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Extramensch: Extramensch

Alte Lyrik im neuen gotischen Gewand
Wertung: 9.5/10
Genre: Gothic Metal
Spielzeit: 51:8
Release: 17.09.2010
Label: Delicious Releases

Vom Orkus als Newcomer des Monats Oktober 2010 bezeichnet geben sich Extramensch geheimnisvoll. Es fallen keine Namen, weder wer Sänger, noch Gitarrist, Bassist oder Schlagzeuger der Band ist. Fakt ist, dass die Band aus fünf Extramenschen besteht.

Sie selbst beantworten die Frage nach "Wer ist Extramensch?" mit „Jeder ist Alles und Nichts, ... denn Alles, was ist, ist Eins!“ Daraus schlussfolgern sie: „Der Erkenntnis folgend bis DU Extramensch!“, was hoch philosophisch und lyrisch klingt, verspricht viel. Und genau dieses Versprechen wird auf dem Album „Extramensch“ gehalten. Extramensch versuchen nicht das Schöne neu zu entdecken, die Liebe brillanter zu beschreiben oder für sie noch schönere Worte zu finden oder gar eine bessere Erklärung aufzuzeigen, wer oder was Gott ist. Nein, sie holen sich Rat in schon Geschriebenen. Anders als das Rilke Projekt oder Hesse Projekt dies höchst kommerziell aufgezogen hat (möglichst viele bekannte Namen, um das Werk zu promoten), vertonen Extramensch große Schriftsteller wie Goethe, Schiller, Rilke aber auch alte Weisen von Francois Villon auf ihre Weise, mit einer guten Kombination aus gitarre-lastigem Rock, düsteren Stimmen und elektrischen Synthesizern.

Das Album beginnt mit dem Titelsong „ Extramensch“ und einem typischen Motiv, dem Phoenix aus der Asche. Hier fühlt sich der Hörer direkt an Zeraphine erinnert, wo auch der zweite Song nicht vor Halt macht, hier wird Rainer Maria Rilkes „Das Lied des Bettlers“ vertont und der Gitarrist Extramensch zeigt, dass sie dem Genre Gothic-Rock angehören. Die Riffs sind sauber, die Stimme düster.

Der dritte Song „Kleine Liebesballade“ ist eine alte französische Weise von Francois Villon und Extramensch verstehen es auf brillante Weise, dieses alte Liebesgedicht aus dem 15. Jahrhundert in die Gegenwart zu transportieren. Auch hier stehen die Gitarren im Vordergrund, treiben den Sänger an, das rothaarige Mädchen für sich zu erobern.

Obwohl sich Extramensch alten Texten widmen, mit alter Lyrik aufwarten, wirken sie auch im 20. Jahrhundert nicht verstaubt oder antiquiert. Dies schaffen sie einerseits durch die Wahl der Instrumente, sie greifen hier zu E-Gitarren, aber auch zu elektronischen Synthesizern. Vor allem aber haben sie Texte und Fragen ausgewählt, die auch in der heutigen Zeit noch nicht beantwortet wurden. In „Gospel“ wird die Frage geklärt, dass Gott schwarz ist und alles Böse und Schwarze an sich zieht. Wolfdietrich Schnurre hat eben dies in seinem Gedicht aufgeworfen, ein Gott, der die abscheulichsten Dinge, von Menschen durch geführt, zulässt, kann nur schwarz sein. Wichtig ist hier zu nennen, dass nicht die Hautfarbe damit gemeint ist, sondern die Seele.

Extramensch bedienen sich der deutschen Sprache, nur kurze Zitate rühren aus dem lateinischen („Leidenschaft“). Sie wollen vor allem verstanden werden und den Fokus auf die Inhalte lenken, der sich eben vollkommen auf die Musik projiziert, weil keine Ablenkung durch die Frage „Was haben die Bandmitglieder vorher gemacht?“ vorhanden ist. Eine Ausnahme ist der letzte Song, der zusammen mit Carmen Rizzo aufgenommen wurde. Eine Vertonung von Friedrich Schillers Werk „Das Mödchen aus der Fremde“. Aber auch hier bleiben Extramensch sich treu, sie singen deutsch, Carmen englisch. Nicht sie wollen im Licht stehen, sondern der Hörer, der aus der Musik für sich einen Weg findet, denn nach Extramensch ist alles Existierende miteinander verbunden.

Fazit: Extramensch liefern ein großartiges Debut, sie zeigen, auf ihre Art, dass alles schon gesagt wurde und dies dennoch auch heute noch von großer Bedeutung ist. Und obwohl sie sich alter Texte bedienen, zeigen sie etwas Neues. Es bleibt zu hoffen, dass sie genau so weiter machen und noch viel von ihnen zu hören sein wird.

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