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Faun: Buch Der Balladen

Und plötzlich ist man im Mittelalter...
Wertung: 8/10
Genre: Paganfolk
Spielzeit: 42:32
Release: 20.11.2009
Label: Screaming Banshee Records

Die Frühlingsonne steht am Himmel, Vögel zwitschern, Männer und Frauen gehen geschäftigt ihrer Arbeit auf dem Markt nach, in der Nähe plätschert ein Bach. Dies und noch viel mehr vermittelt Fauns "Buch Der Balladen", das ausschließlich akustisch vorgetragene Werk des Paganfolk-Quartetts, beim ersten Hören. Die Münchner entführen uns mit ihrem nunmehr sechsten Werk in die zauberhafte Welt der mittelalterlichen Mythologie und gehen dabi äußerst authentisch zu Werke.

Erzählt werden Märchen von Trollen und Drachen, von Wassermännern, Liebesnächten zwischen Rittern und scheinbar grausigen Trollweibern und von rauschenden Festen. Dabei schafft vor allem das Zusammenspiel von Gesang und dem Klang altertümlicher Instrumente wie zum Beispiel Harfe, Drehleier, Lauten, Flöten und Hackbrett eine besondere, fast romantische Atmosphäre. Vor allem die Stimmen der beiden Sängerinnen Fiona Rüggeberg und Sandra Elflein - gab es je einen passenderen Namen für eine Interpretin mittelalterlicher Weisen? - verzaubern den Hörer schon nach den ersten Sekunden. 

Nach einem kurzen Prolog führen uns die Beiden in das Reich des färöischen Helden Sigurd. Der Text stammt ursprünglich aus dem 14. Jahrhundert und weist einige Parallelen zu der uns bekannten Nibelungengeschichte auf. Entstanden ist ein ruhiges Stück mit sehr sehnsuchtsvollem Gesang. "Herr Heinerich" entpuppt sich als wahre Liebesgeschichte; gutmütig lässt er ein Trollweib bei sich nächtigen - gedankt wird es ihm dadurch, dass bei Sonnenaufgang eine wunderschöne Frau neben ihm liegt. Eine Geschichte, die uns mit einem leichten Augenzwinkern lehrt, dass es zuerst gilt, die innere Schönheit zu erkennen.

Eigentlich ein altes deutsches Volkslied, wird "Tanz Über Die Brücke" hier in ein mittelalterliches Gewand gekleidet - mit keltischer Harfe und einem Gong instrumentiert, bekommt das Lied die nötige Schwere, die dem Thema zugrundeliegt; die Symbolik der Brücke nämlich, auf der die Sterbenden ins Reich der Toten hinübertanzen sollen und damit die vollkommene Natürlichkeit des Todes an sich.

Ebenso wie der Großteil des restlichen Albums ist "Jahrtausendalt" ein sanftes, getragendes Stück, das jedoch ein Outro überraschend schwungvoll klingt und Bilder von mittelalterlichen Tanzspektakeln heraufbeschwört. Überraschend ist auch die textliche Dramatik von "Der Wilde Wassermann", der sich in die junge Lilofee verliebt und sie mit sich zum Meeresgrund hinabzieht, wo sie ihm sieben Kinder gebärt. Als sie wieder an die Oberfläche will, nimmt sie drei der Kinder mit sich und überlässt ihrem Mann weitere drei - das siebte wird in der Mitte geteilt. Der Text dürfte schon einige hundert Jahre alt sein, mutet aber an wie das Drehbuch eines äußerst abstrakten Horrorfilms.

Mit der Vertonung des Gedichts "La Belle Dame Sans Merci" des englischen Dichters John Keats geht das Album ebenso stimmig zu Ende, wie es begonnen hat. Faun haben einmal mehr bewiesen, dass es möglich ist, sich in der heutigen Zeit ein kleines Fleckchen der altertümlichen Welt und Traditionen im Herzen zu bewahren. Zwar hätten durchaus einige schwungvollere Stücke im Stile von "Jahrtausendalt" dabei sein dürfen, etwas Besonderes ist das "Buch Der Balladen" jedoch ohne Zweifel. 

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