants Musik muss man sich schon einlassen.  Macht man dies, wird man jedoch mit einer äußerst atmosphärischen Klangkulisse belohnt, die so schnell mit nichts zu vergleichen ist und so mancher Black- oder Death-Metal-Veröffentlichung in punkto Härte und Dunkelheit noch etwas vormacht.

Ein Kritikpunkt zum eigentlich hervorragenden Album könnte sein, dass die Zahl der Albumdurchläufe aufgrund der Sperrigkeit und der erforderlichen Konzentration nicht allzu hoch ausfallen könnte. Man kann „Over Phlegthon“ eben nicht mal einfach so anhören, was aber eigentlich auch wieder für das Album spricht.

Fazit: Five The Hierophant zeigen klar auf, dass man nicht neue Geschwindkeitsrekorde knüppeln oder so extrem wie möglich ins Mikro brüllen muss, um harte Musik zu machen. Auf „Over Phlegethon“ wird interessante, kurzweilige Kost geboten, die es aber in sich hat. Daumen hoch.

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