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Final Depravity: Nightmare 13

Gelungenes Debüt mit einigen Längen und massig Potential
Wertung: 7.5/10
Genre: Thrash Metal
Spielzeit: 72:08
Release: 15.10.2010
Label: Nihilistic Empire

Ärgerlich – da ist mit Mitte Oktober der Releasetermin dieser Final Depravity-CD angegeben, aber erst Anfang Januar trudelte die Promo-CD in den The-Pit.de-Redaktionsräumen ein – das Label wird schon wissen warum. Zumal die Band in der Konstellation, wie das Album eingespielt wurde, gar nicht mehr besteht. Im Spätsommer 2007 entstand mehr aus dem Zufall heraus diese Combo und Tom Angelripper könnte quasi als Urinspirator herhalten. Die blutjunge Truppe (alle Beteiligten sind um die 18 Jahre alt, der Schlagwerker war zum Zeitpunkt der Aufnahmen gar erst 16) aus Gelsenkirchen und Bochum hatte sich zum Ziel gesetzt, eines der härtesten und schnellsten Alben der Welt zu veröffentlichen. Zuvor hatten sie schon eine 3-Track-Promo im Jahre 2008 veröffentlicht, die zur Verwirrung den selben Titel wie das Album trägt, und zusätzlich landeten alle drei dort eingespielten Tracks auch auf dem hier vorliegenden Album.

Bevor hier aber das Machwerk selbst der Beschreibung unterliegt, sollten noch ein paar Worte zur aktuell personellen Umorientierung erlaubt sein. Als das Album eingespielt wurde, war Schumi noch für die Vocals verantwortlich – gleichzeitig übernahm er auch die zweite Gitarre neben Bandkopf Blaze. Hinter den Kesseln saß damals der oben erwähnte Luc, doch wie Schumi auch sind beide Teil der Geschichte in der Bandhistorie. Beim Turock Open Air 2010 übernahm Blaze neben der Leadgitarre den Gesang und hinter der Schießbude platzierte sich Tristan Maiwurm. Verstärkt durch den zweiten Gitarristen Oliver Hey steht aktuell also live eine andere Formation auf der Bühne - soviel zur Bandgeschichte.

Mit „Nightmare 13“ liegt also das Longplay-Debut vor und mit stattlichen mehr als 72 Minuten ist diese CD schon einmal recht üppig ausgefallen. Das eine Spur zu lang geratene Intro – etwas mehr als eine Minute – stimmt schon einmal passend zum Albumtitel mit Spieluhrdauerschleife und Krähengekrächze auf den Alptraumtripp ein. Doch bevor man in die nächtlichen Kissen sinkt, reißen einen die ersten fetten Gitarren aus den Klauen der Dämmerung und bugsieren den Hörer/ die Hörerin direkt in einen Ideenpool für Thrashriffs. Der Opener „As The Crow Flies“ zeigt dann von Anfang an, wo der Thrashhammer hängt, und mit irrwitzigem Tempo rasen Drums und Gitarre davon und dürften so locker sogar Hitchcocks Federvieh die Rolle des Aberglaubens abspenstig machen. Gerade die mordsmäßigen Gitarren sind der große Pluspunkt des Debuts und ziehen sich wie der berühmt berüchtigte rote Faden durch alle Tracks – immer sauber gespielt, mit einigen technischen Raffinessen, selten im groovigen Arrangement gebändigt, aber ständig mit flinken Fingern der Gitarristen kreativ durch das thrashige Soundgerüst wuselnd. Exemplarisch sei hier „Vortex“ hervorgehoben, ein Song, der von der Gitarrenarbeit manchmal auch ganz zart zumindest in den anfänglichen Sequenzen an Coroner erinnert, nur bei Weitem nicht so progressiv (und auch nicht nur wegen der Ähnlichkeit mit dem Albumtitel). Aber auch „The Larcenist“ – zunächst mit ruhigen Tönen beginnend, doch mehr und mehr spielen sich Final Depravity in einen Rausch, pure Drumkanonaden hämmern mit Vehemenz auf das Gehör und lediglich kurz vor Toresschluss trumpft keck der Bass auf, um aber schnell wieder von den drei Hauptkomponenten Vocals, Gitarre und Schlagzeug in die Schranken verwiesen zu werden.

Und da kommen wir auch schon zum Problem von „Nightmare 13“. Die jungen Burschen wollen einfach zu viel, zumindest drängt sich dieser Eindruck immer wieder auf. Kaum erfreut sich das Ohr an dem kraftvollen Leadgitarrenspiel in „Persecution“, da scheppern die Becken bis der Ständer glüht und dem Song die Struktur rauben. Die feingliedrige Aufbauarbeit wird schnell zermahlen und wenn es nicht die Becken sind, die viel zu weit in den Vordergrund gemischt wurden, dann wummert die Bassdrum ungestüm und liefert sich mit den anderen Instrumenten ein wirres Duell bis hin zu blastbeatartigen Raserei.

Dritter markanter Punkt auf „Nightmare 13“: Die Vocals von Schumi sind kein Thrash, vielleicht ansatzweise, aber mehr auch nicht. Vielmehr brüllt er sich die Seele aus dem Leib wie die Schreihälse diverser Core-Bands, was hier aber nicht heißen soll, dass die Vocals schlecht sind. Allein die beiden oben genannten Anspieltipps „As The Crow Flies“ sowie „Vortex“ haben soviel Potential inne, wie es viele Bands nie und nimmer erreichen werden, egal ob etabliert oder Underground. Doch auf Dauer ist im Gesang aber nur wenig Varianz zu finden und trübt so den Gesamthöreindruck. Deswegen haben Final Depravity damit zu kämpfen, dass dadurch das Album nicht am Ohr vorbeirauscht, auch wenn immer wieder kleine Auflockerungen eingebaut wurden. Die Motorsäge beim Titeltrack „Nightmare 13“ zum Beispiel oder aber auch die extrem gut groovenden Zwischenparts sowie der fast gesprochene Teil in „Relief Of Beliefs“  – davon hätte das Album einfach mehr vertragen können.

Besonderes Augenmerk soll hier noch kurz  auf den Track „Veil Of Secrecy“ geworfen werden, denn Mister Angelripper beteiligte sich mit einigen Zeilen Gesang. Dabei hört er sich eher wie eine Mischung aus Kreators Mille und Slayers Tom Araya an, bringt eine Spur Abwechslung herein, aber Final Depravity hätten es nicht nötig, bei der gezeigten Leistung mit dem Aufdruck „featuring Tom Angelripper“ auf dem gelungenen Coverartwork zu b-vitaminisieren.

Fazit: Das härteste und schnellste Album, wie angekündigt, ist es nicht geworden – und das ist auch gut so. Regelmäßig eingebaute Groove-Parts lockern „Nightmare 13“ immer wieder auf und können so die Spannung Aufrecht erhalten. Während die Gitarren sich im Thrash richtig zuhause fühlen, dürfte gerade der teilweise mehr im Core liegende Gesang gerade die Old-School-Fraktion abschrecken, doch wer eher modern ausgerichtet ist, sollte seine helle Freude an diesem Debut haben, denn selten kann ein Erstlingswerk mit dermaßen viel technischer Gereiftheit einen freudigen Ausblick auf die Zukunft aufweisen. Natürlich gilt es für Final Depravity in neuer Besetzung ihre Stärken wie die fulminanten Riffs auszubauen und dabei das Schlagzeug etwas zurückzufahren – diese Thrasher aus dem Ruhrpot muss man auf der Rechnung haben, denn sie werden ihren Weg auch ohne Vitamin B hinbekommen.

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