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Farsot: Insects

Ein Alptraum auf unzähligen Beinen
Wertung: 8/10
Genre: Black Metal, Progressive Metal
Spielzeit: 55:07
Release: 28.10.2011
Label: Lupus Lounge

„It is the need for individual luxury that creates the technology that destroys the planet, making it uninhabitable for all but one: The insects.“. Wenn Farsot ihr neues Album in „Like Flakes Of Rust“ mit diesem unheilvollen Sample und dem Kriechen und Zirpen von gewaltigen Insektenmassen denkbar beklemmend eröffnen, ist schnell klar, dass man sich vom Konzept des gefeierten Vorgängers „III“ verabschiedet hat und in vielerlei Hinsicht neue Wege geht – nicht nur thematisch betritt die Band neue Areale, sondern wagt mit dem Wechsel zur englischen Sprache auf „Insects“ einen deutlichen Bruch mit der bisherigen Diskographie, lässt ihren gewohnten Sound aber keinesfalls gänzlich hinter sich zurück.

Obwohl die Musik der Truppe in der Fachpresse gerne mit dem ebenso irreführenden wie nichtssagendem Ettikett „Avantgarde Black Metal“ versehen wird, bewegen sich Farsot in gar nicht so abwegigen Gefilden wie man zunächst vermuten mag, sondern verfolgen konsequent eine klare, aber komplexe und vertrackte Linie. Ihren progressiven Black Metal hat die Formation dabei weitgehend ins Midtempo verlagert und mit zahlreichen schleppenden Momenten durchsetzt, wodurch zwar hasserfüllte Blastbeat-Raserei weitgehend außen vor bleibt, aber eine nicht minder boshafte, unheimlich dichte Atmosphäre geschaffen wird, die „Insects“ neben der technischen Finesse erst zu dem macht, was es ist.

Mit dem eingangs erwähnten „Like Flakes Of Rust“ wird diese dann auch gleich zu Anfang in beinahe greifbarer Dichte aufgebaut, wenn das durch die Samples erzeugte Gefühl der Bedrohung durch langsame Riffs noch verstärkt wird, während die ständigen, den Fluss keineswegs hemmenden Rhythmuswechsel eindrucksvoll beweisen, auf welch hohem Level sich das Songwriting dieser Truppe befindet, in dem selbst der Bass viel Raum zur Entfaltung erhält und gleichberechtigt neben den anderen Instrumenten steht. Auch bei überlangen Songs wie dem gut zehnminütigen „Empyrean“ funktioniert die kunstvolle Verwebung von abwechslungsreichen Strukturen und fesselndem Riffing hervorragend und zeigt sich nicht nur auf instrumentaler Ebene im Wechselspiel zwischen stampfender Wut und nachdenklichen cleanen Parts variabel, sondern stellt auch den rauhen, ausdrucksstarken Screams hymnischen Klargesang zur Seite.

Obwohl dieser progressive Charakter im weiteren Verlauf des Albums allgegenwärtig ist, folgt die bedrückende Stimmung stets einem roten Faden und lässt alle Songs wie aus einem Guss wirken, ohne dass dabei Monotonie aufkommen würde – hier zeigt sich einmal mehr die Erfahrung der Band mit Konzeptalben. Die schemenhafte Schublade „Post-Black-Metal“ vermeiden Farsot dabei übrigens elegant und vollkommen ungezwungen, denn kurze cleane Einschübe wie jene im sowieso schon fast ausschließlich instrumental gehaltenen „The Vermillion Trail“ wirken ebenso wenig aufgesetzt wie die psychedelischen Passagen samt Wah-Wah-Effekt auf den Gitarren im ansonsten überraschend heavy gehaltenen „Withdrawl“, sondern erscheinen vielmehr als eine logische Erweiterung des Grundgerüstes. Doch auch wenn sich im fast schon bluesigen „7“ und dem Abschluss „Somnolent“ gänzlich ohne Vocals deutlicher in dieser Richtung bewegt, fügt sich dies aufgrund der kurzen, aber durchdachten Umsetzung nahtlos in den Kontext der anderen Songs ein.

Fraglos ist „Insects“ vor allem dank dem Wechsel der Sprache ein nicht zu unterschätzender Schritt für die Band, der sich definitiv auch auf die Musik selbst auswirkt und so nicht nur eine neue Stimmung, sondern auch neue Möglichkeiten mit sich bringt – und tatsächlich werden diese bereits ausgiebig genutzt und ebnen den Weg zu einem noch eindrucksvolleren Sound, der ungeachtet aller Komplexität erstaunlich kompakt bleibt. Für Freunde anspruchsvollen Black Metals ist „Insects“ somit ohne Zweifel eine lohnende Investition, die trotz merklicher Entfernung vom Stil „III“s erneut mit einem interessanten und stimmigen Konzept überzeugen kann, bei dem vielbeinige Alpträume vorprogrammiert sind.

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