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Fiddlehead: Between The Richness

Das zweite Album, das es eigentlich nicht geben sollte
Wertung: 8/10
Genre: Emo, Post-Hardcore, Post-Punk, Alternative Rock
Spielzeit: 25:15
Release: 21.05.2021
Label: Run For Cover Records

Fiddlehead sind eigentlich aus einer Depression heraus entstanden. 2014 fühlte Sänger Patrick Flynn sich nach eigenen Angaben in einem „lächerlich deprimierenden Teil seines Lebens“ gefangen, gründete eine Band, ging auf Tour, veröffentlichte ein ungeplantes Album und steht nun sieben Jahre später mit dem aktuellen Output „Between The Richness“ mal wieder mit einer Platte da, die gar nicht vorgesehen war, sich aber ebenfalls wieder deutlich der Musiktherapie verschreibt. Verstarb vor zehn Jahren sein Vater, so hat sich das Blatt jetzt gewendet – zwei Wochen vor Beginn an den Arbeiten zum neuen Album wurde Flynn Papa und hat sich natürlich mit deutlich anderen Thematiken zu beschäftigen als nur Trauer; trotzdem benannte er seinen Sohn nach seinem Vater.

Da kriegt man die Gänsehaut schon, bevor man auch nur einen Song gehört hat; beim eine Minute und zwölf Sekunden langen Opener „Grief Motif“ wird das Gefühl der Trauer dann aber doch noch mal aufgegriffen und nahtlos in „The Years“ fortgeführt, weshalb beide starke Tracks auf der Liste der Anspieltipps landen mussten, trotz der Kürze des Openers.

Den Gesang des Fronters muss man erst mal mögen, ist er doch im klassischen Emo verwurzelt und kommt zu großen Teilen eher gerufen denn gesungen aus den Boxen, mit der Zeit entsteht aber ein Fluss, in den man sich ganz gut fallen lassen kann. Songs wie „Eternal You“ erinnern dann im Refrain mit seinem mitreißenden Tempo auch ein bisschen an Kollegen wie Rise Against, etwas schade nur, dass durch den Spoken-Word-Part ziemlich überraschend auf die Bremse getreten wird.

Als richtiges Highlight entpuppt sich dann das noisige „Down University“ mit seinen überschwänglichen Drums und einem Kids-Chor, der noch mal eine Schippe auf die Dynamik drauf legt – ein bärenstarker Song, von dem Fiddlehead gerne noch ein paar mehr im Gepäck hätten haben dürfen. Dabei gibt es auf „Between The Richness“ zwar keine Lückenfüller, aber gerade ein Stück wie „Loverman“ hätte noch deutlich mehr Biss vertragen können.

Richtiggehend düster schleicht sich dann „Life Notice“ an, beklemmende Gitarren geben dem weiblichen Spoken-Word-Part eine etwas unheimliche Note, das folgende Hardcore-Geschrei tut sein Übriges, um den Song aus dem Rest der Tracklist herausstechen zu lassen. Hier haben Fiddlehead ordentlich Feuer unterm Arsch und machen keine Gefangenen.

„Heart To Heart“ schlägt dann nochmals eine andere Richtung ein und soll laut Patrick Flynn als Brief an seinen frischgeborenen Sohn fungieren – ein recht klassischer Emo-Track mit grungig angehauchten Gitarrenspuren und Gesang, der eher am Post-Punk der Achtziger Jahre angelehnt ist, was ihn somit fast schon tanzflächentauglich macht; bis das Geschrei einsetzt. So vereinen Fiddlehead im Finale eigentlich erneut alles, was ihren Sound ausmacht. Ein besseres Geschenk hätte Flynn seinem Kleinen kaum machen können.

„Between The Richness“ pendelt zwischen Trauer und Glück, zwischen Euphorie und Depression, und genau das passt nach einer entsprechenden Eingewöhnungsphase, die auch schon mal drei oder vier Durchläufe dauern darf, genau richtig zusammen. Das Album ist zwar keine Scheibe, die jetzt täglich zu Hause rotieren wird, aber der Name Fiddlehead wird sich definitiv im Hirnareal, das die gute Musik speichert, festsetzen.

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