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Face Down Hero: Divisions And Hierarchies

Modern und eigentlich nur voll der Hammer
Wertung: 9.5/10
Genre: Thrash Metal
Spielzeit: 38:35
Release: 26.08.2011
Label: Yonah Records

Wie spürt man eigentlich als Schatzsucher das begehrte Edelmetall auf? Manchmal sind es einfach pure Zufälle, die den Weg zu einer Thrashkapelle ebnen. Jungs, könnt ihr euch noch an den völlig verdattelten Gig im Gelsenkirchener Spunk erinnern, als ganze drei zahlende Gäste auftauchten und zusammen mit Face Down Hero und Contradiction abfeierten? Genau da offenbarte sich eine wahre Perle am deutschen Thrashfirmament. Aber was ist eigentlich generell am deutschen Thrashmarkt so los? Destruction, Tankard und Accuser aus den alten Garde melden sich genauso wie die noch recht frischen Cripper, Scornage oder auch Eure Erben (sprich Darkness) zu Wort und hauen Alben heraus, als ob es eine Blütezeit des Teutonenthrashs noch nie gegeben hätte, und nun melden sich Face Down Hero mit „Divisions And Hierarchies“ als Rüttler am Thron an.

Nein, dass mit dem Thron ist keinesfalls übertrieben, denn was das mittlerweile neu formierte Quartett (erst diesen Monat ersetzte ex-Accuser-Gitarrist René Schütz Richard Müller, der ja selbst nur ein Jahr dabei war) auf ihrer CD als Höllenritt bereit hält, bringt gleich den Schmelztiegel in Wallung. Zum wiederholten Male haben sich die Marburger auch unter die Fittiche von Martin Buchwalter (Perzonal War) begeben, der „oh, wen wundert's“ einen aggressiven, modernen Thrashsound aus den Jungs herauskitzelte.

Nix mit kitzeln, vielmehr stehen Face Down Hero  mehr denn je für „Schluss mit lustig“ und hämmern schon mit dem Opener „Isolation“ auf die Hörgewohnheiten ein, dass alle anderen Doublebass-Erinnerungen gleich aus dem Gedächtnis getrommelt sind. Die Herren werden immer älter und immer wilder – eine perfekte Mischung – hört euch nur das Gitarrensolo an, das so gar nicht von dieser Welt kommen und nur von einem Wahnsinnigen so eingespielt werden kann. Und so wie der Song eingeleitet wird endet er auch und hinterlässt blanke Fassungslosigkeit wegen dieser Thrashorgie.

Wenn jetzt der Aufschrei nach ein wenig Erholung kommt, setzen Face Down Hero diesem Gedanken mit der Doublebass-Attacke „The Art Of Silence“ ein jähes Ende, schreddern in bester Slayer-Manier durch die ersten Noten und haben mit den US-Veteranen nicht einen Funken gemeinsam, sondern setzten sich locker auf der Überholspur ein wenig ab.

Tja, weit gefehlt, wer hier denkt, die Herren hätten schon ihr Pulver verschossen, denn auch „Integrity Of The Sun“ ist ein wahrer Thrash-Ohrenschmaus und hämmert trotz etwas zurückgefahrenem Tempo heftig in die Eingeweide. Besonders positiv fällt auf, dass man Kalis Vocals sehr gut versteht, obwohl auch er weit davon entfernt ist, mit melodischem Gesang aus dem Rahmen zu fallen.

Bei Face Down Hero sticht besonders hervor, dass sie trotz aller Thrash-Prügelei so etwas wie „fröhliche“ Gitarren einsetzen – ein Song wie „Integrity Of The Sun“ ist ganz klar durch die klassische Musik beeinflusst, was sich durch die Leadgitarre bestens belegen lässt. Überhaupt sorgt die Leadgitarre immer wieder für technische Spielereien, die geschickt in die granatenscharfen Songs eingebaut werden und so dem Thrashgewitter noch deutlich mehr eigene Identität verleihen.

Dabei setzt das Quartett nicht ausschließlich auf pure Raserei. „Seventeen Years“ hat nicht nur das erste wirkliche Intro des Albums, sondern sorgt mit den akustischen Gitarren für einen ersten ruhenden Kontrast, wandelt sich dann in einen aggressiven Stampfer und verformt sich dann zunehmend in thrashige Raserei – Abwechslung pur und live ganz sicher ein Abrisshammer. Das anschließende „Apotheosis“ ist dagegen nett gemeint, unterbricht aber ein wenig die durchgehend gut bolzende Scheibe.

Beim „False Hierarchies“ experimentieren sie ein wenig mit dem Gesang, finden schnell wieder in die gewohnte Spur zurück, bauen aber lieber im Midtempo eine weitere Massivwand aus Gitarren, Bass und Doublebass auf und auch beim Rausschmeißer „Synthetic Heart“ gehen sie lieber etwas langsamer, aber nicht wirklich ruhiger zu Werke – einmal mehr besticht hier die solistische Gitarrenarbeit bis zum ausfadenden Ende.

Da gibt es nicht zu rütteln – Face Down Hero lassen sich weder von den ausländischen Mitbewerbern in die Thrashsuppe spucken und von der heimischen Konkurrenz erst recht nicht. Warum sie bisher trotz guter Scheiben nicht wirklich unter den Top 10 der deutschen Thrashexporte gelandet sind, wird ein Geheimnis der Metalszene bleiben, mit „Divisions And Hierarchies“ legen sie aber ein aufrüttelndes Dokument modernen Thrashmetals vor und rütteln so am Thron der anderen. Die Wahl zur Thrashscheibe des Jahres wird hiermit schon fast unmöglich gemacht.

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