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Feuerschwanz: Prima Nocte

Das geht auch anders!
Wertung: 3.5/10
Genre: Folk
Spielzeit: 69:28
Release: 25.11.2005
Label: Deaf Shepherd Recordings

Die Idee zur Gründung von Feuerschwanz stammt aus dem Jahre 2000. Zu diesem Zeitpunkt findet Peter Henrici die Mittelalter Szene zu humorlos. Erste Lieder entstehen, aber entdeckt wird Feuerschwanz erst drei Jahr später. Und zwar von Tobias Heindl, seines Zeichens Geiger bei der Folk Rock Band Fiddler’s Green, der auch gleich ein paar Geigenmelodien einfließen lässt. Die Flöte, Geige, und Schlagzeug kommen von Merlons Lichter, einer weiteren Folk Rock Band. Jedoch nur für ein Jahr, danach trennen sich (wegen Indentifikationsproblemen mit der Bühnenshow) einige Mitglieder von der Band.

Das erste Album „Prima Nocte“ ist nun erhältlich. „Mittelalter-Folk-Comedy“ ist der Begriff, mit dem die Musiker ihre Werke selbst beschreiben. Bei dieser Beschreibung und Betrachtung des Covers („Feuerschwanz – Des Hauptmanns geiler Haufen“), weiß man ehrlich gesagt nicht wirklich, was da auf einen zukommt.

Beim Intro „Es war einmal“ wird mit derber Ausrucksweise von den „Aufgaben“ der Musiker erzählt. Um einen von einer Hexe auferlegten Fluch zu besiegen, müssen sie – so heißt es – verschiedene Dinge erledigen. Darunter 1000 Tage lange „betrunken sein“, „sich mit 1000 Mädchen paaren“ und „alle Schandmaul Texte rückwärts furzen“. Begleitet und unterbrochen wird die Erzählung durch ein paar Rülpser, Stöhnen und ein aufgesetztes Lachen des Erzählers. Ob dies nun gefällt oder nicht, sei jedem selbst überlassen…

Nach diesem Einstieg folgt der erste Song „Das Mittelalter“. Ganz modern kommen hier im Laufe des Lieds E-Gitarren zum Zuge, bleiben aber ihrer eher hintergründigen Position in der Prioritätsliste der Instrumente treu. Die akustischen Instrumente haben klaren Vorrang, kommen doch die Stromgitarrenklänge auch lange nicht in allen Liedern vor. Auch die leicht nasale Stimme des Sängers kann durchaus punkten und wird im Refrain öfters durch Backgroundvocals (männlich und weiblich) unterstützt. Die Rede ist hier jedoch von seiner stimmlichen Leistung, nicht von den Texten. Diese sind nicht nur – wie schon im Intro - zweideutig und unverblümt, sondern zeugen auch von nicht wirklich großer, lyrischer Leistung, was die Dichtung angeht. Bei Texten wie „Wir sind die Herren der Winde – stinken bis zum Horizont“ (dazu gleich mehr) stellen sich einem dann doch die Nackenhaare auf. Auch in der Musik sind zwar einige nette Melodien vorhanden, insgesamt wirkt die Musik oftmals jedoch etwas lahm, im Refrain gelangweilt und nicht besonders kreativ.

Weiter zu den nächsten Titeln. Da! Ein Lichtblick! Eine nette Melodie, interessante Percussions – doch kennt man das Lied nicht irgendwoher? Genau, der Blick auf die Tracklist bestätigt: Bei „Herren der Winde“ hat man den Song von Schandmaul übernommen und mit einem pseudo-lustigen Text versehen. Wenig kreativ und irgendwie überflüssig. Der für das Album titelgebende Song „Prima Nocte“ ist relativ langsam, geht aber gut ins Ohr. Textpassagen wie „Das Leben ein Kampf – Die Lanze muss rein“ gehören noch zu den vergleichsweise äußerst metaphorischen.

Auf den Text achte ich nun nicht mehr; stattdessen umso mehr auf die Musik. Beim Hören von „Schneewittchen“ möchte ich plötzlich im Refrain mitsingen. „Rapunzel, lass dein Haar herab … hinunter in das Erdengrab“ – der Sänger singt jedoch etwas ganz anderes. Hier hat man sich an das Lied „Rapunzel“ der Letzten Instanz herangewagt, es jedoch nicht 1 zu 1 übernommen, sondern in die eigene, fröhlichere Richtung interpretiert. Auch zu Fiddler’s Green können im weiteren Verlauf Parallelen gezogen werden, was jedoch verständlich ist, da Tobias Heindl ja in beiden Bands die Geige übernimmt.

Mit „Comedy“ verbinde ich etwas Lustiges, bei dem man hin und wieder lachen oder auch nur schmunzeln muss. Beim Hören der CD trat dies bei mir kein einziges Mal auf. Das wäre ja noch gar kein allzu großer Minuspunkt, denn was als lustig erachtet wird, ist subjektiv und verschieden. Aber die niveau- und lieblosen Texte, die relativ eintönige Musik und Umsetzung der Originale durch Coverversionen haben meilenweit an meinem Nerv vorbei getroffen. Die mit knapp 70 Minuten relativ lange Spielzeit und angenehme Stimme des Sängers können dennoch als Pluspunkte angerechnet werden. Auf, auf, Hauptmann Feuerschwanz und Sir Richard Hodenherz, das geht auch anders!

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