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Firewind: Few Against Many

Auf Gus G. und seine Jungs ist Verlass
Wertung: 8/10
Genre: Melodic Power Metal
Spielzeit: 45:06
Release: 18.05.2012
Label: Century Media

In schöner Regelmäßigkeit hauen Firewind seit 2002 ein Album nach dem anderen heraus und stets wurde man von freilich wenig innovativem, doch durch die starken songschreiberischen und Gitarren-technisch überirdischen Fähigkeiten von Gus G. in jedem Fall kompetentem Power Metal verwöhnt. Die Griechen waren immer eine Band, auf die man bauen konnte; wo andere Combos des Genres im Kitsch ersaufen oder zur Selbstparodie verkommen, besaßen die Riffs des Fünfers aus Thessaloniki immer den nötigen Arschtrittfaktor und selbst bei balladesken Ausflügen kriegte man es bislang weitestgehend gebacken, Klischeeklippen zu umschiffen.

„Few Against Many“ ist das nunmehr siebte Album der Hellas-Truppe und der Titel passt irgendwie recht gut zu dem momentan arg gebeutelten Volk aus dem Mittelmeerland. Inwiefern da Absicht hinter steckt, bleibt möglicherweise noch zu klären. Zunächst einmal fällt auf, dass die Jungs insgesamt anscheinend darauf bedacht sind, noch etwas mehr Gas zu geben und etwas härter als früher zu agieren. Vielleicht liegt es ja daran, dass inzwischen Gus G.s früherer Nightrage-Kumpel Johan Nunez hinter den Kesseln sitzt, man weiß es nicht genau.
 
„Wall Of Sound“ ist jedenfalls schon mal ein ziemlich speediger Opener mit sehr geschmeidigen Riffs Marke Gus G., während „Losing My Mind“ eher im Midtempo angesiedelt ist, aber ein ebenso eingängiges Mainriff innehat. Der Refrain ist zwar genau wie der Songtitel ein bisschen Standardware, fügt sich aber zumindest sehr schlüssig an die gelungene Strophe an. Klasse außerdem gemacht, wie das Tempo in der Solopassage, wo sich Gus und Tastendrücker Bob Katsionis wahnwitzige Gitarren- und Keyboardsoloduelle liefern, angezogen wird. So sieht nachvollziehbares und gutes Songwriting aus, Mister Osbourne! Ozzy sollte sich das vielleicht wirklich mal reinziehen, möglicherweise könnte er von seinem inzwischen auch schon drei Jahre in seiner Band spielenden Gitarristen etwas lernen, nach den halbgaren Outputs, die der Madman zuletzt unters Volk gemischt hat.

Mit dem Titelsong geht es wieder ziemlich flott zur Sache und auch „The Undying Fire“ wartet nach einem kurzen Akustikintro mit einem ordentlich schreddernden Riff auf, besitzt aber einen ziemlich melodischen Chorus. Ja, zwischen Power-mäßigen Mitsing-Refrains und flotten Riffs wechseln, das konnten die Kerle schon immer gut und das zieht sich auch bei „Few Against Many“ wie ein roter Faden durch die Scheibe, wenngleich eben wie erwähnt doch deutlicher auf Härte gesetzt wird. Halbballaden à la „Broken“ sucht man vergebens und auch der Keyboardanteil wurde klar heruntergeschraubt, sieht man von den üblichen Soli ab.

Eine Ausnahme gibt es dann allerdings doch zu verzeichnen und die ist sogar ziemlich frappant. Anscheinend erachteten die Griechen es dann doch für nötig – wohl um den Beweis zu liefern, wie abwechslungsreich sie sein können – den Härtegrad doch wenigstens einmal eklatant herunterzufahren. Gegen Balladen ist prinzipiell ja auch gar nichts einzuwenden, um einen Ruhepol, einen Gegensatz, eine Verschnaufpause einzulegen, aber „Edge Of A Dream“ ist nun wirklich eine totale Schnulze geworden und passt vor allem überhaupt nicht ins Gesamtbild der CD. Mit den Finnen von Apocalyptica hat man sich prominente Unterstützung für den Track ins Boot geholt und so einen schönen warmen Klang ein Cello grundsätzlich auch hat und sich somit bei softeren Klängen durchaus als probater Support eignen kann – hier wird das Endergebnis eher noch verwässert. Schade eigentlich, glücklicherweise aber bleibt dies der einzige Ausreißer nach unten.

Ansonsten nämlich ballern Firewind wirklich wieder einen Hit nach dem anderen raus: „Glorious“ (hymnisch), „No Heroes, No Sinners“ (episch), „Destiny“ (großartige Hooklines) und ganz besonders „Another Dimension“ (fettes Arschtreter-Riff und pompöser Refrain) besitzen allesamt mächtig Ohrwurm-Charakter, sodass man sich jetzt schon auf die Tour der Band im Herbst freuen darf – wenn da nicht kräftig mitgesungen wird, dann weiß ich auch nicht. Insgesamt war das Vorgängerwerk nach meiner bescheidenen Meinung zwar noch ein wenig stärker, zumal da auch Frontmann Apollo Papathanasio etwas kräftiger bei Stimme schien (dennoch ist seine Leistung auch auf „Few Against Many“ völlig okay und er hat unwiderruflich ein Organ mit hohem Wiedererkennungswert), aber nichtsdestotrotz ist auf Firewind einfach Verlass. Zumal Gus G.s Soli immer wieder faszinieren, Spaß machen und zu eifrigem Luftgitarrespielen auffordern – der Mann ist schlichtergreifend einer der derzeit besten Klampfer der Szene.

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