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Fiction Plane: Sparks

Leider kommt die Band erst bei der zweiten Hälfte aus dem Quark
Wertung: 6/10
Genre: Indierock, Pop
Spielzeit: 45:18
Release: 01.10.2010
Label: Roadrunner Records

Roadrunner Records scheinen zurzeit mehr Bedarf an Rockern und weniger an Metallern zu haben, verpflichten sie doch mit Fiction Plane schon die zweite Indie-Rockband nach Royal Republik innerhalb weniger Monate. Setzen die Schweden hauptsächlich auf Spaß und partytaugliche Songs, so haben die drei Briten durchaus melancholischere Nummern im Gepäck. Mit ihrem mittlerweise dritten Studioalbum „Sparks“ wollen sie hierzulande endlich durchstarten, sind sie doch in ihrer Heimat und in Frankreich längst erfolgreich und können das Rockstar-Leben vermutlich in vollen Zügen ausleben.

Bassist und Sänger Joe Sumner, Gitarrist Seton Daunt und Drummer Pete Wilhoit warfen bereits 2003 mit „Everything Will Never Be OK“ ihre erste Full Length unters Volk – sieben Jahre, eine Live-Platte, eine Studioscheibe und eine EP später sind die Jungs scheinbar da angekommen, wo sie hinwollten – bei größtenteils relativ leicht verdaulichem Rock mit Indiekante, der keinem wehtut und besonders gut bei BWL-Studenten ankommen dürfte. Nicht, dass man falsch verstanden wird: Fiction Plane sind nicht unbedingt langweilig, aber der Funke springt nicht so recht über, auch wenn Mando Diao-mäßige Versatzstücke in Form von Gitarrenriffs zum Einsatz kommen.

Bereits beim Opener „You Know You’re Good“ ist nicht ganz klar, ob die Band uns nun veräppeln will oder nicht – ein „lalala“-Intro kann sicher niemanden mehr vom Stuhl reißen, tanzbar ist der Song aber zumindest und dürfte live wenigstens für ein wenig Bewegung sorgen. Dass „Push Me Around“ als erste Single ausgwählt wurde, wundert beim Hören sicher niemanden, hat das Stück doch ein irgendwie sommerliches Feeling – bei den momentanen Wetterverhältnissen grenzt das zwar beinah an Häme, aber was soll’s – und einen unbestreitbaren Ohrwurmcharakter; die ersten Refrains singt man noch beschwingt mit, aber nach dem fünften Hören wird das Ganze, gelinge gesagt, nervig.

„Revenge“ plätschert lustig an einem vorbei, allerdings hat es einen gewissen Wiedererkennungswert, weil man diesen verdammt einprägsamen Refrain nie wieder loswird. Bei „Tommy“ hat man dann das Gefühl, einer komplett anderen Band gegenüberzustehen – der Song scheint ein paar Oktaven tiefer zu liegen als die vorangegangenen Stücke, außerdem hat er, trotz Ohrwurmrefrain, einen deutliche düsteren Einschlag, nicht zuletzt, weil Joe hier ein wenig nach The Cures Vorzeigedepri Robert Smith klingt. Warum geht das nicht gleich so?!

„Humanoid“ weiß ähnlich gut, wenn nicht noch besser, zu gefallen – erzählt wird die zugebenermaßen etwas bizarre Geschichte, wie man wegen Mordes in den Knast kommen kann, weil man einen Bären niedergestreckt hat, inklusive Flucht auf einem Güterzug. Was beim Lesen abenteuerlich anmutet, wird in ein traurig-komisches Soundgewand verpackt, bei dem vor allem im Refrain Gänsehaut aufzieht, bevor recht rasante Gitarrenriffs die Stimmung in eine andere Richtung lenken - ein super Song!

„Zero“ geht zwar in eine ähnlich fragile Richtung, kann aber zwischen zwei Supersongs wie „Humanoid“ und „Russian LSD“ nicht ganz überzeugen. Letzteres entpuppt sich als schwermütig getragenes Stück, bei dem man sich gut vorstellen kann, wie die Band in einer verrauchten Kneipe in einer Nische hockt und sich betrinkt. Dabei zeigt Joe zum ersten Mal, dass er auch richtig genial singen kann. Wieso der Gute uns diesbezüglich so lange auf die Folter gespannt hat, erschließt sich mir nicht so ganz, aber „Russian LSD“ gehört definitiv zu den Highlights der Platte, daran ändert auch das etwas Coldplay-lastige „Denied“ nichts mehr.

Fazit: Fiction Plane haben einiges auf dem Kasten, das zeigt zumindest die letzte Handvoll Songs. Warum allerdings auf der ersten Hälfte von „Sparks“ so gar nichts passiert, ist und bleibt ein Rätsel – und der Grund, dass das Trio es gerade mal so über die Punktehälfte schafft. Wären mehr solcher Songs wie „Tommy“ oder „Humanoid“ auf der Platte vertreten, hätte es auf jeden Fall für eine bessere Bewertung gereicht. So müssen sich die Jungs mit sechs Pünktchen begnügen.

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