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FAQ: Whitechapel

Eine eher mäßige Biographie eines Mörders
Wertung: 4/10
Genre: Electro
Spielzeit: 70:59
Release: 20.05.2009
Label: FAQ Management

Der gemeine Bürger versteht unter FAQ die sogenannten „Frequently Asked Questions“, also die häufig gestellten Fragen. Weniger bekannt ist hingegen, dass sich auch eine Electroband aus der Schweiz mit diesem Namen schon seit 1998 im Musikgeschäft tummelt. Diese sorgte mit ihrem Album „Is Pornography Art?“ unter Mitwirkung der Pornodarstellerin Jenna Jameson und Stephan Groth, dem Frontmann von Apoptygma Berzerk, für Aufsehen. Mit „Whitechapel“ liegt nun bereits der fünfte Longplayer vor, ein Konzeptalbum über den als Jack The Ripper bekannt gewordenen Serienmörder.

Der Beginn des Albums klingt durchaus vielversprechend. Nach einem kurzen Intro wissen sowohl „Absinthe And Laudanum“ als auch das hymnenhafte „Birth Of The 20th Century“ durchaus zu überzeugen. Hier sind noch absolut gelungene melodische Synthesizerklänge und angenehmer Gesang vorhanden.

Im Verlauf des Werkes jedoch scheint dieser durchaus positive Anfang stark zum negativen, ja sogar zum Totalausfall zu werden. Dies liegt zum einen daran, dass Musik und Gesang oftmals nicht zueinander passen. Auf aggressivem Gesang folgt eine fast schön fröhliche Melodie, auf düstere Pianoklänge ein recht entspannter Gesang. Erst der vorletzte Track „Miller’s Court“ fängt die düstere Stimmung, die mit diesem Werk wohl beabsichtigt wurde, ein.

Das größte Manko von „Whitechapel“, welches mitunter stark an den Nerven zehrt, so dass das Hören mancher Lieder fast schon zur Qual wird, ist die ständige Wiederholung von bestimmten Passagen. Dieser Effekt wird noch durch die Länge der Tracks verstärkt, denn kaum ein Lied weist eine Spielzeit von unter fünf Minuten auf. Gegen Wiederholungen im Sinne der Einprägsamkeit ist grundsätzlich nichts einzuwenden, aber wenn beispielsweise in „Buck’s Row“ zum zehnten Mal der Satz „The Devil Comes Around“ erschallt, denkt man sich nur noch „Soll er doch kommen!“ und ist dazu geneigt, die Skiptaste zu betätigen.

Apropos „Buck’s Row“: Mit diesem Titel haben FAQ eindeutig den Vogel abgeschossen. Schon Boney M schafften mit ihrem „Calendar Song“ , in dem sie eine mehrmalige Aufzählung aller Kalendermonate bringen, einen großen Erfolg. Vermutlich wurden die Schweizer von dieser Idee inspiriert, anders kann ich mir die über sechs Minuten lange Aufzählung von Straßennamen (zugegebenermaßen mit einigen Unterbrechungen, die das Lied jedoch nicht verbessern) nicht erklären.

Ein ähnlicher musikalischer Tiefschlag ist das Outro des Albums, „In Memoriam“. Die düstere Musik, die gelegentlich von dissonanten, sägenden Klängen unterbrochen wird, steht im konträren Gegensatz zu der Frauenstimme, die mit einer fast schon unglaublichen Monotonie die Todesopfer Jack The Rippers runterbetet. Da kann man auch gleich Nachrichten hören und nebenbei Musik eines avantgardistischen Künstlers laufen lassen.

Somit ist zwar der Gedanke des Konzeptalbums durchaus lobenswert, denn es ist nicht zu leugnen, dass die Person Jack The Ripper und dessen Leben durchaus Stoff für ein derartiges Projekt hergibt. Doch an der Umsetzung mangelt es gewaltig. Wer nicht äußerste Geduld und Durchhaltevermögen mitbringt, wird spätestens bei „Buck’s Row“ das Handtuch werfen. Normalerweise sollte das Hören eines Albums nicht mit körperlichen Anstrengungen verbunden sein, doch „Whitechapel“ scheint hier eine Ausnahme zu sein, die hoffentlich nicht die Regel bestimmen wird.

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