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Firewind: Firewind

Trotz der Line-Up-Wechsel eine richtig starke Scheibe
Wertung: 8,5/10
Genre: Power Metal
Spielzeit: 47:33
Release: 15.05.2020
Label: AFM Records

So richtig Konstanz kommt im Firewind’schen Line-Up nicht zustande. Daran, dass der beliebte langjährige Frontmann Apollo Papathanasio seinerzeit ausstieg, hatten die Fans ohnehin länger zu knabbern und dann verließ sein Nachfolger Henning Basse, der Mastermind Gus G. bei dessen Solokonzerten zuvor live bereits ausgeholfen hatte, die Band seinerseits schon wieder nach nur einem Album, auf dem er eine ansprechende Leistung gebracht hatte. Noch gravierender aber ist sicherlich der Ausstieg von Keyboarder und Rhythmusgitarrist Bob Katsionis zu bewerten, der 16 Jahre Firewind-Mitglied war und damit wahrscheinlich sogar so etwas wie die rechte Hand von Gus G. darstellte.

Davon jedoch ließ sich der Ex-Gitarrero von Ozzy Osbourne nicht unterkriegen; für den Gesangsposten konnte er den früheren Sinbreed-Frontmann Herbie Langhans gewinnen, die Keyboard-Position wurde hingegen bislang nicht neu besetzt. Somit ist es nicht verwunderlich, dass die Tasten auf dem neunten, schlicht nach der Band selbst benannten Album deutlicher in den Hintergrund gerückt sind und mehr zu atmosphärischen Zwecken verwendet werden – spektakuläre Soloduelle wie früher zwischen Gus und Bob im Blackmore/Lord-Stil sind logischerweise nicht vorhanden.  

Und doch hat die griechisch-spanisch-deutsche Formation mit „Firewind“ das möglicherweise stärkste Album ihrer Karriere abgeliefert. Herbie Langhans ist ein absoluter Volltreffer und passt hervorragend zu der Band; sein angerauter Gesangsstil hebt sich wohltuend von den meisten anderen Power-Metal-Shoutern, die irgendwo in der Stratosphäre trällern, ab, wobei eine der großen Stärken von Firewind schon immer war, dass sie Kitsch und Klischees stets clever aus dem Weg gegangen sind.

Stattdessen ist die Platte mal wieder mit reichlich Hits ausgestattet, die eine erstaunlich breite Palette abdecken und mit zum Teil süchtig machenden Hooklines bestückt sind. Der hymnische Opener „Welcome To The Empire“ ist lediglich das erste Ass, das die Truppe im Ärmel hat, das anschließende, deutlich schnellere „Devour“ beinhaltet großartigen mehrstimmigen Gesang sowie eine Gitarrenorgie vom Feinsten und der obergeile Midtempo-Kracher „Break Away“ kommt mit ordentlicher Judas Priest-Schlagseite daher und glänzt neben den unfassbaren Soli des Meisters mit hübschen kleinen Modulationen im Refrain.

„Perfect Stranger“ (bei dem es sich nicht etwa um ein Cover des berühmten Deep Purple-Songs handelt, bei dem allerdings ohnehin noch ein s hintendran hängt) ist hingegen deutlich direkter, bietet dafür aber ein kraftvolles, absolutes Killer-Riff, das auf der Stelle mitreißt, „All My Life“ wiederum wirkt stürmisch und dramatisch und lässt mit seinem kunstvoll eingebauten, kurzen Stratovarius-artigen Part dann doch für einen Moment an die früheren Soloduette und -duelle denken. Wer es lieber etwas Hard-Rock-lastiger mag, für den dürfte „Overdrive“ mit seinem lässigen Groove genau das richtige sein, die dezenten Synthies erinnern ein wenig an Magnum.

Beim abschließenden „Kill The Pain“ präsentiert sich das Quartett dann ziemlich hart, zum Teil sind hier gar thrashige Vibes zu verspüren, auch Herbie singt noch mindestens ein, zwei Schippen rauer. Das komplette Gegenteil bildet die obligatorische Ballade, in diesem Fall „Longing To Know You“, bei der der Sänger große Leidenschaft an den Tag legt und die mit ihrer wehmütigen Stimmung sowie den warmen Streichern wirklich Gänsehaut verleiht und nicht bloß als schnulziger Füller fungiert, sondern gar ein echtes Highlight markiert.

Studioalbum Nummer neun ist also sehr abwechslungsreich und beweist einmal mehr, dass Gus G. nicht nur ein sagenhafter Gitarrist, sondern ebenfalls ein toller Songwriter ist – wenngleich sich mit dem einfallslosen „Space Cowboy“ dann doch ein Stinker eingeschlichen hat. Angenehm auch wieder zu registrieren, dass der Grieche zwar erneut mit einer Klampfenarbeit zum Niederknien aufwartet und Läufe vom Stapel lässt, für die weniger talentierte Gitarristen töten würden, dabei jedoch stets den Fokus auf den Song selbst legt und nie selbstverliebt gniedelt – womit „Firewind“ eine Platte ist, die sowohl Gitarren-Nerds als auch Leute, die einfach Spaß an ein paar erstklassigen Metal-Hymnen haben wollen, anspricht. Bleibt nun zu hoffen, dass Herbie Langhans länger als nur für ein Album bleibt…

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