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Faust Again: Illusions

Durchschlagskraft statt wachsender Kreativität
Wertung: 7/10
Genre: Metalcore
Spielzeit: 47:08
Release: 01.02.2013
Label: Records / Rough Trade

Prinzipiell bringen Faust Again alles mit, was eine anständige Metalcore-Kapelle geladen haben sollte: Angenehm brutale Riffs, kraftvolles Shouting, hier und dort ein paar satte Breakdowns und auch im atmosphärischen Bereich ein paar wirklich gut inszenierte, düstere Passagen. Doch im selben Moment sieht man sich auch dazu genötigt, die mangelnde Originalität anzuprangern, die auch das vierte Album dieser Polen begleitet. "Illusions" ist kein stumpfes Plagiat, das wäre maßlos übertrieben, aber nichtsdestoweniger gelingt es den Jungs nur selten, in der eigenen Nische mit frischen Ideen zu glänzen, weil man sich zu steif an irgendwelchen Genre-Schemata klammert. Dies mag zwar die puristische Masse erfreuen, nicht jedoch den anspruchsvolleren Hörer. Und somit muss Letztgenannter ausschließlich darauf vertrauen, dass Faust Again beim Songwriting zumindest im bestehenden Rahmen Akzente setzen - und siehe da: Hier enttäuschen die Osteuropäer keineswegs.

Was "Illusions" vor allem ausmacht, ist die ungebremste Brachialität in Kopplung mit einigen düsteren Elementen, eine Kombination, die sich wie ein roter Faden durch alle zwälf Nummern zieht. "Break The Silence" und "As The World Forgets You" kann man in dieser Intensität kaum besser performen, "My Self Portrait" und das derbe "The Will To Align" springen derweil auf den gleichen Zug und bestätigen Faust Again als einer der besten Brutalo-Core-Acts, aber eben auch nur mit der Akzeptanz für den Mangel an echter Individualität. Gerade diejenigen, die mit der rauen Durchschlagskraft solcher Acts wie Pro-Pain immer konform waren und ihren Metalcore gerade dann lieben, wenn er sich nicht durch melodiöse Einsprengsel oder verspielte Passagen schmückte, werden nämlich nur mit dieser Scheibe so richtig warm werden - aber dann eben auch auf der normalen, berauschenden Betriebstemperatur.

Was letztendlich bleibt, ist also die Erkenntnis, dass Faust Again eine verdammt gute Metalcore-Band sind und bleiben, sich in ihrer Sache aber teilweise zu sehr in die persönliche Sackgasse beordern, die ihnen schließlich eine Menge Entwicklungsspielraum nimmt. Solange das veröffentlichte Material die Qualität einer Platte wie "Illusions" hat, will man darüber zwar gar nicht meckern, doch die Polen werden nicht ewig auf diesem Trittbrett surfen können, ohne irgendwann abzustürzen. Das vierte Album ist ein gutes, zweifelsohne, und Fans der Sparte auch definitiv zu empfehlen, aber die genannten Bedenken sollen nicht außer Acht gelassen werden, denn die 'Nummer sicher' ist irgendwann gar nicht mehr so sicher.

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