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Fates Warning: Theories Of Flight

Praktisch meisterlich
Wertung: 9/10
Genre: Progressive Metal
Spielzeit: 52:21 + Bonus
Release: 01.07.2016
Label: Insideout Music

Ja ja, die neue Fates Warning-Scheibe „Theories Of Flight“ ist schon ein paar Wochen draußen, doch wie geht man ein Review an, wo doch aller Ortens immer wieder nur die ultimative Lobhudelei ausbricht? Ist denn nicht davon auszugehen, wo so viel Überschwang im Geiste herumwabert, dass da nicht mindestens drölfzig Argumente zu finden sind, dieses Album nicht auch nicht gut zu finden? Schon das Studio-Comebackscheibchen „Darkness In A Different Light“ von 2013 war ein richtig gutes Album, nur um ein bisschen auf dem Fanteppich zu bleiben, doch anno 2016 haben Fates Warning die Antwort für alle übrig gebliebenen, jemals gestellten und verworfenen Prog-Metal-Fragen dieser Welt – hier hilft wohl nur noch das Handtuch über die Schulter geworfen und den Daumen für den Trip durch die Galaxis in die Luft gehalten.

Am erstaunlichsten dürfte aber sein, wie scheinbar mühelos sich die Amis von allen Erwartungshaltungen distanzieren können, wie sie ein Wechselspiel aus leichten und zerbrechlichen Arrangements und starken proglastigen Riffattacken kreieren, was einmal mehr von Ray Alder mit einer Gesangsleistung gekrönt wird, die kurz vor der Einzigartigkeit steht. Und so dürfte sich „Theories Of Flight“ schon jetzt zu einem Genre-Highlight für die nächsten Jahrzehnte mausern – Fates Warning willkommen im Hier und Jetzt, wobei sie keinesfalls ihre Wurzeln vergessen.

Als gewöhnungsbedürftige Ausnahme präsentieren sich Fates Warning aber mit dem ruhigen Rausschmeißer und Titeltrack „Theories Of Flight“ und überraschen mit reichlich Samples und der Akustikklampfe, doch leider kann das Instrumental bei den anderen Nummern nicht mithalten. Das war es dann jedoch schon mit der Kritik, denn mit dem Rest kann sich sicherlich jeder Fan mühelos arrangieren, so mühelos wie die Songs auf dem Album scheinen. Schon fast lässig leiten sie in die balladeske Nummer „The Light And Shade Of Things“ ein und lassen ein Menge Pink Floyd- bis Dire Straits-Atmosphäre aufkommen. Frontmann Ray spielt einmal mehr seine Klasse aus, sowohl an Härte und Inbrunst legt die Instrumentalfraktion aber noch deutlich zu, der Refrain gerät dabei erneut zum Ohrwurm, doch als ganz großes Kino geht locker durch, dass der Spannungsbogen über die kompletten zehn Minuten funktioniert, auch wenn oder besser, gerade weil zwischendurch und auch am Ende der Track wieder ruhiger wird und eine leicht melancholische Note dem Ganzen noch mehr Tiefe verleiht.

Mit etwas mehr als zehneinhalb Minuten verspricht auf den ersten Blick auch „The Ghosts Of Home“ ein schwerer Brocken zu werden, aber: Erst der ruhige Start, dann die volle Gitarren-Prog-Power, geradezu ein Lehrbeispiel bei den Arrangements der Gewalten, wenn sich Härte und Melodie, Progressivität und Eingängigkeit die Klinke in die Hand geben und harmonisch aufeinander zugehen. Etwas weniger verspielt präsentiert sich „White Flag“, kommt direkter auf den Punkt, lässt natürlich einige Breaks genauso wenig missen wie einen eingängigen Refrain, ist dabei durchaus schon im Uptempo angesiedelt und wird mit einem abgedrehten Gitarrensolo-Duell verfeinert. Der leichte, balladeske Anfang bei „From The Rooftops“ mit sanfter sehnsuchtsvoller, gar schmachtender Klampfe und dem so sehr gefühlvollen Gesang Rays legt gleich zu Beginn des Album eine höchstschwere Duftmarke hin und wenn Fates Warning etwas heftiger zu Werke gehen und so eine gelungene Mischung aus hartem Prog-Riffen und melodischem Refrain hinzaubern, so dürfte sich schon früh jedes kennende Ohr gelohnt haben – die Balance zwischen Härte und Melodie, fluffiger Leichtigkeit und vertracktem Eigensinn klingt dann eben so vertont.

„Seven Stars“ drängt sich im ersten Moment etwas eingängiger auf, auch hier ist der Refrain ein Musterbeispiel für Ohrwurmqualitäten wie im anschließenden „SOS“ auch. Der Song mag vielleicht zuerst ein wenig bieder sein, aber nach mehrfachem Hören gibt er immer von sich preis, denn das trockene Rockriff punktet genauso wie die mittendrin ruhige Passage, welche sich harmonisch ins Gesamtgefüge einbettet, klingt nicht zu experimentell und später kann man sich eh wieder an der Klampfenarbeit und vor allem Rays emotional gelungen Gesang ergötzen.

„Like Stars Our Eyes Have Seen“ schickt uns alle dann auf eine komplett andere Reise. Erst verblüffen der harte Einstieg und der schon fast zuckersüße Gesang mit einer Killermelodie, plötzlich überrascht wieder das balladeske Arrangement für nur kurze Zeit, nur um dann wieder mit deutlich mehr Wucht zuzuschlagen und Prog vorzugaukeln, wobei die komplizierten Saitenverknotungen eher unaufdringlich, aber umso nachhaltiger das Bewusstsein aufzwirbeln.

Kein Zweifel, fernab aller Theorien: Fates Warning sind und bleiben das Maß aller Dinge, Fans der Truppe sollten Ausschau nach dem 2CD-Mediabook oder der im schniecken Klappcover mit bedruckten Innersleeves veröffentlichen Vinylvariante halten, denn die dort enthaltenen Bonustracks sind es schlichtweg wert. Praktisch meisterlich, was sie hingelegt haben.

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