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False Icons: God Complex

Tanzbar, doch zu brav
Wertung: 6.5/10
Genre: Industrial Rock
Spielzeit: 49:38
Release: 11.11.2008
Label: 13th Planet Records

False Icons nennt sich das Soloprojekt von John Bechdel, seines Zeichens Keyboarder für Bands wie Ministry, Killing Joke, Fear Factory und Prong. Für seine erste eigene Platte namens „God Complex“ tauscht er jedoch den Synthie gegen eine Gitarre und ein Mikrofon ein; an den Tasten steht dafür ein gewisser Brian Broadt. Komplettiert wird die Band durch Mark Panek am Schlagzeug und David Brown am Bass. Und was macht man, wenn man über Jahre für Industrial-Rockbands die Knöpfchen und Tasten gedreht und gedrückt hat? Genau: Industrial Rock. Beziehungsweise „Electro-Industrial-Synth-Rock-Trance-Metal“, wie die Band ihren Stil selbst bezeichnet.

Von diesen Attributen überwiegt auf „God Complex“ deutlich die elektronische Seite des Albums, genau genommen die Electro/Synth-Seite, hinter die der Industrial noch eher zurücktritt. Synthieteppich schichtet sich über Synthieteppich, meist getragen von einer wabernden Bassline und gradlinigem Schlagzeugspiel, immer wieder unterbrochen und unterstützt von Gitarrenriffs. Darüber legt sich John Bechdels eigenwilliger Gesang.

Auch wenn sich die Band deutlich an Industrial-Heroen wie Großmeister Trent Reznor und seinen Nine Inch Nails orientiert, so ist doch zumindest ein Schielen in Richtung 90er Jahre Synth-Pop erkennbar. Der zweite Track „Tranqulizer“ erinnert beispielsweise im Refrain an Frankie Goes To Hollywoods „Relax“. Auch in den Songs „Recover“ und „Transform“ legen False Icons viel Wert auf Tanzflächentauglichkeit. Rockiger geht es bei „Lead The Way“ und „The Wheel“ zu. Leider sind die hier eingesetzten Gitarren meist alles andere als kernig gemischt, häufig verschwinden sie nach kurzer Zeit unter Bergen von Elektronik, Hall und Modulationen. Speziell bei „Lead The Way“ ist das schade, denn das Riff des Songs groovt anfangs ordentlich, wird aber im Verlauf immer weicher gespült.

Insgesamt dümpelt „God Complex“ während der gesamten Spielzeit mehr oder weniger vor sich hin. Zwar stechen immer mal wieder gute Momente in den Songs heraus, meist verliert sich das Werk aber in technoider Überladenheit und Stakkatorhythmik. Trotz der schon genannten teilweisen Anlehnung an Reznor und Co. bleibt und wird das Album im Ganzen auch einfach nicht fies und verstörend genug um als guter Industrial durchzugehen. Es bleibt ein zwar meist tanzbarer, jedoch nicht sonderlich aufregender Eindruck zurück.

Fazit: Für mein Empfinden spielen False Icons deutlich zuviel mit ihren elektronischen Möglichkeiten, indem sie ihre Songs zu überladen gestalten und zu wenig Raum zur Entfaltung der einzelnen Instrumente und Klänge lassen. Weniger ist eben manchmal doch mehr. Wer mehr Wert auf elektronische Bestandteile und Tanzbarkeit als auf Gitarrensounds und verstörende Industrial-Klänge legt, könnte an „God Complex“ aber Gefallen finden.

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