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Filia Irata: Von Wegen

Multi-kulti Altertum auf CD
Wertung: 7/10
Genre: Medieval
Spielzeit: 63:21
Release: 07.03.2008
Label: Curzweyhl

Mit leicht befremdenden Gefühlen schaue ich auf`s Cover der dritten Filia Irata CD „Von Wegen“. Nun ja, ob das so das Richtige ist, denke ich mir. Bei der Band handelt es sich laut Homepage um die einzige reinrassige Frauenband der Mittelalterszene. Aha, nun ja, da bin ich doch mal gespannt, zumal ja Conni Fuchs damals mit Michael In Extremo gegründet haben soll. Auf Grund einer Babypause verließ sie In Extremo. Wenn das mal keine Referenz ist.

Nun gut, kommen wir zur Musik der Frauenband. Richtig schön mittelalterlich beginnt „Der Troll“ mit Dudelsäcken und Trommeln. Schöne Melodie, die da von Giraut de Bornelh im 12. Jahrhundert kreiert wurde. Ich bin mir auch sicher, einzelne Fragmente bei einigen der aktuellen Zeitgenossen der Musikszene immer mal wieder etwas genauer kopiert zu hören. Hier gibt es das Ganze aber ein wenig originalgetreuer, denke ich zumindest. Der gute Klang der Produktion sorgt für den ungetrübten Ohrenschmaus.

„Sadila Jana“ ist eine mazedonische Melodie, welche mein Herz recht schnell gefangen nimmt und sich auch tief ins Gedächtnis einbrennt, ganz so wie die Folterinstrumente des Mittelalters, nur eben im positiven Sinne. Leichtes Fernweh beschleicht mich. Das Ganze wird mit Dudelsack, Trommeln und Flöten derart gekonnt rübergebracht, dass es ein wahre Freude ist. Irgendwie geraten diese Melodien immer ein wenig fröhlich. Richtig gelungen ist auch, dass die Band neben den Texten auch die deutsche Übersetzung ins Booklet gesetzt hat. Damit weiß auch ein Kretin wie ich, worum es geht, auch wenn die Texte nicht sehr gehaltvoll sind.

Dann geht`s ab nach Bulgarien: „Dilmano Dilbero“. Ein Sangesstück, welches nur durch rhythmisches Trommeln unterstützt wird. Gut gemacht, trifft meinen Geschmack allerdings nicht so sehr.

Ganz anders ist bei „Kylä Vuotti“. Ein tolles Stück russischer Kultur. Es handelt sich hierbei um den Einstieg eines Hochzeitsrituales. Absolut süß und unglaublich ergreifend, wie man das hier umgesetzt hat. Gerade auch wegen der anfänglichen Klein-Jungenstimme von Conni`s Filius Philipp Aaron. Klar, das ist nichts für den Metaller oder Rocker, aber hier wird unheimlich viel Tradition, Kultur und Mittelaltergefühl versprüht.

„Ira I“ und „Ira II“ versprühen dann wieder mehr traditionellen Mittelaltercharme. Instrumentale Seelenstreicher mit aufmunterndem Charakter, würde ich das mal relativ frei bezeichnen. Gut, klar, man sollte Dudelsäcke mögen, aber dann wird man auch schnell gefangen. Irgendwie eignet sich der Song auch durch seine Rhythmik zum Headbangen, auch wenn das schon ein wenig strange ist.

Die beiden Teile von „Rosa Das Rosas“ fallen da ein wenig ab. Zwar ein recht gefälliger Song, aber nach den bisher schon unbestrittenen Highlights doch eher mit etwas gedämpfterer Stimmung, auch wenn der zweite Teil durch seine rein instrumentale härtere Auslegung schon wieder eifrig Pluspunkte einheimsen kann.

Das traditionelle Roma Lied „Sao Roma“ will mir nicht so recht munden. Ist halt einfach nicht meine Geschmacksrichtung. Trotzdem sehr gut umgesetzt, wie ich finde.

Dann geht`s wieder ab nach Bulgarien und ein reines Instrumental wird zelebriert. Und wiederum zeigt sich, dass ich mit dem bulgarischen Sinn für Melodien eher weniger anfangen kann.

Dann geht’s wieder in die Zeitmaschine und das 13. Jahrhundert gerät zur Gegenwart. Walther von der Vogelweide wird hier musikalisch interpretiert. Dazu hat Conni einen fast schon philosophischen Text ausgearbeitet, der massenweise Möglichkeiten für Interpretationen bietet, auch wenn er sich vordergründig nur um den bösen Vogelfänger dreht. Ein sehr schönes Stück Sozialkritik, wie ich es interpretieren würde. Allein schon wegen des Textes ein weiteres Highlight des Albums. Der erste Teil gibt damit dem Album auch einen deutlich düsteren Farbpunkt auf der ansonsten sehr farbenfrohen Ausrichtung.

Der zweite Teil von „Der Vogelfänger“ ist dann aber in Anbetracht des ersten Teils zu fröhlich ausgefallen. Ich sehe auch keine direkte Verbindung des Instrumentales zu dem ersten Teil. Da passt dann schon eher das nun folgende Stück „Heiducke“ dazu. Im etwas forcierten Tempo jagt man durch die Melodien.

Das der Titel „Der Hengst“ recht zweideutig ist, wird schon mit den ersten Strophen klar. Ob man nun am Tresen, am Galgen oder am Bier oder vielleicht nur in den Seilen hängt, alles wird zum Thema, bevor die erste zweideutige Interpretation aufgenommen wird und es sich charmant in die unteren Körperregionen durcharbeitet, bevor die Band feststellen muss, dass er nur durchhängt. Lustiges Wortspielchen mit eindeutigem Augenzwinkern.

Danach geht’s zum Baden, es wird die Sage von der Toten aus dem Rhein besungen. Eigentlich ganz gut, wobei die „Ahouu“ Passagen doch eher nervig geraten sind. Auch der letzte Song „Gaddaratsch“ kann mich dann nicht mehr überzeugen, er wirkt eigentlich eher wie ein Lückenfüller. Ach ja, da hab ich`s wieder, das Booklet verrät den Ursprung: Bulgarien. Nichts gegen das Land und dessen Bevölkerung, aber die Musik ist nicht wirklich meins.

Als Bonus gibt es dann noch nach gut 30-sekündiger Pause ein Wortspiel alà „Fischer`s Fritze“: „Der Dicke Diener“ nach dem dritten vierten Durchlauf verliert das Wortspiel allerdings schon seinen Reiz. Aber da es sich ja nur um einen Bonus handelt, ist das eher nicht weiter beachtenswert.

Fazit: Teilweise richtig stark, was Alexandra Prinz, Gala Hummel, Silvia Wende und Conni Fuchs hier abgeliefert haben. Ein kunterbunter, kultureller Strauß an unterschiedlichsten Melodien, die anscheinend mit sehr viel Herzblut zusammengetragen wurden. Wenn da nicht die bulgarischen Songs wären und man die CD noch um zwei drei Songs gekürzt hätte, dann hätte einer sehr hohen Wertung nichts entgegengestanden. Trotzdem ein MUSS für alle Mittelalter und Traditionelle Musik Fans.

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