Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Fidget: Dixon EP

Ehrliche, ungeschminkte und wahre Musik
Wertung: 8/10
Genre: Alternative Rock
Spielzeit: 22:41
Release: 18.02.2002
Label: supermusic

Fidget, das bedeutet nervöse Unruhe. Von Nervosität ist auf ihrer ersten Platte allerdings nichts zu hören. Die fünf Düsseldorfer sind noch relativ neu im Geschäft: 99 gegründet, spielten sie in diesem Jahr mehrere Gigs, die Fangemeinde wuchs, sodass sie ein Jahr später nach dem Auftritt beim Bizarre-Festival ihren ersten Vertrag bei Supermusic unterschreiben konnten. Die Früchte ihrer Arbeit lagen uns erstmals in Form der Dixon EP vor. Und die klingt vielversprechend.

Der erste Track “Mindless Morning” beginnt mit einem Gitarrensolo, nur begleitet vom stetigen Schlagzeug, dann setzt Darlines fordernde Stimme ein. Sie singt von ganz normalen Dingen, von Selbstfindung, Alkohol und Depressionen. Im Refrain ergreift Tom das Wort; die beiden Zeilen “Boy seize your day, flush it away until mindless morning. Boy chase your prey while you may until mindless morning” bleiben sofort im Ohr. Man könnte fast sagen, sie sind es, die dem Song Struktur geben, denn Darlines Texte sind verworrene Gedankengänge, die sie mal bedrohlich flüsternd, mal klar oder aggressiv singt oder schreit. Fidget machen keine schöne Musik - sie machen dreckigen, vielleicht auch nachdenklichen Crossover.

Plaque, der nächste Track handelt genau davon. Es geht darum, zu sich selbst zu stehen - “and when your charakter’s raw, why don’t you let show?”, wir sind mehr als nur ein Teil der Masse. Fidget erzählen von der Freiheit, man selbst zu sein, sich gegen das System aufzulehnen, “it’s all about freedom but I can’t be me”. Auffällig ist auch in diesem Track, wie vieler unterschiedlicher musikalischer Stilmittel Fidget sich bedienen: Darline spricht, rappt ihre Texte fast schon aggressiv, die Gitarren sind eher metallastig, dann kommt der Bruch, indem sie trotz ihrer ausdrucksstarken Stimme verzweifelt singt, was aber nicht lange vorhält. Die letzte Zeile schreit sie in gewohnter Manier, als habe sie plötzlich selbst verstanden, was sie da singt.

Summer Decay ist die “Ballade” der EP. Sie beginnt langsam, Tom singt über eine beendete Beziehung, Darline übernimmt die weibliche Rolle. Er wollte sie nicht verletzen, sie nicht weiter belästigen, redet sich ein, dass ihnen nun beiden besser ginge. Die Verzweiflung ist zu hören. Auch für sie ist der Sommer - ihre Liebe - beendet, sie wendet sich trotz der Tränen ab und versucht sich einzureden, sie würde ihn hassen.

Der Bruch kommt spät, aber er kommt: Während Darline auf einmal all ihre angestauten Emotionen freien Lauf lässt, schreit Tom bei jedem ihrer Sätze gequält auf. Er kann sie nicht vergessen, sie ist wie ein Tumor in seinem Kopf, der ihn langsam aber sicher zerstört. Das Lied endet wieder mit dem verzweifelten Refrain, indem Mike Berndt von Cho-Jin mitsingt. Eine Ballade, definitiv, nur keine gewöhnliche.

„Oreo“ hingegen hört sich anfangs fast wie Reggae an, wechselt dann aber zurück und während Darline über arrogante Männer und ihren Egoismus singt, gibt Tom dem Track mit seiner klaren Stimme im Refrain einen unverkennbaren Stempel. Auch als Songschreiber der Band tätig, spielt er wieder unverkennbar mit Bildern, die unbewusst genau die Gefühle assoziieren, die die einzelnen Lieder ausmachen.

Fast unmerklich geht “Oreo” in “Fret Fist” über, das das Thema Videospiele behandelt. Darline fragt zu Recht: ”Suckers make their money out of violent can you dig that?”, die Gefahr, irgendwann den Sinn für die Realität zu verlieren oder durch die Gewalt abgestumpft zu werden, liegt nahe. Featured wird auch dieses Lied: RalleJay von den Tourette’s ist es, der die gerappte Bridge am Ende singt.

Das letzte Lied “Make You Cry” ist wieder ein Liebeslied und wieder ein verzweifeltes, perspektivloses. Der Protagonist wünscht sich nicht anderes, als die Person, die ihn belogen hat, die dafür verantwortlich ist, dass er sich nun gefangen fühlt, weinen zu sehen. Denn obwohl er sie ausgenutzt hat - vergessen kann er sie nicht. “The blood that streams that fall down my face... and it just... tears away”. Er will sie vergessen, verlachen und verletzen.

Und das ist es wohl, was Fidget ausmachen: Sie sprechen nicht über schöne Dinge. Sie singen keine positiven, motivierenden Lieder. Und sie machen keine nette Musik. Über Fidget muss man nachdenken. Aber eines kann man sicherlich sagen: Fidget machen ehrliche, ungeschminkte und wahre Musik.

comments powered by Disqus

Familiäre und friedliche Metalparty am Kanal, Take 17

Fantastischer Abend, der viel zu schnell zu Ende ging