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Faun: Totem

Fortschritt haben wir also genug, Entwicklung nur in Teilbereichen
Wertung: 6.5/10
Genre: Mittelalter; Folk; Gothic/Dark Wave
Spielzeit: 46:6
Release: 16.02.2007
Label: Curzweyhl

Man kann Entwicklung nicht immer mit Fortschritt gleichsetzen; ebenso wenig darf man natürlich auf sie verzichten. Wie geht man also nun mit diesem mehr oder weniger notwendigen, zweischneidigen Schwert am Geschicktesten um? Faun haben in der Vergangenheit gezeigt, dass man nicht pompöse Aufmachungen oder extravagante Ideen benötigt, um eine Entwicklung zu erzielen, sondern mit der richtigen Portion Gefühl weiter kommt als mit einer aufwändigen, jedoch ideenlosen Darbietung.

Man fühlt aus ihrer Musik ein bestimmtes Element, eine Atmosphäre von Mystik und Spannung, nach der diese Musik scheinbar gesucht hatte, und viele Interpretationen traditioneller Musik oder Texte erhalten dadurch ein ganz eigenes Gesicht. Dies allein ist schon viel wert. Und wenn nun noch diese Musik von talentierten Künstlern in stimmigen Outfits dargeboten wird, hat man eine wunderbare Truppe für traditionelle bis mittelalterliche Musik, die auch in der Goth-Szene schnell Anklang findet.

Das neue Album der süddeutschen Paganfolk-Gruppe wirkt zuerst einmal wie eine reduzierte Form von dem, denn sehr viel von dem folkigen Anteil musste der neuen Düsternis weichen. Mystik und Magie wurden zu Gunsten von Tanzfläche und Traurigkeit zurückgeschraubt. Sicher ist dies nicht neu, da sich schon auf dem Vorgängeralbum diese Tendenz abzeichnete, doch ein wenig traurig ist es auf Grund der überquellenden Masse an Clubhits schon. Nicht, dass ich es der Gruppe nicht zutrauen würde, einen Track für alle Bewegungssüchtigen in den samstäglichen Zappelschuppen zu schreiben, doch ehrlich gesagt ist es wirklich nicht ihre Stärke.

Erfreulich wird die Scheibe dann, nachdem sich Faun aus diesen Untiefen in bekannte Gewässer bewegen, Harfe und weltmusikalisches Liedgut hervorholen und mit wohltuendem Spanisch dem Hörer das Ohr verwöhnen. Der Inhalt mag hier ebenso wie die deutschen Texte nicht der Stein der Weisen sein, doch besticht dieser Felsblock durch seine außergewöhnliche Form eher als sein heimisches Gegenstück, dessen Anblick auch das toleranteste Auge langsam überdrüssig ist. Diese eigenwillige Lyrik würde, ins Englische übersetzt, gut zu Hagalaz’ Runedance passen, jedoch findet sie hier nicht wirklich eine passende Umgebung.

Auf der anderen Seite, der B-Seite sozusagen, kommen dann die netten Einfälle. So ist es erfreulich, dass auch diesmal wieder selten genutzte Instrumente einen Platz bekommen haben, beispielsweise der Oud und das Riqq, sowie das recht selten zu hörende Bendir, welche allesamt trotz ihres raren Einsatzes nicht minder virtuos dargebracht werden. Hier wird vieles von den Defiziten des ersten Teils der Platte wieder gutgemacht, wenn auch der bittere Nachgeschmack nicht komplett verfliegt.

Fortschritt haben wir also genug, Entwicklung nur in Teilbereichen; doch ist dieser wohlbedachte Schritt hier dann förderlicher als das sinnlose Fortschreiten und –laufen, bei welchem man wichtige Dinge auf Grund ihres Gewichts oftmals gern zurücklässt. Eine Band dessen Musik so sehr auf Traditionen und vergangene Zeiten begründet ist, sollte nicht ohne ihre Wurzeln versuchen zu wachsen.

Man merkt also auf dieser CD mehr denn je, wo die Stärken und wo die Schwächen dieses Ensembles liegen. Da die Bühne sicher nicht der Ort für die experimentell-poetischen und dancefloor-orientierten Stücke sein wird, kann man bestimmt bei den kommenden Auftritten in diesem Jahr auch weiterhin die ursprüngliche, mystisch-träumerische bis archaisch-folkige Stimmung der Band in vollen Zügen genießen.

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