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Exxplorer: Vengeance Rides An Angry Horse

Eine Klaviatur zwischen schmerzhafter Menstruation und erlösendem Orgasmus
Wertung: 9.5/10
Genre: US Metal
Spielzeit: 54:40
Release: 10.09.2011
Label: Pure Steel Records

Verfluchte Scheiße, warum denn jetzt erst, warum haben Exxplorer einfach so lange gebraucht, um mit “Vengeance Rides An Angry Horse” dem US-Metal soviel Leben einzuhauchen wie es so viele Bands voher wieder versucht haben und gescheitert sind? Muss erst eine Diskussion nach dem Motto „je oller desto doller“ für die nötigen Umschwung sorgen? Hätten sie ihr „Glory Hunter“-Motto nicht schon wenigstens 15 Jahre früher wie ein Füllhorn über die ausgemergelte Szene schütten können?

Hier sei doch ein Ausflug in die weit zurück liegende Vergangenheit erlaubt: Tatort irgendwann 1985/86 in der Plattenküche in Bottrop, ein Wunschzettel mit Plattentipps aus dem Rock Hard in der Linken, während sich die Finger der rechten Hand durch das Schallplattenregal wuseln, ein erstes „Ey, kennste Exxplorer“ wurde mit einem „Nee, hör doch mal rein“ glatt gebügelt, und während sich langsam der Tonarm den Vinylrillen näherte, schweifte der Blick in die Plattenauslage ab, um sich der aktuellen Slayer-Scheibe zu widmen, bis, ja bis die B-Seite mit „Guilty As Charged“ schon dafür sorgte, dass die Platte nicht nur verhaftet, sondern in den nächsten Wochen fast tot gedudelt wurde. Und mal ehrlich: Danach haben die New-Jersey-Boys doch nur noch Schrott herausgebracht. 

Doch 2011 richtet dann ein neues Album den Akt der Vergessenheit dahin – gut, da gab es die beiden überzeugenden Auftritte auf den beiden deutschen True-Steel-Festivals, doch Live und Scheibe sind auch oder gerade anno heute zwei verschiedene Paar Bikerstiefel. Lenny Rizzo hat einfach das richtige Goldkehlchen, wechselt anscheinend spielend von fragil über emotional bis aggressiv, dabei allseits melodisch, was er dann auch locker live auf dem Swordbrothers Festival 2011 nachwies – genau an jenem Tag, als sich die Fans schon mit dem Scheibchen eindecken konnten, obwohl der Release doch erst später stattfinden sollte – deswegen die hier links beim Release-Datum veränderte Variante gegenüber anderen Quellen.

Viele Worte muss man nicht um „Vengeance Rides An Angry Horse“ machen – wer das Debut liebte, wird auch die aktuelle Scheiblette vergöttern. Warum das so ist? Das fängt schon beim Sound an, der so gar nicht auf modern getrimmt wurde und sicherlich allen Soundfetischisten die Tränen in die Augen treiben wird, und trotzdem ist die Platte durch und durch authentisch und einfach nur cool weil transparent, modern genug, um nicht allzu altbacken daher zu kommen, und trotzdem wird der soundliche Spirit der damaligen Aufbruchphase perfekt eingefangen.

Des Openers Gitarrenarbeit verzückt sofort, der erste zaghafte Scream bei „Gyspy“ jagt die erste einer Vielzahl an Gänsehäuten über den Rücken, das Gitarrensolo, mit so viel Gefühl gespielt, kann kaum von dieser Welt sein, und auch die einfache Riffwand, die nichts mit Schaumschlägerei zu tun hat, sondern Tränen der Verzückung hervorbringt – da könnte man glatt mit den „Gypsy“s mitheulen, allerdings aus einem anderen Grund; oder das Instrumental „The Vengeance“ als ein Spielplatz für Emotionen, oder aber auch die Halbballade „As The Crow Flies“, die zärtlich die Seele umschmeichelt, eine Klaviatur zwischen schmerzhafter Menstruation und erlösendem Orgasmus, der Pfad in den epischen Irrsinn. Da wäre noch das Geschwindigkeit aufnehmende „Spirits Of The Wind“, welches einfach straighter daher kommt und zur Band genauso gut passt wie das stampfende „Freight Train To Hell“ – Vielfalt in Tateinheit mit „aus einem Guss“ prangt in ganz großen Lettern.

Wer Exxplorers „Vengeance Rides An Angry Horse“ nicht liebt, der mag entweder eh: a) überhaupt keinen Metal, b) ist schon trendverseucht, c) mag erst Recht keinen US-Metal, d) blendet Tradition aus und schaut nur nach vorn, e) sollte auf Hip Hop umsteigen oder f) ist schon tot. Pure Steel Records sind ja schon mit einigen Scheiben arg tief ins Fettnäpfchen getreten, doch hier haben sie den Zinken in den richtigen Proberaum gehalten und mit vorliegender Scheibe ein „Must Have“ vorgelegt, wo man nicht unbedingt „open minded“ sein muss, um sich anstecken zu lassen. US-Metal-Fans kommen an „Vengeance Rides An Angry Horse“ eh nicht vorbei, Fans mit Geschmack an Tradition ebensowenig, Fans mit Sinn für guten Metal haben auch keine Ausrede parat – warum lest ihr hier noch und seid nicht schon unterwegs, um das Scheibchen zu verhaften? Ein Meilenstein der Band, der es wert ist, die 25-jährige Wartezeit einfach zu vergeben und zu vergessen.

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