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Faanefjell: Trollmarsj

Alte Troll-Legenden und roher Black Metal: Norwegen von seiner truesten Seite
Wertung: 8.5/10
Genre: Symphonic Black Metal/Folk Metal
Spielzeit: 49:23
Release: 18.09.2010
Label: Mayhem Music

Dies ist die Geschichte des Berges Faanefjell in Norwegen, auf welchem zwei Trolle leben: Grimtroll und Sytroll. Gleichzeitig ist es auch die Geschichte einer norwegischen Band, welche mit zwei Mitgliedern startete: wiederum Grimtroll und Sytroll.

Die Identifikation der Gründungsmitglieder von Faanefjell mit den zwei Sagengestalten aus den alten Legenden Norwegens ist groß. Wen wundert es da, dass nicht nur ihre Namen, sondern gleich ihr ganzes Debütalbum dieser Legende gewidmet wurde. „Trollmarsj“ ist ein Konzeptalbum und handelt von dem Kampf der beiden Trolle und den Menschen um den besagten Berg. Kraft, Wut und Aufmärsche sind hier Thema, und dies findet sich auch in dem Black Folk Metal von Faanefjell wieder.

Das Album „Trollmarsj“ vereint schnelle Black-Metal-Rhythmen und harte Riffs mit stark hervorgehobenen Folk-Instrumenten und atmosphärischen, ruhigen Parts. Derbes Kreischen von Sänger Sytroll ist genauso vertreten wie instrumentale Songs. Durch das Konzeptalbum führt zudem der Erzähler Arly Karlsen, der die einzelnen Stücke der Geschichte zu einem Ganzen vereint und den roten Faden kontinuierlich weiterspinnt.

Das Album ist durchgehend in Altnorwegisch bzw. Altdänisch gehalten, was einen unglaublichen Effekt auf die Atmosphäre hat. Besonders das gesprochene Intro, in dem die beiden Trolle und die Umstände des Berges Faanefjell kurz angerissen werden, wirkt auf den Hörer nachhaltig einnehmend. Besonders schön und gleichzeitig beeindruckend ist hier auch der Übergang vom Intro zum ersten Song „Faanetrollets Vise“, welches aus einem derben und bedrohlichen Lachen besteht und dem Gemüt der Trolle aus den Legenden in nichts nachsteht.

Faanefjell gelingt es, fiesen Black Metal mit feinsinnigem Folk zu verknüpfen und dabei trotzdem eine Ausgewogenheit in der Musik beizubehalten. Lieder wie „Til Kamp“ oder „Her Hersker kun Troll og Mörkemænn“ zeigen auf diese Weise durchaus geradlinigen, rohen Metal auf. Durch Keyboard, eingestreute Folklore-Gesängen wie auch durch den Einsatz einer klassisch norwegischen Hardangerfiedel wird die rohe Art des Black Metals aber geschickt aufgelockert. Einen großen Wert legen Faanefjell zudem auf eine interessante Melodieführung, die dem Metal dieser Norweger eine symphonischen Note einhaucht. Dies wird zum Beispiel in „Faanetrollets Vise“ oder „Drikkegilde i Jotunheimen“ deutlich.

Die Atmosphäre der Musik ist schlussendlich weder depressiv noch verträumt, sondern findet ihre Mitte zwischen diesen Gegensätzen, um die Raserei eingebettet in einer Legende vergangener Tage modern wiederzugeben. Dabei ist aber nicht davon auszugehen, dass diese CD auf einer in irgendeiner Weise monotonen oder gar langweiligen, musikalischen Mitte verbleibt. Vielmehr gibt es in der Musik von „Trollmarsj“ immer wieder starke Ausbrüche in beide Richtungen, so dass dieses Album neben Abwechslung auch eine große Vielseitigkeit präsentiert. Das Songwriting überzeugt in vollem Maße. Gleichzeitig versprüht dieses Album nicht zuletzt durch die urtümliche Stimme von Arly Karlsen bis zum Schluss einen enormen Charme und ist auch ohne der skandinavischen Sprachen mächtig zu sein als Konzeptalbum zu erkennen.

Die klare Produktion ist ein weiterer Pluspunkt von „Trollmarsj“, dessen Musik dadurch ein deutlich akzentuierter wie auch mächtiger Sound verliehen wird. Der einzige Kritikpunkt, der an diesem Album gefunden werden kann, besteht neben ein paar Kleinigkeiten darin, dass sich Faanefjell ab und an etwas zu sehr zum Orchestralen hinreißen lassen, so dass zum Beispiel die Orgel-Klänge in „Soknardalr“ ein wenig übertrieben ausfallen.

Als Debütalbum der Norweger kann sich „Trollmarsj“ aber durchaus sehen lassen. Den hohen Anteil an Folk sollte man als Anhänger des reinen Black Metals jedoch nicht unterschätzen. Wer sich dem Folk Metal aber nur im Entferntesten zugetan fühlt, sollte bei dem Aufstand dieser Trolle aber auf jeden Fall einmal ein Ohr riskieren.

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