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Fitzcarraldo: Lass sein was ist

Vielschichtiger Trip durch den Postrock-Dschungel
Wertung: 8.5/10
Genre: Postrock/Instrumental
Spielzeit: 47:18
Release: 20.03.2010
Label: Baxxbeatmusic

Ein Bandname wie Fitzcarraldo und ein Albumtitel wie „Lass sein was ist“ lassen bezüglich der musikalischen Ausrichtung einer Band ziemlich genau zwei Möglichkeiten zu: (pseudo)-intellektueller Studenten-Indie à la Tocotronic – oder Postrock. Das Quartett aus Aschaffenburg hat sich mit seinem 2007er-Debüt „Herbst“ ziemlich sattelfest in letzterem Genre positioniert und schickt sich nun an, seine musikalischen Visionen mit „Lass sein was ist“ auf die nächste Ebene zu hieven.

Dabei verlassen sich Jan, Ulrich, Heiko und Daniel fast vollständig auf ihre Instrumente; lediglich in vereinzelten gesprochenen Passagen und Samples sind menschliche Stimmen zu vernehmen. Der Rest ist Klangmalerei verschiedenster Couleur, die Fitzcarraldo zu dichten, atmosphärischen Wänden aufschichten, um das Kopfkino des Hörers zu befeuern.

Den Einstieg in „Treibjagd“ schafft die Band aber nicht mit der später vorherrschenden Rockband-Besetzung, sondern mit dissonanten Trompetenfanfaren, über denen eine rezitative Stimme die Puzzlegestalt des Lebens proklamiert. „Das ist das ganze Geheimnis“ lässt sie uns dann wissen – und läutet ein Gewitter aus breiten Shoegaze-Gitarren ein, das den explosiven Auftakt der „Jagd“ markiert. Im Verlauf des über zehn Minuten langen Tracks reißen Fitzcarraldo nun nicht nur immer wieder das Stimmungsruder herum; sie lassen auch ständig neue Elemente wie elektronische Beats und andere synthetische Klänge einfließen.

Im weiteren Verlauf der Platte pendelt das Klangbild stufenlos und facettenreich zwischen sanftem, fast schon einlullendem Geplänkel und brachial-dissonanter Härte hin und her. Stets bleibt unerwartet, ob Fitzcarraldo ihre Klangwelten zu einem sanften Ende führen, oder ob die Harmonie trügerisch und von kurzer Dauer ist. „Dämonen in uns“ plätschert zunächst ruhig vor sich hin, ehe ein kurzer Ausbruch in ein bedrohlich brodelndes Bassfundament mündet. Sprachsamples verstärken die finstere Atmosphäre, die ihren Höhepunkt schließlich in Verzerrung, Dissonanz und wirrem Feedback findet.

Mit „Nichts“ beschreitet die Band dann wieder ganz andere Pfade: passend zum Songtitel passiert hier verhältnismäßig wenig, vielmehr wird ein und dasselbe Riff wieder und wieder leicht variiert und kombiniert. Nur das Schlagzeug steigert sich unter dem gleichförmig-monotonen Tongewebe in stetig dichter werdendes Getrommel. Obwohl der Song aber nur zweieinhalb Minuten Länge vorzuweisen hat, ist er kaum als Intro zum knapp neunminütigen Nachfolger „Du bist die Hoffnung, ich der Abgrund“ zu betrachten. Bewusst reißt die perkussive Steigerung hier wieder ab und unterstreicht damit den Anspruch Fitzcarraldos, mit „Lass sein was ist“ eben nicht den Konzeptalbumcharakter von „Herbst“ fortzuführen, sondern mehr auf einzelne, für sich hörbare Einheiten zu bauen.

Fazit: Wie die Musik von Genrekollegen wie Mogwai oder Long Distance Calling wird der instrumentale Postrock von Fitzcarraldo wohl auch mit „Lass sein was ist“ ein Nischenprodukt für einen eher kleinen Hörerkreis bleiben. Zu speziell, zu aufmerksamkeitsintensiv und zu wenig zugänglich sind die vielschichtigen Lärm- und Klangcollagen des Vierers. Genrefreunde hingegen finden in diesem Album einen tiefgehenden und künstlerisch wertvollen Trip in nachdenkliche Musiksphären.

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